Ein Hund aus dem Tierheim

Besonderheiten und der Weg ins neue Leben

Hunde aus dem Tierheim haben meistens eine traurige Vorgeschichte mit traumatisierenden Erlebnissen hinter sich. Gerade diese Hunde brauchen besonders viel Verständnis, Geduld und Einfühlungsvermögen, damit sie wieder Vertrauen zum Menschen fassen können. Manche Tiere wurden einfach ausgesetzt, wenn sie in ihrem Zuhause nicht mehr erwünscht waren oder die Hundehalter überfordert waren. Andere haben ihren geliebten Menschen durch den Tod verloren – oder weil sie dieser aufgrund von Krankheit nicht mehr behalten konnte. Viele Tierheimhunde hatten von Anfang an einen schlechten Start ins Leben. Dazu gehören Hunde aus dem illegalen Welpenhandel, die oft viel zu jung waren, um schon von ihrer Mutter und ihren Geschwistern getrennt zu werden. Diese bedauernswerten Geschöpfe kamen unter schlimmen Bedingungen zur Welt und sind meist schwer krank – sofern sie die Strapazen überhaupt überlebt haben. Leider fehlt diesen Tieren auch die Sozialisation durch Mutter und Geschwister, was sich ein Leben lang in Unsicherheit und Verhaltensstörungen auswirken kann. Ihr trauriges Schicksal haben sich die Tiere aus dem Tierschutz aber nicht selbst ausgesucht; schuld daran waren herzlose Menschen. Es ist daher zu hoffen, dass liebevolle Tierfreunde den Vierbeinern ein neues Zuhause geben.

Aufenthalt im Tierheim als erster Schritt ins neue Leben

Gutausgebildete, liebevolle Tierpflegerinnen und Tierpfleger sorgen gemeinsam mit qualifizierten Hundetrainern dafür, dass die ersten Schritte eines Tierschutzhundes in ein schönes, neues Leben bereits im jeweiligen Tierheim gemacht werden. Hunde, die krank ins Tierheim kommen, müssen gesundgepflegt werden, bevor sie an neue Besitzer vermittelt werden können. Schlimmer als die körperlichen sind oft die seelischen Verletzungen, die den armen Tieren auf ihrem Leidensweg zugefügt wurden.  Diese sind auf den ersten Blick nicht zu erkennen und benötigen viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen der betreuenden Tierpfleger. Es ist da besonders wichtig, auf die jeweiligen Bedürfnisse des traumatisierten Hundes und auf spezielle Auffälligkeiten zu achten. Zur Heilung dieser Hundeseelen werden auch qualifizierte Hundetrainerinnen und Hundetrainer miteinbezogen.

Kompetente Beratung bei der Vergabe ist wichtig

Einen Hund als neues Familienmitglied zu sich zu nehmen, bedeutet eine große Verantwortung für viele Jahre – ein ganzes Tierleben lang. Es ist daher sehr wichtig, bereits VOR der Wahl eines Hundes zu überlegen, welcher Art Hund man gerecht werden kann. Reicht die eigene Körperkraft für einen großen starken Hund, oder sollte man sich doch lieber für einen kleinen Vierbeiner entscheiden? Wieviel Platz ist in der Wohnung, und wieviel Zeit für Beschäftigung und Spaziergänge ist vorhanden? Diese Fragen und noch viele mehr sollten geklärt werden, bevor man den Besuch im Tierheim macht. Ist man sich danach sicher, dass man diese große Verantwortung übernehmen will und kann, sollte man sich vertrauensvoll der Beratung der Tierpflegerinnen und Tierpfleger anvertrauen. In gut geführten Tierheimen kennt das Pflegepersonal seine Schützlinge und deren Eigenheiten gut, und kann so zukünftige Hundehalter kompetent bei der Entscheidung für den einen oder anderen Hund unterstützen – auch in Bezug auf die Bedürfnisse an geistiger und körperlicher Auslastung des in die engere Wahl gekommenen Hundes.

Langsame Eingewöhnung

Hat man mit sachkundiger Hilfe von Tierpfleger oder Tierpflegerin den zu den eigenen Lebensumständen passenden Hund gefunden, kommt es darauf an, das neue Familienmitglied langsam und einfühlsam an die neuen Lebensumstände zu gewöhnen. Für den Hund ist jetzt alles neu, und er braucht Zeit, um sich in der neuen Umgebung schlussendlich sicher zu fühlen. Daher sollten anfangs nicht viele Personen nach Hause eingeladen werden, weil man den Hund herzeigen möchte. Die meisten Hunde würde dies überfordern. Auch lange Unternehmungen sollten nicht geplant werden, da der Vierbeiner zuerst die neue Umgebung außerhalb seines neuen Zuhauses in Ruhe kennenlernen muss. Empfehlenswert ist es, anfangs immer die gleiche Runde zu gehen und eher kurze, dafür häufigere Spaziergänge zu machen. Der Hund gewinnt durch Routine mehr Sicherheit und kann sich so leichter einleben.

Rechtzeitig Hilfe holen

Für manche Hunde ist es nicht leicht, sich im neuen Zuhause zurechtzufinden. Und es gibt auch immer wieder Hunde, die aufgrund schlechter Erlebnisse in ihrem Vorleben Verhaltensweisen, an den Tag legen, mit denen der frischgebackene Hundehalter überfordert ist. In solchen Fällen ist es ganz wichtig, so rasch wie möglich Hilfe zu suchen, und am besten als erstes das Tierheim, aus dem der Hund kommt, zu kontaktieren. Da das dortige Pflege-personal die Eigenheiten und Probleme des Hundes kennt, kann erwartet werden, dass entweder im Tierheim direkt mit Hundetrainern, die der Hund schon von seinem Aufenthalt dort kennt, mit dem Tier und seinen neuen Besitzern an den Problemen gearbeitet wird, oder dass für das spezielle Problem geeignete, externe Hundetrainer empfohlen werden.

Möglichkeit einer Vertrauenspatenschaft

In vielen Tierheimen, so auch im TierQuarTier Wien, gibt es die Möglichkeit, für einen Hund eine Vertrauenspatenschaft zu übernehmen. Diese kann auch die Vorstufe für die Übernahme eines Hundes sein. Bei einigen Vierbeinern, die sich nur langsam an neue Menschen gewöhnen, ist es hilfreich, sie über längere Zeit im Tierheim zu besuchen und langsam eine Freundschaft aufzubauen. Sind nach einiger Zeit sowohl der zukünftige Hundehalter als auch der Hund dazu bereit, kann die Vertrauenspatenschaft beendet und der Hund in sein neues Zuhause vergeben werden.

Unterstützung groß geschrieben im TierQuarTier Wien

Im TierQuarTier Wien finden bis zu 150 in der Stadt Wien entlaufene, herrenlose, beschlagnahmte und abgenommene Hunde, 300 Katzen und hunderte Kleintiere vorübergehend ein Zuhause. Wer hier einen Hund – einerlei ob Listenhund oder „Nicht-Listenhund“ – übernimmt, erhält Unterstützung nicht nur in fachlicher Unterweisung, sondern auch in Form von Gutscheinen für diverse Kurse oder Kastrationen.

Informationen dazu gibt es unter www.tierquartier.at

Maga. Annemarie Hurban
Akademisch geprüfte Kynologin
Leitung Marketing, Öffentlichkeitsarbeit & Ehrenamt im TierQuarTier Wien
Süßenbrunner Straße 101, 1220 Wien