Durch Zecken übertragene Gehirnhautentzündung

 Durch Zecken verursachte HirnhautentzündungDass FSME (Frühsommermeningoencephalitis oder Gehirnhautentzündung) durch Zecken auf den Menschen übertragen werden kann, ist allgemein bekannt. Dass aber auch Hunde durch Zecken mit Gehirnhautentzündung angesteckt werden können, wissen selbst erfahrene Hundehalter oft nicht. Da es für Vierbeiner – im Gegensatz zum Menschen – keine Impfung gegen FSME gibt, erkranken leider immer wieder Hunde daran.

Mangelhafter Zeckenschutz ließ Labrador Samson zum Opfer werden
Der siebenjährige Labradorrüde Samson mußte FSME schmerzlich am eigenen Leib erfahren. Ein Zeckenbiss war der Auslöser; und das obwohl sich sein Besitzer sehr um ihn sorgt und ihn gegen Ektoparasiten wie Zecken und Flöhe schützt. In diesem Fall war eine Verkettung unglücklicher Umstände verantwortlich für Samsons missliche Lage: Intensives Schwimmen und ein für den Hund nicht optimal wirkendes Zeckenpräparat haben dazu beigetragen, dass diesmal keine ausreichende Zeckenprophylaxe gewährleistet war.

Innerhalb weniger Tage nach dem Zeckenbiss zeigte Samson Muskelzittern und hohes Fieber. Der Zustand verschlechterte sich innerhalb von drei Tagen trotz tierärztlicher Vorbehandlung soweit, dass Samson nur mehr auf der Seite liegen konnte und unter schweren Muskelkrämpfen litt. Der Tierarzt wollte bereits aufgeben, jedoch Samsons Lebenswille führte am vierten Tag seiner Erkrankung zu einer leichten Verbesserung der Symptome. Daher wurde Samson an die Universitätsklinik überwiesen. Hier konnte er am ersten Tag selbständig nur den Kopf heben und Futter sowie Wasser aufnehmen. Da sich durch die durchgeführten Untersuchungen der Verdacht einer Gehirnentzündung (Enzephalitis) erhärtete, wurden starke entzündungshemmende Medikamente verabreicht. Die Untersuchungen auf Antikörper

Durch Zecken übertragene Gehirnhautentzündung (FSME) beim Hund
Ein Fallbericht gegen das FSME-Virus im Blut und in der Gehirnflüssigkeit ergaben ungewöhnlich hohe Werte, woraufhin die Diagnose Frühsom- mermeningoenzephalitis ausge- sprochen wurde. Nach 4 Tagen an der Klinik konnte Samson die ersten Schritte selbständig gehen, jedoch war die große Kraftanstrengung dabei noch deutlich zu bemerken.

Herrchens Liebe trägt zur Heilung bei
Ohne die täglichen Besuche und den Zuspruch seines Herrchens hätte der starke Überlebenswille des Labradors vielleicht doch noch nachgelassen. Doch so konnte Samson nach 8 Tagen in häusliche Pflege entlassen werden. Wie schon in den letzten Tagen an der Klinik war nun das Hauptaugenmerk auf die Physiotherapie gerichtet, um Samsons Bewegungsapparat wieder in einen funktionsfähigen Zustand zu versetzen. Die entzündungshemmenden Medikamente wurden in den folgenden Tagen bereits langsam reduziert und nach wenigen Monaten vollständig gestoppt

Rehabilitation durch Physiotherapie
Während des stationären Aufenthaltes an der Klinik für Interne Medizin wurde bereits am ersten Tag mit intensiver unterstützender Physiotherapie begonnen. Durch das lange Liegen waren Samsons Muskeln schon sehr schwach und auch die Beweglichkeit seiner Gelenke war schon teilweise eingeschränkt. Weiters litt der Rüde vor allem im Nackenbereich an sehr starken Verspannungen, da er zu Beginn des Aufenthaltes an der Klinik nur auf der Seite liegen und nur seinen Kopf bewegen konnte, um sich umzuschauen oder zu fressen. Mit Unterstützung war es möglich, Samson in Brust-Bauchlage zu verbringen, in der er sich anfangs nur kurz, später immer länger halten konnte (s. Abb. 1). Der physiotherapeutische Therapieplan richtete sich zum einen gegen die Verspannungen und Schmerzen im Nackenbereich. Hier wurde mit oberflächlichen und tiefen Massagetechniken gearbeitet um die verhärtete Muskulatur zu lockern, die Durchblutung zu fördern und Schmerzen in diesem Bereich zu reduzieren (s. Abb. 2)

Ein weiteres Ziel der Physiotherapie war es, der eingeschränkten Gelenksbeweglichkeit entgegen zu wirken. Zu diesem Zweck wurden passive Bewegungsübungen aller Gelenke der Vorder- und Hinterextremitäten durchgeführt. Alle Bewegungen wurden ruhig und fließend durchgeführt, und das Gelenk vorsichtig und langsam innerhalb des momentan möglichen Bewegungsausmaßes bewegt. Die Bewegung erfolgte in Beugung und Streckung und wurde ungefähr 3-5-mal täglich mit jeweils 10 Wiederholungen durchgeführt (s. Abb. 3).

Ein weiteres Problem Samsons war das Unvermögen, selbstständig zu stehen beziehungsweise zu gehen und der damit einhergehende Abbau der Muskelmasse. Aus diesem Grunde wurde der Vierbeiner öfters am Tag von der Seitenlage in eine stabile Brust- Bauchlage verbracht. Diese Haltung war für ihn zu Beginn recht anstrengend, aber nach einigen Übungseinheiten konnte er bald länger in dieser Haltung verweilen und etwas anstrengendere Übungen wurden hinzugezogen.

Als nächster Schritt wurde beispielsweise versucht, ihn aufzusetzen und mit Unterstützung auf die Beine zu stellen. Zu Beginn, sprich in der ersten Woche nach Beginn der Physiotherapie, war Samson gerade einmal für maximal fünf Sekunden stehfähig, bevor er – vor allem mit den Vorderbeinen – einknickte und sich wieder hinlegen musste. Die Zeit, in der er sich auf den Beinen halten konnte, wurde aber von Mal zu Mal länger, was auch seinem ungebrochenen Willen zuzuschreiben war. Um ihm das Stehen zu erleichtern, wurden auch Übungen im Stehen in unserem Wasserbecken durchgeführt (s. Abb. 4).

Diese Umstellung der Therapie hat ihm mehr Spaß gemacht, da das Stehen im Wasser weniger anstrengend ist als das Stehen „an Land“.

Nachdem sich Samsons Zustand zufriedenstellend verbesserte, konnte er in häusliche Pflege, wo sich sein Besitzer rührend und aufopfernd um ihn kümmerte, entlassen werden. In weiterer Folge wurde die Physiotherapie dann ambulant, zwei- bis dreimal wöchentlich, durchgeführt. Auf unserem Unterwasserlaufband wurden (immer mit Unterstützung, da vor allem vorne die Muskulatur schnell ermüdete) assistierte Gehbewegungen geübt. Gegen die Verspannungen wurde Samson weiterhin massiert und auch mittels Elektrotherapie (s. Abb. 5) und Akupunktur behandelt.

Das vorerst assistierte Gehen auf dem Laufband wurde zunehmend selbstständiger, bis er dabei keine Unterstützung mehr benötigte. Und auch Spaziergänge, wenn zwar vorerst nur ganz kurz, mit seinem Besitzer waren wieder möglich. Nach weiteren Wochen intensiver Therapie und guter Pflege daheim, kann Labrador Samson mittlerweile ein ganz normales Hundeleben führen, in dem auch Ballspiele, Schwimmen und Herumtollen mit dem kleinen Sohn der Familie nicht fehlen dürfen.