Chronische Atemwegserkrankungen bei Hund und Katze

Genau wie Menschen leiden auch Hund und Katze unter allergischen Atemwegserkrankungen, chronischer Entzündung von Bronchien und Lunge bis hin zur Lungenfibrose, bei der die Lunge zunehmend ihre Elastizität verliert. Diese mit Husten und Atemnot einhergehenden Erkrankungen belasten nicht nur das Allgemeinbefinden und die Lebensqualität der Vierbeiner in hohem Ausmaß, sondern sind auch für die Tierhalter eine große seelische Belastung. Die „mein HAUSTIER“Redaktion hat Prof. Reinhard Hirt, Internist und Experte für Atemwegserkrankungen an der Veterinärmedizinischen Universität Wien, zu diesem Thema befragt.

Frage: Bei chronischen Atemwegserkrankungen denkt der medizinische Laie meist an Asthma. Wie häufig leiden Hund und Katze darunter?

Prof. Hirt: Besonders Katzen leiden häufig unter Allergischem Asthma. Hausstaubmilben dürfte dabei eine besonders große Bedeutung zukommen; kein Wunder, schlafen doch gerade Katzen sehr häufig im Bett ihrer Besitzer – und dort wimmelt es ja geradezu von Hausstaubmilben. Die Symptome des Allergischen Asthmas bei der Katze entsprechen weitgehend denen beim Menschen; im Vordergrund stehen Husten und anfallsartige Atemnot-Attacken bis hin zu Erstickungsanfällen.
Inhalationshilfen erleichtern die Therapie

Wie gefährlich kann ein Asthma-Anfall für die Katze werden?

Prof. Hirt: Unter Umständen lebensgefährlich! Asthma ist ja eine chronische Entzündung der Bronchien, die im Verlauf der Erkrankung durch Umbauvorgänge immer enger werden, so dass das Tier im schlimmsten Fall im Asthma-Anfall den Erstickungstod erleiden kann.

Und wie ist das beim Hund? Leiden Hunde auch so oft unter Allergischem Asthma?

Prof. Hirt: Bei Hunden ist dies ein wenig anders als bei Katzen. Die allergische Reaktion beschränkt sich nicht „nur“ auf die Bronchien, sondern es wird auch das Lungengewebe mit erfasst. Der medizinische Fachausdruck beim Hund lautet „Eosinophile Bronchopneumopathi e“. Es ist dies eine chronische Entzündung der Bronchien und des Lungengewebes. Und obwohl es vermutlich auch eine allergische Erkrankung ist, besteht doch ein großer Unterschied zum allergischen Asthma der Katze: Beim Hund kommt es zu keiner Verengung der Bronchien! Warum dies so ist, ist wissenschaftlich noch nicht genau geklärt. Hunde mit dieser Erkrankung leiden an Husten, Schweratmigkeit und Leistungsintoleranz, was bedeutet, dass sie körperliche Belastung nur in geringem Maße aushalten. Die Symptome müssen nicht immer gleichzeitig auftreten. Auch kann sich die chronische allergische Lungenentzündung beim einen Vierbeiner stärker in den Bronchien auswirken, beim anderen stärker im Lungengewebe.

Welche chronischen Atemwegserkrankungen gibt es bei Hund und Katze noch?

Prof. Hirt: Eine sehr heimtückische Erkrankung ist die Idiopathische Lungenfibrose. Es kommt dabei zur Umwandlung des elastischen Lungengewebes in derbes Bindegewebe. Die Lunge wird dadurch immer steifer und die Atmung dadurch immer mehr erschwert, was zu Sauerstoffmangel führt. „Idiopathisch“ bedeutet, dass man keine Ursache für die Erkrankung kennt, aber möglicherweise spielt Vererbung eine Rolle; West Highland White Terrier sind besonders davon betroffen, aber auch bei anderen Terrierrassen (z.B. Cairn Terriern) tritt sie häufiger auf. Die Aussichten bei Lungenfibrose sind schlecht.

Welche diagnostischen Methoden kommen zum Einsatz, wenn Hund und Katze husten und nach Luft ringen?

Prof. Hirt: Bei Verdacht auf chronisch entzündliche Erkrankungen der unteren Atemwege erfolgt anschließend an die klinische Untersuchung und an das Röntgen eine endoskopische Untersuchung der Bronchien und schließlich eine Bronchoalveolarspülung, also eine Spülung der Bronchien und Lungenbläschen, um Keime und Zellgehalt in den tiefen Luftwegen festzustellen. Mittels mikroskopischer Untersuchung der ausgespülten Zellen beziehungsweise Keime, kann festgestellt werden, ob eine Entzündung besteht und welcher Art diese ist. Bei jedem Verdacht auf chronische Bronchitis sollte auch abgeklärt werden, ob die Entzündung nicht durch Luftverschmutzung, wie z.B. Feinstaub verursacht wurde. Ganz wichtig ist es, dass durch eine Kotuntersuchung kontrolliert wird, ob die Atemwegserkrankung eventuell durch Wurmbefall hervorgerufen wurde. Es gibt spezielle Verfahren zur Diagnose von Lungenwürmern, Spulwürmern und Herzwürmern. Schwieriger ist die Diagnosestellung der Lungenfibrose. Es müssten Gewebeproben der Lunge entnommen werden. Lungenfunktionstests wie beim Menschen, sind bei Hund und Katze nicht möglich, da diese auf die Aufforderung „jetzt bitte kräftig hineinblasen“ wohl nicht reagieren würden. Für Asthma-Katzen wurde jedoch ein spezieller Lungenfunktionstest entwickelt. Dabei wird die Katze in eine durchsichtige Box gesetzt und es werden die Druckänderungen im Behälter gemessen, die aufgrund der Atmung der Katze entstehen. Verengungen der Bronchien und die daraus resultierende Atemstrombehinderung können so festgestellt werden.

Was für therapeutische Möglichkeiten für die besprochenen Erkrankungen gibt es?

Prof. Hirt: Hunde und Katzen mit akuter Atemnot müssen zuerst an der Klinik stabilisiert werden. Sie erhalten Notfallsmedikamente und werden in den Sauerstoff-Käfig verbracht. Dort bleiben sie zumeist einige Stunden bis zu einem Tag, in seltenen Fällen bis zu zwei Tagen. Katzen mit einem Asthmaanfall erhalten Bronchodilatatoren zum Erweitern der Bronchien und eventuell auch eine Kortisoninjektion. Danach kann man mit der Dauertherapie beginnen. Handelt es sich um einen besonders schweren Fall, muss das Kortison noch einige Zeit als Injektion verabreicht werden, dann kann auf Tabletten umgestiegen und gleichzeitig mit der Inhalationstherapie begonnen werden. Nach einiger Zeit lässt man die Tabletten ausschleichen und behandelt ausschließlich mit Inhalationen. Der Vorteil der Inhalationstherapie liegt darin, dass es im Gegensatz zu Kortison-Injektionen oder Tabletten kaum Nebenwirkungen gibt, weil das Medikament bei der Inhalation vor allem in die Lunge gelangt. Da Tiere genau wie Säuglinge oder Kleinkinder nicht fähig sind, einfach einen Hub aus einem Dosier-Aerosol – dieses enthält Kortison und bronchienerweiternde Mittel – einzuatmen, gibt es jetzt spezielle Inhalationshilfen für Hunde, Katzen und Pferde. Sie bestehen aus einer Vorschaltkammer für das Dosier-Aerosol und einer mit der Schnauze gut abschließenden Inhalationsmaske und haben die für die jeweilige Tierart genau passende Ventilgröße, damit sich dieses beim Einatmen öffnen kann.Um die nötige Menge des Medikaments einzuatmen, braucht es ungefähr acht bis zehn Atemzüge. Die Anzahl der Atemzüge entspricht den Bewegungen des Ventils. Eine regelmäßige Reinigung der Inhalationshilfe ist notwendig.

Wie schnell hilft die Inhalationstherapie, wie lange muss sie angewendet werden und wie tolerieren die Tiere diese Prozedur?

Prof. Hirt: Die volle Wirkung der Inhalationstherapie wird nach sieben bis zehn Tagen erreicht. Es handelt sich in der Regel um eine Dauertherapie, was bedeutet, dass die Tiere lebenslang behandelt werden müssen. Hin und wieder gibt es Schübe mit einer Verschlechterung der Krankheit, dann müssen zwei bis drei Wochen zusätzlich Tabletten verabreicht werden. Im Normalfall muss der Tierhalter seinen Vierbeiner zweimal täglich inhalieren lassen. Man kann die Tiere mit Leckerlis darauf konditionieren; Hund und Katze wissen dann schon, dass nach der Inhalation die Belohnung folgt.

Wie sieht es mit der Lebensqualität und der Lebenserwartung aus?

Prof. Hirt: Wenn mit der Behandlung frühzeitig begonnen wird, darf durchaus mit einer normalen Lebenserwartung bei guter Lebensqualität gerechnet werden. Wird erst sehr spät mit der Behandlung begonnen, ist zu befürchten, dass die Umbauprozesse in den Bronchien bereits zu weit fortgeschritten sind und die Therapie nicht mehr anschlägt.