Die Katze als Wirbelsäulenpatient

Bandscheibenvorfälle bei Samtpfoten häufiger als vermutet

Für die meisten Tierhalter ist die Krankheitsbezeichnung „Dackellähmung“ ein Begriff. Es ist damit die akut auftretende Lähmung der Hinterbeine nach einem Bandscheibenvorfall im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule gemeint. Aber nur wenige Tierhalter wissen, dass davon nicht nur Hunde, sondern auch Katzen betroffen sein können. Samtpfoten sind sogar sehr oft von Bandscheibenvorfällen betroffen, aber glücklicherweise werden bei ihnen viel seltener schwere Lähmungen beobachtet als beim Hund. Dafür gibt es abgesehen vom unterschiedlichen Aufbau der Wirbelsäule bei Katze und Hund noch andere Gründe: zum Beispiel, dass in der Hundezucht auf die Funktion der Wirbelsäule weniger Rücksicht genommen wurde und wird. Vom Aufbau her ist die Katzenwirbelsäule elastischer, da sie ja als starke muskuläre Triebfeder für die häufigen Drehbewegungen der Samtpfoten fungiert. Auch die Struktur der inneren Auskleidung der Wirbelsäule bei der Katze schützt das Rückenmark bei Bandscheibenvorfällen besser als beim Hund.

Was beim Bandscheibenvorfall passiert

Die meisten Bandscheibenvorfälle passieren in der Bewegung. Es kommt zur Verlagerung der Bandscheibe, und der vorgefallene Kern drückt auf die Rückenmarkshaut und auf das Rückenmark, wodurch es zu Schmerzen oder auch zur Lähmung der Hinterbeine kommt. Ganz allgemein kann man sagen, dass mit zunehmendem Alter der Tiere die Elastizität der Bandscheiben nachlässt, was einen Vorfall begünstigt. Aber gerade bei Katzen sind Bandscheibenvorfälle häufig durch äußere Traumen bedingt. Der klassische Vorfall tritt plötzlich auf, ist sehr schmerzhaft und führt zu Lähmungserscheinungen und Sensibilitätsstörungen. Beim sogenannten Hochgeschwindigkeitsvorfall schießt ein kleiner Teil der Bandscheibe in Sekundenschnelle ins Rückenmark und führt dort zur Schwellung und Rückenmarksblutung.

Großteil der Ausfälle ohne Lähmungen

Zum Glück sind Lähmungen nach Bandscheibenvorfällen nicht nur bei Katzen, sondern auch bei Hunden nicht die Regel. Meist kommt es zu keinen oder nur zu sehr milden Ausfallserscheinungen, aber zu mehr oder weniger heftigen Schmerzen. Diese können jedoch bewirken, dass der Eindruck einer Lähmung entsteht, weil das Tier nicht mehr gehen will. Obwohl die vorgefallene Bandscheibe durch Narben- und Bindegewebe fixiert wird, bleibt sie doch eine Schwachstelle, die jederzeit noch mehr vorfallen und Schlimmeres bewirken kann.

Frühe Diagnosestellung wichtig

Die Vorhersage des Krankheitsverlaufes ist umso günstiger, je früher eine exakte Diagnose gestellt wird. Bei Anzeichen eines Bandscheibenvorfalls muss sofort nachgeschaut werden, welche Bandscheibe vorgefallen ist und wie weit sie vorgefallen ist. Kon-traströntgen sind zu diesem Zwecke nicht mehr zeitgemäß; Computertomographie und Magnetresonanztomographie ermöglichen durch dreidimensionale Aufnahmen eine genaue Diagnose.

Da die meisten Katzen mit Bandscheibenvorfall „nur“ unter Schmerzen leiden, weniger springen und sich zurückziehen, ist es wichtig, auf derartige Verhaltensweisen zu achten. Zur Abklärung sollte rasch der Tierarzt aufgesucht werden, damit durch eine genaue klinische Untersuchung und bildgebende Diagnostik der Schmerz lokalisiert und unverzüglich eine Schmerztherapie eingeleitet werden kann.

Therapie-Maßnahmen vom Schweregrad abhängig

Eine sofortige Operation ist nur bei massiven Lähmungserscheinungen und Verlust der Tiefensensibilität nötig. Sind die Folgen des Bandscheibenvorfalls Schmerzen ohne Ausfallserscheinungen, braucht nicht operiert zu werden. Die Therapie besteht dann aus entzündungshemmenden und abschwellenden Maßnahmen sowie Akupunktur, Physiotherapie und Schmerztherapie. Das Ziel der Therapie des Bandscheibenvorfalls ist die Schmerzfreiheit. Da jeder Bandscheibenvorfall eine Schwachstelle in der Wirbelsäule bleibt – egal, ob er operiert wurde oder nicht, ist es wichtig, die Muskulatur zu stärken, wobei sich das Unterwasserlaufband auch bei Katzen gut bewährt hat.

Vorbeugen durch regelmäßige Kontrolle

Bei älteren Tieren ist es empfehlenswert, auch den Zustand der Wirbelsäule regelmäßig vom Tierarzt kontrollieren zu lassen. Beim Auftreten von Schmerzen muss sofort eine Schmerztherapie eingeleitet werden, um zu verhindern, dass durch die Schmerzen Muskelverspannungen ausgelöst werden. Denn durch diese kommt es zu Fehlbelastungen, die wiederum zu einem Bandscheibenvorfall führen können.