Drei Schwachpunkte alter Katzen

Niere, Schilddrüse und Zuckerstoffwechsel

Dank regelmäßiger Gesundheitsvorsorge, bester medizinischer Betreuung und qualitativ hochwertiger Ernährung werden Katzen immer älter. Aber gleich wie beim Menschen ergeben sich auch bei Samtpfoten altersbedingte Leiden und Probleme. Besondere Schwachpunkte der samtpfötigen Senioren sind Niere, Schilddrüse und der Zuckerstoffwechsel.

Chronische Nierenerkrankung (CNE)

Bei mehr als einem Drittel aller über achtjährigen Katzen wird CNE festgestellt. Aber auch jüngere Tiere können daran erkranken. Die Erkrankung verläuft chronisch und wird leider häufig viel zu spät entdeckt, weshalb CNE noch immer eine der häufigsten Todesursachen älterer Katzen ist. Der Grund für die späte Entdeckung ist, dass sich Nierenleiden schleichend entwickeln und Symptome und veränderte Nierenwerte (Harnstoff und Kreatinin) sich erst zeigen, wenn schon 70 Prozent des Nierengewebes funktionslos sind. Seit ungefähr drei Jahren steht Tierärzten erfreulicherweise ein neuer Bluttest (SDMA-Test) zur Früherkennung der Chronischen Nierenerkrankung zur Verfügung. Eine eingeschränkte Nierenfunktion wird mit diesem Test bereits ab einer 25-prozentigen Schädigung des Nierengewebes angezeigt. Es ist daher sehr wichtig, Katzen zumindest einmal jährlich, ab dem Alter von acht Jahren zweimal jährlich, zur Vorsorgeuntersuchung zum Tierarzt zu bringen. Dabei sollten Harn- und Blutuntersuchungen routinemäßig durchgeführt werden. Die Untersuchung sollte sich auf alle Organe beziehen, da viele andere Krankheiten – beispielsweise Infektionskrankheiten, Diabetes, Tumorerkrankungen, Krankheiten des Immunsystems und häufig Herzkrankheiten – die Nieren schädigen können. Dann muss zuerst die Grunderkrankung behandelt werden, damit sich auch das Nierenleiden bessern kann.

Aufgaben der Nieren

Die wesentliche Aufgabe der Nieren ist es, Harn zu produzieren, indem sie aus dem Blut überschüssiges Wasser und auszuscheidende Substanzen herausfiltern. Der Filterungsprozess findet in vielen, winzig kleinen Funktionseinheiten der Niere statt, die als Nephrone bezeichnet werden. Die Niere erfüllt aber auch wichtige Aufgaben in der Regulation des Mineralstoffhaushaltes (Natrium, Kalium, Kalzium und Phosphat) und des Blutdruckes.

Blutdruckmessen als wichtiger Teil der Vorsorge

Die gesamte Nierenfunktion setzt sich aus der Tätigkeit der einzelnen Nephrone zusammen. Werden einige dieser kleinen Funktionseinheiten geschädigt, ist die Niere anfangs noch in der Lage, ihre Aufgabe fortzuführen, da die übriggebliebenen Nephrone ihre Kapazität erhöhen. Um die mangelhafte Filtrationsleistung durch die Erhöhung der Kapazität auszugleichen, muss die Niere den Flüssigkeitsdruck in den Nephronen erhöhen. Daraus resultiert Bluthochdruck im ganzen Organismus mit allen Folgeschäden – auch für das Herz! Durch den hohen Druck werden außerdem mehr und mehr Nephrone geschädigt, was schließlich zum bindegewebigen Ersatz des zerstörten Nierengewebes, der sogenannten Nieren-Fibrose, führt. Erhöhter Blutdruck ist oft der erste Hinweis auf eine Nierenschädigung. Je mehr Nephrone zerstört sind, desto weniger kann die Niere ihre Funktion erfüllen. Sie verliert die Fähigkeit, Abfallprodukte des Stoffwechsels über den Harn auszuscheiden, weshalb sich diese im Blut anreichern und es vergiften. Umgekehrt kommt es jedoch zur krankhaften Ausscheidung von Eiweiß mit dem Harn, und die Tiere magern ab. Außerdem bewirkt die vermehrte Eiweißausscheidung eine chronische Entzündung im Nephron, die eine weitere Umwandlung von Nierengewebe in Bindegewebe (Fibrose) zur Folge hat. Da auch zu viel Wasser in den Harn wandert, trocknen die Tiere aus. Sowohl der Flüssigkeitshaushalt als auch die Mineralstoffverteilung und der Säure-Basenhaushalt des Organismus kommen aus dem Gleichgewicht.

Verkalktes Nierengewebedurch zu viel Phosphat im Blut

Die Nahrung von Katzen besteht  zu einem großen Teil aus Fleisch, welches von Natur aus viel Phosphat enthält. Dieses bleibt gemeinsam mit Harnstoff als Abfallprodukt des Stoffwechsels im Blut zurück und muss über die Niere mit dem Harn ausgeschieden werden. Ist die Niere in ihrer Funktion jedoch eingeschränkt, verliert sie die Fähigkeit, Abfallprodukte auszuscheiden – diese bleiben im Blut. Während erhöhte Harnstoffwerte im Blut Müdigkeit, Apathie und Erbrechen bewirken, führt der erhöhte Phosphatspiegel zur Freisetzung von Kalzium aus den Knochen. Verkalkung von Nierengewebe und somit eine weitere Schädigung des Nierengewebes ist die Folge.

Krankhafte Befunde ernst nehmen

Befunde, die auf die Chronische Nierenerkrankung hinweisen, müssen sehr ernst genommen werden, weil sich bereits geschädigtes Nierengewebe nicht mehr regenerieren kann. Ohne Therapie ist der Verlauf der Erkrankung fortschreitend und der Übergang zur Urämie (Harnvergiftung) fließend. Die Tiere leiden dann an Krämpfen, Zittern, Juckreiz und epileptischen Anfällen. Sie fallen schließlich ins urämische Koma und gehen elendiglich zu Grunde. Es ist daher sehr wichtig, das Fortschreiten der Chronischen Nierenerkrankung möglichst lange aufzuhalten und frühzeitig unterstützend einzugreifen.

Da die Chronische Nierenerkrankung oft in akuten Schüben fortschreitet, muss jeder akute Schub sofort behandelt werden. Der erste und wichtigste Schritt dabei ist die Stabilisierung des Flüssigkeitshaushaltes mit Infusionen. Blutdrucksenkende Mittel, Phosphatbinder in Form von Futterergänzungsmitteln und Nierendiäten tragen dazu bei, das Fortschreiten der CNE zu stoppen oder doch zu verlangsamen.

Zuckerkranke Katzen

Zuckerkrankheit bei Katzen ist dem Typ2-Diabetes des Menschen sehr ähnlich, also ein Altersdiabetes. Dieser ist häufig durch eine Grunderkrankung, wie zum Beispiel Fettleibigkeit, bedingt. Da die Anzahl der übergewichtigen, fettleibigen Samtpfoten leider immer größer wird, gibt es auch immer mehr zuckerkranke Katzen. Das Risiko an Zuckerkrankheit zu erkranken ist bei fettleibigen Tieren bis zu achtmal so hoch als bei Katzen mit Normalgewicht. Der Grund dafür ist, dass Fettgewebe ein hormonell aktives Gewebe ist und Hormone abgibt, die die körpereigene Produktion von Insulin herabsetzen und zusätzlich eine Insulinresistenz bewirken. Dies bedeutet, dass der Körper zwar Insulin bildet, aber das Insulin nicht mit den entsprechenden Rezeptoren reagieren kann und daher der Zucker im Blut nicht abgebaut wird. Daraufhin produzieren die Zellen der Bauchspeicheldrüse immer mehr Insulin, bis sie schließlich erschöpft sind und die Produktion einstellen. In diesem Moment bricht die Zuckerkrankheit aus. Die Katzen produzieren jetzt einerseits zu wenig Insulin, andererseits haben sie die Insulinresistenz, weswegen sie auch das therapeutisch zugeführte Insulin nicht optimal verwerten können. Kastrierte, männliche Tiere sind von Zuckerkrankheit stärker betroffen.

Deutliche Symptome

Zuckerkranke Katzen leiden an übermäßigem Durst und trinken dementsprechend mehr, was wiederum zu großen Harnmengen führt. Obwohl die Samtpfoten mit Heißhunger fressen, magern sie doch ab. Das Fell wird struppig und ist von mehlartigen Schuppen durchsetzt. Hauptsächlich bei Katzen, nur ganz selten bei Hunden, kommt es auch zu Schädigungen der Nerven, vor allem an den Hinterbeinen: Das Sprunggelenk sinkt ab, und die Samtpfoten gehen wie Menschen auf der Ferse. Linsentrübungen (Grauer Star) als Folge der Zuckerkrankheit werden bei Katzen kaum beobachtet.

Gewichtsabnahme und viel Bewegung gehört zur Therapie

Die Behandlung zuckerkranker Katzen umfasst diätetische Maßnahmen – entsprechende Diäten sind beim Tierarzt erhältlich –, viel Bewegung und tägliche Insulininjektionen. Katzenbesitzer sind meist schockiert, wenn sie erfahren, dass Ihr Liebling zuckerkrank ist. Aber zeitgemäß behandelt können auch zuckerkranke Vierbeiner ein normal langes Leben bei guter Lebensqualität führen. Da Tabletten gegen Zuckerkrankheit bei Katzen nicht wirken, muss vom Tierbesitzer Insulin als Injektion verabreicht werden. Es ist heute jedoch nicht mehr nötig, auf Insulinpräparate für den Menschen zurückzugreifen, da es seit vielen Jahren spezielle Insulinpräparate für Katzen gibt. Im Gegensatz zu Hunden können bis zu 50 Prozent der zuckerkranken Katzen mit Diät, Bewegung und Insulintherapie geheilt werden.

Vorsorgeuntersuchungen ermöglichen Früherkennung

Da durch eine unbehandelte Zuckerkrankheit schwerwiegende Spätschäden wie Störungen der Nierenfunktion bis hin zum Nierenversagen und Schädigung von Nerven entstehen können, kommt der Früherkennung besondere Bedeutung zu. Eine zumindest jährliche Vorsorgeuntersuchung, bei der auch die Zuckerwerte im Blut und im Harn bestimmt werden, kann leicht mit dem jährlichen Impftermin kombiniert werden. Im Gegensatz zu Hunden müssen Katzen zur Blutzuckerbestimmung nicht nüchtern sein. Die alleinige Untersuchung des Harns mittels Teststreifen genügt nicht, da die Nierenschwelle für Zucker viel höher als die physiologische (normale) Blutzuckerkonzentration ist. Es können bereits krankhafte Zuckerwerte im Blut vorliegen, ohne dass schon Zucker mit dem Harn ausgeschieden wird.

Schilddrüsenüberfunktion – jede vierte alte Katze betroffen

Die Überfunktion der Schilddrüse ist die häufigste Hormonstörung bei Katzen ab dem ungefähren Alter von 10 Jahren. Die Ursache dafür ist in der Regel ein gutartiger Tumor, der zusätzliches Schilddrüsenhormon produziert. In den meisten Fällen besteht der Tumor aus zwei Knoten, manchmal gibt es nur einen und eher selten auch viele Knoten. Die Knoten können häufig schon beim Abtasten der Schilddrüse festgestellt werden. Die grafische Darstellung veränderten Schilddrüsengewebes erfolgt mit dem Szintigraphie-Verfahren. Dazu wird radioaktives Pertechnetium intravenös injiziert. Es reichert sich im Tumor an und man sieht, aus wie vielen Knoten der Tumor besteht. Die Menge des Schilddrüsenhormons, das sogenannte Gesamtthyroxin T4, kann mittels einer Blutuntersuchung bestimmt werden. Ist es erhöht, ist dies ein sicherer Hinweis auf eine Überfunktion der Schilddrüse.

Was dem Katzenhalter auffällt

Manchmal sind es Charakteränderungen, die dem Tierhalter als erstes auffallen: Die ehemals gutmütige Katze mit dem ruhigen Temperament hat sich in ein nervöses hektisches Geschöpf mit Neigung zur Aggression verwandelt. Andere betroffene Tiere zeigen einen typischen ängstlichen Gesichtsausdruck. Großer Durst und große Harnmengen sowie struppiges Fell sind weitere Anzeichen. Katzen mit Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) magern ab, obwohl sie mit großem Appetit fressen. Der Grund dafür ist, dass die Überfunktion der Schilddrüse den Stoffwechsel anheizt, was zu Magen-Darm-Problemen mit Erbrechen und chronischen Durchfällen führt. Meist sind zusätzlich die Leberwerte erhöht. Auch Atemprobleme und Herzrasen gehören zum Symptomenkreis der Schilddrüsenüberfunktion. Durch den erhöhten Stoffwechsel wird die Durchblutung massiv verstärkt. Da die Blutgefäße bei älteren Katzen jedoch – ähnlich wie beim alten Menschen – nicht mehr elastisch, sondern starr sind, können sie dem erhöhten Blutansturm nicht mehr nachgeben und es kommt zu Bluthochdruck, der Herz und Niere schädigt. Auch eine plötzliche Erblindung ist möglich, da der Bluthochdruck die Netzhaut schädigt.

Dem Tierbesitzer fällt dann auf, dass betroffene Katzen in Panik aufschreien und weit geöffnete Pupillen haben. Lassen Sie den Blutdruck Ihrer Katze mit Schilddrüsenüberfunktion daher regelmäßig vom Tierarzt kontrollieren! Muskelschwäche, Zittern und Hitzeunverträglichkeit sind ebenfalls ein Hinweis auf Schilddrüsenüberfunktion.

Teils ähnliche Symptome bei Chronischer Niereninsuffizienz

Obwohl einige der Symptome auch bei Chronischer Niereninsuffizienz auftreten, gibt es doch gravierende Unterschiede zur Schilddrüsenüberfunktion. Bei Niereninsuffizienz sind die Katzen nicht hektisch, sondern apathisch, und sie leiden nicht unter Heißhunger, sondern sind appetitlos.

Therapiemöglichkeiten bei Hyperthyreose

Eher selten zum Einsatz kommt die Radiojodtherapie, die zu den irreversiblen Therapien der Schilddrüsenüberfunktion zählt. Es ist dies eine innere Bestrahlungstherapie, bei der das injizierte radioaktive Jod über den Blutkreislauf in den Tumor kommt und diesen zerstört. Der Therapieerfolg liegt bei 95 Prozent. Ein Nachteil der Radiojodtherapie ist jedoch, dass bei 5 bis 30 Prozent der behandelten Patienten eine Unterfunktion der Schilddrüse bewirkt wird, die dann wieder einer eigenen Therapie bedarf. Die heutzutage übliche Therapie ist die reversible Therapie mit Medikamenteneingabe. Der Wirkstoff des Medikamentes wird in die Schilddrüse eingelagert und blockiert die Bildung der Schilddrüsenhormone. Dadurch normalisiert sich der Blutwert des Schilddrüsenhormons T4, und die krankhaften Symptome verschwinden rasch.

Da Medikamente die Schilddrüsenüberfunktion nicht heilen, sondern nur die Hormonwerte regulieren, ist eine lebenslange Behandlung erforderlich.

Niereninsuffizienz und Schilddrüsenüberfunktion beeinflussen sich positiv

Ältere Katzen leiden oft an Schilddrüsenüberfunktion und Chronischer Niereninsuffizienz gleichzeitig. Es ist jedoch interessant, dass diese beiden Krankheitsbilder sich positiv beeinflussen und im Gleichgewicht halten. Das bedeutet, dass durch die Schilddrüsenüberfunktion die Nierenwerte im tieferen Bereich gehalten werden und umgekehrt die Nierenerkrankung den Schilddrüsenwert T4 nicht ansteigen lässt. Dieser Umstand muss bei der Therapie der Schilddrüsenüberfunktion berücksichtigt werden, da andernfalls die Nierenwerte explodieren könnten. Wird beim Ansteigen der Nierenwerte die Schilddrüsentherapie nicht abgeschwächt, kommt es zum Nierenversagen. Daher ist bei nierenkranken Katzen der reversiblen Therapie mit Medikamenteneingabe, zum Beispiel in Form einer leicht verabreichbaren Suspension, gegenüber der irreversiblen Radiojodtherapie der Vorzug zu geben, da bei Medikamenteneingabe die Möglichkeit besteht, mit der Dosierung auf eine Änderung der Nierenwerte zu reagieren. Regelmäßige Blutuntersuchungen sind auch aus diesem Grund unverzichtbar.