Demenz bei Hunden nimmt zu

Demenz bei Hunden nimmt zu-Lernen und Training verzögert den ProzessAn der Kleintierklinik der Veterinärmedizinischen Universität werden in den letzten Jahren deutlich mehr Hunde mit Demenz-Symptomen vorgestellt. Es ist dies ein Phänomen, das es vor zwanzig Jahren noch nicht gab. Einer der Gründe dafür ist, dass Hunde heutzutage dank besserer tierärztlicher Betreuung und Ernährung immer älter werden, auch der höhere Lebensstandard der Tierhalter mag dabei eine Rolle spielen. Aber die höhere Lebenserwartung der Vierbeiner kann nicht der einzige Grund für Demenzerkrankungen sein – 15jährige Yorkshire-Terrier gab es schließlich auch schon vor zwanzig Jahren. Möglicherweise spielen genetische Grundlagen – ähnlich wie beim Menschen – eine nicht zu unterschätzende Rolle. Es gibt ja nicht nur die senile Demenz, sprich die Altersdemenz, sondern es gibt immer wieder Hunde, die schon im Alter von acht bis zehn Jahren – also bereits im mittleren Lebensalter – erste Anzeichen von Demenz zeigen. Genau wie bei vielen anderen Erkrankungen könnte auch hier die Ursache in Fehlern in der Hundezucht liegen. In jedem Fall ist es wichtig eine möglichst frühe Diagnose zu stellen und andere organische Ursachen für Verhaltensänderungen auszuschließen.

Altersdemenz besonders häufig bei mittelgroßen Rassen

Im Gegensatz zu Zwergrassen, die ja immer schon sehr alt wurden, hat sich die Lebensspanne mittelgroßer Rassen mit einem Körpergewicht von 20 bis 25 kg ganz offensichtlich verlängert. Sie werden heute deutlich älter als vor zwanzig Jahren, und sie leiden deutlich häufiger an Demenz als sehr große oder sehr kleine Rassen – und dies sowohl im mittleren wie auch im hohen Lebensalter. Die höchste Anzahl an Demenzerkrankungen findet man jedoch bei Hunden, die älter als zwölf Jahre sind.

Krankheitsverlauf ähnlich wie bei menschlicher Demenz

Genau wie beim alten Menschen werden auch beim alten Hund die ersten Symptome der Demenz meist übersehen, da zu Beginn nur episodenhaft Probleme auftauchen. Anfangs sind es Kurzepisoden, dann längere Episoden, bis schließlich die dauerhafte Demenz eintritt. Dieser schleichende Prozess kann sich über viele Monate bis wenige Jahre hinziehen. Und obwohl es schon vorher Anzeichen für Demenz gab, die nur nicht so interpretiert wurden, fällt die senile Demenz dem Tierhalter ganz plötzlich auf – gerade so, als wäre sie von einem Tag auf den anderen entstanden. Es beginnt häufig mit Situationen, in denen der Hund nicht die erwartete Reaktion zeigt – sei es auf einen Befehl oder auf einen anderen äußeren Reiz. Es sind dies Situationen, in denen man den Eindruck hat, dass sich der Hund nicht auskennt und kurzfristig desorientiert ist. Der Vierbeiner erkennt Personen oder Gegenstände nicht und weiß nicht, wo er sich befindet. Auch die Verarbeitung von Reizen hat sich geändert, zum Beispiel die Verarbeitung von akustischen Reizen. Es gibt Hunde, die ein Leben lang gebellt haben, wenn es an der Türe geläutet hat und jetzt in der Demenz nicht mehr auf das Läuten reagieren, obwohl sie nicht taub sind. Auch die Reaktion auf optische Reize verändert sich: Der demente Hund fürchtet sich plötzlich vor wohlbekannten Gegenständen, wie z.B. vor einem Mistkübel. Häufig fällt auch auf, dass demente Hunde an der falschen Seite der Türe warten, weil sie vergessen haben, auf welcher Seite die Tür aufgeht – sie warten stattdessen an der Seite, an der die Tür angeschlagen ist. Ebenso wie bei Menschen mit Altersdemenz ändert sich auch beim dementen Hund der Wach-Schlaf-Rhythmus. Dem Tierhalter fällt auf, dass der Hund tagsüber immer mehr schläft, aber in der Nacht munter ist. Meist weckt das ruhelose Umhergehen des Hundes seine Menschen. Es gibt aber auch Hunde, die sich vor das Bett des Besitzers stellen und diesem einfach ins Gesicht hecheln. Viele Hundehalter glauben dann, dass der Hund hinaus muss, werfen sich einen Mantel über und stehen um drei Uhr nachts mit einem erstaunten Vierbeiner, der weder Durchfall hat noch „Lacki“ muss, vor der Haustür. Wieder zurück in der Wohnung und im Bett, beginnt das Spiel nach zehn Minuten von vorne. Glücklicherweise kann die Störung des Wach-Schlaf-Rhythmus leicht behoben werden: Eine vom Tierarzt verschriebene und ein paar Nächte verabreichte Schlaftablette für den Hund schafft Abhilfe, der Hund schläft dann wieder in der Nacht durch.

Entstehung der Altersdemenz ist normaler Prozess

Am Ende der Pubertät, also am Ende der Wachstumsphase, hat das Gehirn die maximale Leistungsbereitschaft. Bezogen auf die Anzahl der Gehirnzellen besteht in diesem Lebensabschnitt die größte Lernfähigkeit. Danach beginnt bereits der natürliche 12 mein HAUSTIER Ausgabe 5/2015 Das Clever Dog Lab des Messerli Forschungsinstituts an der Veterinärmedizinischen Universität Wien erforscht die Fähigkeiten von Familienhunden im Hinblick auf ihre kognitiven Fähigkeiten (Informationsverarbeitung, deren Einordnung und sinnvolle Anwendung). Es werden keine Hunde im Clever Dog Lab gehalten, sondern die Tierhalter besuchen uns mit ihren Hunden und nehmen an den unterschiedlichsten Verhaltenstests teil. Derzeit läuft eine Fütterungsstudie, die klären soll, inwieweit ein Zusammenhang zwischen Ernährung und der Ausbildung von Demenz besteht. Denn genau wie Menschen können auch Hunde an Demenz erkranken. Die teilnehmenden Hunde werden im Rahmen dieser Studie mit speziellem Futter versorgt und werden regelmäßig in unterschiedlichen Aufgaben – zum Beispiel am Touch-Screen des Hundecomputers – zu ihrer Lernfähigkeit, Aufmerksamkeit, Flexibilität und Problemlösungsfähigkeit getestet. Aktuell werden für die Studie noch Hunde im Alter von über 11 Jahren gesucht. Interessierte HalterInnen melden sich bitte bei Julia Schösswender, E-Mail-Adresse: julia.schoesswender@vetmeduni.ac.at oder telefonisch bei Jennifer Bentlage, Tel: 01 25077-2671. Abbau, und das Einzige, was dagegen hilft, ist kontinuierliches Lernen und Training. Davon entstehen zwar nicht mehr Gehirnzellen, aber die Verbindungen (Synapsen) zwischen den Gehirnzellen werden erneuert und sogar vermehrt. Es ist allgemein bekannt, dass Menschen, die bis ins hohe Alter geistig aktiv sind – und sei es nur durch Kreuzworträtsel lösen – seltener dement werden. Hunde können zwar nicht Kreuzworträtsel lösen, aber bei Vierbeinern kann man denselben Effekt, nämlich die Aktivierung des Gehirns, durch geistige Forderung in Form von Training oder Suchspielen erreichen.

Hund als Modell für Alzheimerkranken Menschen

Obwohl es bei Hunden den eigentlichen zellulären Proteinmechanismus von Alzheimer nicht gibt und es falsch wäre, bei Altersdemenz des Hundes von Hunde-Alzheimer zu sprechen, wird der Hund in der Forschung doch als Modell für Alzheimerkranke Menschen genommen. Der Grund dafür ist, dass der Hund eine ähnliche Lebenskurve wie der Mensch hat und durch das lange Zusammenleben mit Menschen gut einschätzbar und gut – auch auf seine kognitiven Funktionen – zu testen ist.

Einflüsse auf die Entstehung von Demenz

Lebenslange falsche Ernährung ist ein wichtiger, oft unterschätzter Faktor bei der Entstehung von Demenz. In Fütterungsstudien soll daher herausgefunden werden, mit welcher Futterzusammensetzung die kognitiven Fähigkeiten möglichst lange erhalten werden. Auch die Lebensweise spielt eine Rolle: Hunde, die viel Bewegung machen und geistig von ihren Besitzern gefordert werden, sind weniger gefährdet an Demenz zu erkranken. Aber auch bestimmte Krankheiten, wie z.B. chronische Vergiftungen oder chronische Lebererkrankungen, ziehen das Gehirn in Mitleidenschaft und können zu Demenz führen.

Therapie verzögert Fortschreiten der Demenz

Eine optimierte Ernährung und ein liebevolles anregendes Umfeld können bereits die Synapsenbildung im Gehirn verbessern, so dass die Demenz langsamer fortschreitet. Das Zuführen von essentiellen Aminosäuren stärkt die Leber – aber Vorsicht bei Mischpräparaten aus der Drogerie, da Hunde häufig nicht alle Inhaltsstoffe (Knoblauch!) vertragen. Durchblutungsfördernde Medikamente und ein ausgewogenes Trainingsprogramm verzögern ebenfalls das Fortschreiten der Demenz. Eine Heilung ist leider nicht möglich.

Zusammenhang zwischen Fütterung und Demenz?

Vierbeinige Teilnehmer für Studie gesucht

Fuetterung_DemenzDas Clever Dog Lab des Messerli Forschungsinstituts an der Veterinärmedizinischen Universität Wien erforscht die Fähigkeiten von Familienhunden im Hinblick auf ihre kognitiven Fähigkeiten (Informationsverarbeitung, deren Einordnung und sinnvolle Anwendung). Es werden keine Hunde im Clever Dog Lab gehalten, sondern die Tierhalter besuchen uns mit ihren Hunden und nehmen an den unterschiedlichsten Verhaltenstests teil. Derzeit läuft eine Fütterungsstudie, die klären soll, inwieweit ein Zusammenhang zwischen Ernährung und der Ausbildung von Demenz besteht. Denn genau wie Menschen können auch Hunde an Demenz erkranken. Die teilnehmenden Hunde werden im Rahmen dieser Studie mit speziellem Futter versorgt und werden regelmäßig in unterschiedlichen Aufgaben – zum Beispiel am Touch-Screen des Hundecomputers – zu ihrer Lernfähigkeit, Aufmerksamkeit, Flexibilität und Problemlösungsfähigkeit getestet. Aktuell werden für die Studie noch Hunde im Alter von über 11 Jahren gesucht. Interessierte HalterInnen melden sich bitte bei Julia Schösswender, E-Mail-Adresse: julia.schoesswender@vetmeduni.ac.at oder telefonisch bei Jennifer Bentlage, Tel: 01 25077-2671.