Das Minischwein als Haustier

Wissenswertes über Haltung und gesetzliche Vorschriften

Dass Schweine ganz entgegen ihrem weit verbreiteten Ruf zu den intelligentesten Säugetieren gehören, ist heute durch zahlreiche Studien aus der Verhaltensforschung belegt. Wie Elefanten, Delfine und Primaten können sie sich selbst im Spiegel erkennen und ein Spiegelbild zudem auch räumlich interpretieren. Schweine wissen um ihr Ich, und einige Verhaltensforscher gehen davon aus, dass sie mehr Kommandos erlernen können als Hunde. Unter diesem Aspekt verwundert es nicht, dass das Minischwein – das sind Schweine mit einem rassespezifischen Gewicht unter

120 kg – zunehmend auch als Haustier gehalten wird. Ein Minischwein – oder auch Minipig genannt – als Haustier? Für viele Tierfreunde ist das zweifellos noch ein „Aha“-Erlebnis, für andere bereits ganz selbstverständlich. Wie verbreitet ist das Minischwein als Haustier in Österreich? „Wir kennen allein im Großraum Wien zwischen 20 und 50 Minipigs“, berichtet Diplom-Tierarzt Christian Knecht, der an der Universitätsklinik für Schweine der Veterinärmedizinischen Universität Wien die Minischweine betreut.

„Die Dunkelziffer der Leute, die ihre Tiere aus Unwissenheit nicht behördlich gemeldet haben und diese einfach im Garten halten, ist aber definitiv größer. Ob die Haltung von Minipigs ein Trend ist, ist schwer zu sagen, aber in den letzten Jahren ist eine kontinuierliche Steigerung von Minischwein-Patienten zu verzeichnen.“

Versorgung von Minischweinen an der Universitätsklinik

Die Universitätsklinik für Schweine betreut ihre Minipig-Patienten nicht nur vor Ort, sondern macht auch Hausbesuche. Bei einer Erstuntersuchung werden die Tiere gekennzeichnet (Mikrochip), gegen Rotlauf geimpft und antiparasitär behandelt. Die Impfung gegen Rotlauf wird von der Klinik empfohlen, da es sich dabei um eine Zoonose handelt, die auch den Menschen betreffen kann. Christian Knecht schildert darüber hinaus auch den klinischen Alltag in der medizinischen Versorgung von Minipigs: „Natürlich arbeiten wir hier an der Universitätsklinik für Schweine in einem Spezialfeld, denn oft sind wir die letzte Bastion. Viele Besitzer kommen erst dann zu uns, wenn es dem Tier schon sehr schlecht geht. Wir versuchen immer unser möglichstes, auch mit viel persönlichem Engagement, aber Wunder sind nicht immer möglich … Aber wir übernehmen auch die medizinische Grundversorgung. Sehr häufig müssen wir Klauen kürzen, die teils durch falsche Fütterung, mangelnde Bewegung oder schlechten Untergrund zu lang werden und sich verformen. Daneben sehen wir viele Tiere mit Gelenksproblemen, die insbesondere dann auftreten, wenn die Tiere durch eine übermäßige Fütterung übergewichtig geworden sind. Speziell bei jungen Tieren sollte sehr genau darauf geachtet werden, dass sie nicht zu schnell zu viel an Gewicht zunehmen. Eine restriktive Fütterung ist wesentlich sinnvoller, denn Minipigs sind keineswegs mit einem Jahr ausgewachsen. Noch bei zweijährigen Tieren erkennt man am Röntgenbild die Wachstumsfugen.“ Und Diplom-Tierärztin Maximiliane Dippel ergänzt eine für Tierbesitzer leicht anzuwendende Regel: „Minischweine benötigen für den Erhaltungsbedarf eine Futtermenge, die nur ein bis zwei Prozent ihres Körpergewichts entspricht. Wenn man das ausrechnet, sieht man, dass das keineswegs viel ist. Jede milchgetränkte Semmel müsste von dieser Tagesration schon abgezogen werden. Wird ein Alleinfuttermittel verwendet, ist der gesamte Nährstoffbedarf damit, genauso wie beim handelsüblichen Hunde- und Katzenfutter, abgedeckt.“

Minischwein bleibt rechtlich landwirtschaftliches Nutztier

Dass Minipigs im heimischen Garten, genauso wie ihre großen Artgenossen auf dem Bauernhof, aus seuchentechnischen Gründen zu den landwirtschaftlichen Nutztieren zählen, hat für den Besitzer und für die tiermedizinische Betreuung weitreichende Konsequenzen. „In der tierärztlichen Therapie dürfen in erster Linie nur für Nutztiere, das heißt hier für das Schwein zugelassene Medikamente eingesetzt werden. Das betrifft im Prinzip alle Medikamente, die man einsetzt: in der Narkose, der Schmerzmedikation bis hin zu den Antibiotika. Für den Besitzer gilt, dass Minischweine gesetzlich verpflichtend gemeldet werden und gekennzeichnet sein müssen“, fasst Maximiliane Dippel die rechtlichen Rahmenbedingungen zusammen, „der Haushalt mit Minischwein gilt dann im Prinzip als landwirtschaftlicher Betrieb und bekommt auch eine landwirtschaftliche Betriebsnummer.“

Anforderungen an eine artgerechte Haltung

Wie bei jedem anderen Haustier auch haben die Haltungsbedingungen großen Einfluss auf die Vitalität des Minischweins. Eine artgerechte Haltung und Ernährung sind somit wichtigste Bestandteile der Gesundheitsvorsorge. Christian Knecht fast die wichtigsten Faktoren zusammen: „Minischweine müssen grundsätzlich mindestens zu zweit gehalten werden. Einzelhaltung ist gesetzlich verboten, da es sich um sehr soziale Tiere handelt. Genügend Raum für Auslauf auf verschiedenen Untergründen, Suhlmöglichkeiten, ein Schattenplatz und ein isolierter, windgeschützter Unterstand sind darüber hinaus die wichtigsten Voraussetzungen für die Minischwein-Haltung. Heu und Stroh als Beschäftigungsmaterial sind unerlässlich. Wenn das Schwein statt einmal eventuell zwei- bis dreimal am Tag gefüttert wird, ist das nicht nur ernährungsphysiologisch sinnvoll, sondern bietet dem Tier auch eine gute Gestaltung des Tagesablaufs.“ Maximiliane Dippel betont darüber hinaus auch den positiven Sozialisierungseffekt einer mehrfachen Fütterung: „Wenn man sich mehrmals am Tag positiv mit den Tieren beschäftigt, fördert das die Mensch-Tier-Beziehung. Und Futter ist ein sehr guter, positiver Motor, um diese Beziehung zu knüpfen und zu festigen. Tiere, die weniger Sozialkontakt genießen, verhalten sich auch dem Besitzer gegenüber recht scheu, und damit wird das Handling im Krankheitsfall natürlich auch für uns herausfordernder.

Wenn das Schwein wenig menschlichen Kontakt hat, entsteht eine viel größere Stresssituation für das Tier, als wenn es gewohnt ist, angefasst zu werden. Das ist das gleiche wie bei Hunden und Katzen.“

Enger Partner des Menschen

Als intelligente Lebewesen benötigen Minischweine im Idealfall auch eine entsprechende Anforderung und Beschäftigung. Christian Knecht betont die besonderen Herausforderungen für den Besitzer, die damit verbunden sind: „Minischweine können viele Dinge lernen: Sitzen, auf der Seite liegen, Dinge apportieren… Aber die soziale Komponente, die Mensch-Tier-Beziehung, das Training, das alles ist Arbeit. Viele Menschen kaufen ein junges Tier, das ist Mini – und am Ende nach zwei Jahren ist es Maxi und vielleicht weniger süß. Manche Minipigs nutzen ihre Intelligenz auch, um die kleinen Fehler im System ihres Geheges zu finden und auszubrechen. Andere lassen sich kraulen und sind enger Partner des Menschen wie der Hund – mit Borsten statt Haaren.“


Grundwissen über Minischweine

  • Minischweine werden ca. 15 Jahre alt und erreichen eine Schulterhöhe bis zu 50 cm und eine Körperlänge bis zu 100 cm.
  • Jedes Minischwein muss entsprechend der Tierkennzeichnungsverordnung behördlich registriert und durch eine Ohrmarke oder einen Chip gekennzeichnet sein.
  • Minischweine sind sehr soziale Tiere. Das Tierschutzgesetz schreibt daher eine Haltung von mindestens zwei Schweinen vor. Einzelhaltung ist damit verboten!
  • Eine ausschließliche Wohnungshaltung ist ebenfalls verboten. Das Minischwein muss ständigen individuellen Zugang zu einem Auslauf haben.
  • Da Minischweine sonnen- und hitzeempfindlich sind, benötigen sie einen schattenspendenden Unterstand.
  • Suhlmöglichkeiten müssen zur Regulation der Körpertemperatur vorhanden sein.
  • Kleine Kinder sollten niemals unbeaufsichtigt mit dem Schwein allein sein!
  • Obwohl Schweine Allesfresser sind, ist die Fütterung von Küchenabfällen und Speiseresten laut Tierseuchengesetzt verboten. Empfehlenswert sind im Handel erhältliche Fertigfuttermittel, die als Alleinfuttermittel alle notwendigen Substanzen enthalten, um Mangelerscheinungen vorzubeugen.
  • Heu, Stroh, Obst und Gemüse bieten dem Schwein über den Tag verteilt willkommene Beschäftigungsmöglichkeiten.
  • Frisches Wasser muss immer frei verfügbar sein.

Dipl. Tierärztin Mag. med. vet.
Maximiliane Dippel
Universitätsklinik für Schweine
Veterinärmedizinische Universität Wien

Dipl. Tierarzt Mag. med. vet.
Christian Knecht
Universitätsklinik für Schweine
Veterinärmedizinische Universität Wien