Damit Papageien gesund bleiben

Richtige Haltung, Ernährung  und KrankheitsvorbeugungIn den zwei letzten Ausgaben unseren Magazins waren die wichtigsten durch falsche Haltung bzw. Fütterung hervorgerufenen Erkrankungen von Papageien und die Infektionskrankheiten dieser Vögel das Thema. In dieser Ausgabe möchten wir Ihnen die richtige Haltung, Ernährung und Vorbeugung gegen das Einschleppen von Krankheiten beim Zukauf neuer Vögel ans Herz legen.

 

Richtige Ernährung

Es gibt wenige Bereiche in der Vogelmedizin, über die so viel diskutiert wurde und wird, wie über die richtige Ernährung von Papageien und Sittichen. Tatsache ist, dass seit über 25 Jahren bekannt ist und mittlerweile auch wissenschaftlich bestätigt wurde, dass die Fütterung mit Körnern und Sämereien, wie Sonnenblumen und Hirsesorten, zu Fehlernährung und Mangelerscheinungen führt. Das Problem dabei ist, dass die

Körnerfütterung eine so lange Tradition hat, dass die Gruppe der Papageien, Sittiche und Finken sogar als „Körnerfresser“ bezeichnet werden, obwohl sie in ihren Ursprungsländern nur in bestimmten Vegetationsphasen Körner fressen. In der übrigen Zeit sind die Futtermittel, die in der Natur aufgenommen werden, jedoch sehr unterschiedlich und abwechslungsreich.

Ausschließliche Körnerfütterung verkürzt das Leben

Die meisten Großpapageien wie Amazonen, Kakadus, Graupapagei oder Aras leben heute durchschnittlich nur mehr 18 bis 20 Jahre. Aber Großpapageien könnten 50 oder sogar 70 Jahre alt werden, gäbe es nicht das Problem mit der falschen Ernährung, die ab einem Alter von 12 bis 15 Jahren zu ersten Problemen führt. Dazu gehören Infektionen mit Sporen von Schimmelpilzen, die auf der Oberfläche von Körnern in großer Zahl vorkommen und von den Vögeln bei der Aufnahme der Körner eingeatmet werden, was dann irgendwann zur Erkrankung führt. Zusätzlich ist bekannt, dass bei reiner Körnerfütterung mindestens zwanzig lebenswichtige Bestandteile fehlen. Dazu gehören sowohl Aminosäuren als Bausteine des Eiweiß als auch Mineralstoffe wie Calcium und vor allem Vitamine. Der Versuch, eine mangelhafte Ernährung durch Zusatzfuttermittel oder Ergänzungen im Trinkwasser auszugleichen, ist leider zum Scheitern verurteilt.

So wie auch wir Menschen bei uns selbst nicht mit einer Vitaminpille eine im Großen und Ganzen schlechte, mangelhafte Ernährung ausgleichen können, so funktioniert dies auch nicht beim Vogel! Vitamintropfen oder ein paar Früchte neben den üblichen Körnern können den gesundheitlichen Schaden nicht beheben. Da die meisten Papageien und Sittiche fast nichts trinken, helfen auch die besten Vitaminmischungen im Trinkwasser nichts und Obst und Gemüse ist zwar reich an Vitaminen, aber es wird selten in ausreichender Menge aufgenommen. Ein weiteres Problem ist der hohe Fettgehalt in den angebotenen Körnern. Die Folge davon sind die gleichen Zivilisationskrankheiten wie beim Menschen: nämlich Leberverfettung und Arteriosklerose, deren erste Symptome dann Kurzatmigkeit oder verfärbte Ausscheidungen sind.

Pellets-Fütterung empfehlenswert

Viele Papageien, die heute 30 oder 40 Jahre alt sind, haben mit den Tierbesitzern einfach menschliche Nahrung mitgegessen. Das ist nicht ideal, aber besser als reine Körnerfütterung und hat diesen Tieren auch das längere Leben ermöglicht. Einzig Avocados und Schokolade sind für Papageien und Sittiche gefährlich und natürlich stark gesalzene oder gepökelte Speisen – im Prinzip entspricht es den Richtlinien, die der menschlichen Ernährung

zugrunde liegen. Es gibt aber auch fertige, gepresste Futtermittel – sogenannte Pellets. Zur Wahl stehen verschiedene Produkte; zum Beispiel Nutribird (www.versele-laga.com), Pretty Bird, Harrison Bird Foods (www.harrisonsbirdfoods.com) und noch viele andere Marken. Durch Pellets-Fütterung können viele Probleme verhindert und die Vögel richtig ernährt werden.

Spezialfall „Wellensittich“

Bei dieser Vogelart gibt es leider noch so viele zusätzliche Probleme, dass die Tiere die fütterungsbedingten Erkrankungen meist gar nicht mehr erleben. Das Durchschnittsalter beim Wellensittich liegt heute bei nur mehr vier bis fünf Jahren. Die Zeiten, dass 15-jährige Wellensittiche die Regel waren, sind leider vorbei. Verantwortlich dafür ist die Zucht auf besondere Merkmale, wie einen großen Kopf oder eine sehr deutliche Federzeichnung. Da dies leider nur mit Inzucht erreicht wird, sind große gesundheitliche Probleme die Folge. Dazu gehören verschiedene Arten von Tumoren, die wir im Alter von 3 bis 5 Jahren häufig sehen, aber auch Erkrankungen wie Megabakterien, die fast nur beim Wellensittich auftreten. Somit sterben viele Wellensittiche schon, bevor sich noch Ernährungsfehler auswirken können.

Richtige Haltung

Um unseren gefiederten Freunden eine optimale Haltung in Gefangenschaft zu ermöglichen, hat das Österreichische Tierschutzgesetz eine Tierhalteverordnung erlassen, in der festgehalten ist, auf welche Faktoren – z.B. Luftfeuchtigkeit, UV-Licht und Bewegung – geachtet werden muss. Die Haltung von großen Papageien ist nicht einfach: Es sind eigenwillige Vögel, die neben einem ausgeprägten Drang, alles in ihrer Umgebung zu zerstören, auch das Bedürfnis haben, sich ausreichend zu bewegen und zu fliegen. Eine Einzelhaltung ist mittlerweile zu Recht verboten, da diese für die geselligen Tiere eine Quälerei wäre. Es gibt einige Organisationen, die Papageienvermittlung gut und seriös betreiben, wo sich lange alleine gehaltene Tiere auch einen adäquaten Partner selbst aus der Gruppe aussuchen können, wie zum Beispiel die Arge Papageien (www. papageienschutz.org). Um bei einer „Partnervermittlung für Papageien“ mitzumachen, sollte jedoch vorher der eigene Vogel auf die gängigsten Infektionskrankheiten (Psittakose, Borna, PBFD u.s.w.) untersucht werden. Schließlich sollen die „Anwärter einer Partnerschaft“ ja nicht der Gefahr einer Ansteckung ausgesetzt werden. Zu beachten ist auch, dass Vögel Licht anders empfinden und sehen als wir Menschen. Eine Glühbirne wird von Papageien wie ein Stroboskop – also eine ständig blinkende Lichtquelle empfunden. Das ist verständlicherweise unangenehm und führt zu Stress. Im guten Fachhandel sind spezielle Tageslichtlampen mit UV Anteil und einem für Papageien angenehmen Lichtspektrum erhältlich.

Quarantäne für Neuzugänge

Sollte man selbst einen Papagei oder Sittich zu einem geschlossenen, gesunden Bestand dazu bekommen, ist es empfehlenswert, den neuen Vogel für einige Wochen in einem separaten Raum zu halten. Einerseits ist jeder Standortwechsel mit Stress für das Individuum verbunden, was dann zum Ausbrechen von versteckten Erkrankungen führen kann, andererseits kann sich das Tier an die neue Umgebung gewöhnen. Und man hat als Tierhalter genügend Zeit, nötige Untersuchungen auf Krankheiten bei einem Tierarzt zu veranlassen. Und da die serologischen Ergebnisse meist einige Tage bis Wochen dauern, braucht das alles seine Zeit. Sind die Ergebnisse dann negativ (also keine Erkrankung vorhanden) ausgefallen, kann man das Tier in einen separaten Käfig neben der zukünftigen Voliere unterbringen, damit sich die Vögel erst einmal aus der Ferne begutachten können. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit ist es dann soweit und man kann die Tiere unter Beobachtung zusammenlassen. Vor allem bei Kakadus muss man sehr aufpassen, da es bei dieser Vogelart manchmal durch die Männchen zu schweren Verletzungen der „nicht willigen“ Weibchen kommen kann.