Borreliose – Gefahr für unsere Hunde

Borrelisose

Borreliose ist eine in Europa weit verbreitete, durch Zeckenübertragene Erkrankung bei Mensch und Tier. Wobei Österreich besonders stark davon betroffen ist: Von vier Zecken sind drei mit den Erregern der Borreliose verseucht und auf 100.000 Einwohner kommen bereits 300 Borreliose-Fälle. Und das Infektionsrisiko für Hunde ist noch größer als für Menschen, da die Vierbeiner der Zeckenplage noch direkter ausgesetzt sind. Denn Zecken fallen nicht von den Bäumen, sondern halten sich im Unterholz, in Büschen und im Gras auf – genau das Umfeld, in dem sich Hunde auf ihren Streifzügen bewegen. Egal ob Waldlichtung, eigener Garten oder „Beserlpark“ in der Stadt – Zecken und damit das Risiko einer Ansteckung mit Borreliose, gibt es da wie dort. In besonders stark betroffenen Gebieten sind bis zu 61 Prozent der Hunde infiziert.

Erste Krankheitssymptome erst nach 2 bis 5 Monaten

Die für den Menschen typische ringförmige, sogenannte „Wanderröte“ bald nach der Infektion fehlt beim Hund. Erst zwei bis fünf Monate nach dem Zeckenstich bekommen die Vierbeiner Fieber, werden appetitlos und lethargisch und beginnen schließlich zu lahmen. Die Ursache der Lahmheit ist eine durch die Borrelien hervorgerufene Polyarthritis (Entzündung mehrerer Gelenke). Die Lahmheit beginnt immer in dem Gelenk, das dem Zeckenbiss am nächsten liegt und kann trotz Antibiotikabehandlung bestehen bleiben. Denn es kommt häufig nicht zur vollständigen Auslöschung der Erreger; diese überleben manchmal auch langfristige Therapien. Dann kommt es zu den oft erst nach Jahren auftretenden Spätfolgen der Borreliose-Infektion, die sehr dramatisch sein können: Vollständige Lähmung, schwere Hautschäden und gravierende Nierenschäden – besonders häufig bei Labrador, Golden Retriever und Berner Sennenhund – sind möglich.

 

Daher sollte man bei älteren Hunden beim plötzlichen Auftreten von Lahmheiten, neurologischen Störungen oder schwerwiegenden Hautproblemen (Hautnekrosen – Gewebszerfall der Haut) immer auch an Spätfolgen einer übergangenen oder nicht austherapierten Borreliose in der Jugend denken.

Zecken infizieren sich an WildtierenKrankheitssymptome
Borrelien halten sich hauptsächlich in Nagern und Insektenfressern wie z.B. Igel, aber auch in Vögeln und anderen Wildtieren auf. Zeckenlarven saugen sich an diesen schon bei der ersten Blutmahlzeit mit den Borreliose-Erregern voll. In der Zecke halten sich die Borrelien im Darm auf und heften sich mit Hilfe eines bestimmten Oberflächenproteins an der Darmwand der Zecke fest. Kommt es jedoch zum Anheften der Zecke an die warme Haut eines Wirtes (z.B. Hund oder Mensch) und zum Einströmen des warmen Blutes in den Zeckendarm, so verändern die Borrelien ihr Oberflächenprotein, durchbohren die Darmwand, wandern in die Speicheldrüse der Zecke ein und kommen mit dem Zeckenspeichel in den Wirt.

Unterschiedliche Arten von Borrelien
Heute weiß man, dass es mehrere Arten von Borrelia burgdorferi gibt: Die amerikanische „Borrelia burgdorferi sensu stricto“ und die europäischen Arten. Die amerikanische Art spielt in Europa eine untergeordnete Rolle und ist nur für ungefähr 10% aller Borreliose-Fälle verantwortlich. Bei den in Europa nachgewiesenen Borrelienspezies handelt es sich zu 90% um Borrelia afzelii und B. garinii. Alle genannten Borrelienarten sind gleichermaßen für Menschen und Hunde gefährlich. So verursachen Borrelia afzelii und garinii beim Menschen Haut- und Neuro-Borreliosen.

langhaarige Hunde besonders Gut nach dem Spaziergang absuchenHunde nach dem Spaziergang nach Zecken absuchen
Da die Erregerübertragung durch die Zecke in der Regel erst 24 Stunden nach Beginn der Blutmahlzeit erfolgt und das Infektionsrisiko umso größer wird, je länger die Zecke saugt, ist es sinnvoll, die Vierbeiner nach jedem Spaziergang nach Zecken abzusuchen. Die Parasiten saugen sich besonders gerne an Kopf, Ohren, Brust, Bauch und in den Achselhöhlen an.

Neu: Jetzt Impfung gegen heimische Erreger
Um österreichische Hunde gegen Borreliose zu schützen, muss der verwendete Impfstoff diese Borrelienarten enthalten, die bei uns in Österreich zu über 90% für Borreliose-Erkrankungen verantwortlich sind, nämlich B.afzelii und B. garinii. Seit kurzem ist ein Impfstoff (Virbagen canis B) zugelassen, der diese Kriterien erfüllt. Die Wirkungsweise ist folgende: Durch die Impfung werden im Blut des Hundes Antikörper gebildet, die beim Saugakt in die Zecke gelangen und dort die Borrelien bereits im Zeckendarm unschädlich machen. Die Impfung entfaltet ihre Wirkung also in der Zecke, der Hund kommt mit den Erregern gar nicht mehr in Berührung. Es können Hunde ab dem Alter von 12 Wochen geimpft werden. Die Grundimmunisierung beginnt mit zwei Impfungen im Abstand von drei Wochen, wird sechs Monate später mit einer weiteren Impfung fortgesetzt und ist mit der Auffrischungsimpfung nach einem Jahr abgeschlossen. Optimalerweise sollten Junghunde schon vor ihrer ersten Zeckensaison geimpft werden. Auch Vierbeiner, die schon einmal eine Borreliose-Erkrankung durchgemacht haben, müssen geimpft werden, da Untersuchungen gezeigt haben, dass von einer Borreliose-Erkrankung genesene Hunde im Gegensatz zu geimpften Hunden keine schützenden Antikörper aufweisen und sich jederzeit neu infizieren können.

Infizierte Hunde stellen Erregerreservoir da
Mit Borreliose infizierte Vierbeiner stellen ein weiteres Erregerreservoir für Zecken dar. Infizieren sich diese beim Blutsaugen am Hund mit Borrelien und stechen anschließend einen Menschen, wird dieser mit Borreliose infiziert. Die Impfung des Hundes trägt also auch zum Schutz des Menschen bei.