Augen auf beim Welpenkauf

Die ganze Familie war sich einig: Ein Beagle soll der neue Hausgenosse werden. Schon beim ersten Besuch beim Züchter verliebten sich alle in einen kleinen Rüden namens Jasper. Auch der Hinweis des Züchters, dass der kleine Jasper wegen seines zu kurzen Unterkiefers nicht ausstellungstauglich sei, änderte nichts am familiären Entschluss. Beim Abholen des Welpen erkundigte man sich genau über seine Vorlieben, das richtige Futter und wie man dem kleinen Vierbeiner die Umstellung auf das neue Zuhause möglichst angenehm gestalten könnte. Das Thema „Gesundheit“ oder „rassespezifische Neigung zu bestimmten Krankheiten“ wurde nicht angesprochen.

Hündchen Jasper entwickelte sich problemlos zu einem munteren Junghund. Die Nachricht, dass einer seiner Brüder bereits vor dem ersten Geburtstag wegen schwerer epileptischer Anfälle eingeschläfert werden musste, war ein kleiner Schock. In den darauffolgenden Jahren starben noch zwei Wurfgeschwister Jaspers an Epilepsie. Im Alter von fünf Jahren traten auch bei Jasper die ersten schweren epileptischen Anfälle auf. Mit intensiver tierärztlicher Betreuung und viel Liebe seiner menschlichen Familie überlebte Jasper noch zwei Jahre, dann wachte er aus einem Anfall nicht mehr auf. Jasper und seine Wurfgeschwister waren Opfer schlechter Zuchthygiene, denn Epilepsie kann vererbt werden. Sowohl den Hunden als auch den Tierhaltern wäre viel Leid erspart geblieben, wenn in der Züchtung darauf geachtet worden wäre, epilepsiekranke Tiere konsequent aus der Zucht auszuschließen.

Gentests für viele Erbkrankheiten möglich Augen auf beim Welpenkauf
Leider gibt es für die erbliche Epilepsie noch keine Molekulargenetischen Tests (Gentests), für viele andere Erbkrankheiten sind diese jedoch problemlos durchzuführen. Ganz allgemein gilt: Je mehr Gene an der Ausbildung einer Krankheit beteiligt sind, umso schwieriger wird der Nachweis. Wird eine Krankheit nur durch ein Gen bedingt, ist sie leichter nachzuweisen; für viele Multi- Gen-Defekte, wie z.B. die weit verbreitete Hüftgelenksdysplasie, gibt es noch keine Molekulargenetischen Tests. Gentests können vom Zeitpunkt der Geburt an in jedem Lebensalter durchgeführt werden. Sie dienen einerseits der Zuchthygiene, indem Träger von Erbkrankheiten durch die Tests identifiziert und von der Zucht ausgeschlossen werden. Andererseits können Gentests vom Tierarzt in unklaren Krankheitsfällen zur Abklärung der Diagnose herangezogen werden.

Schnell, günstig und verlässlich!
Für den Gentest wird eine Blutprobe oder ein Backenabstrich (fälschlich oft als Speichelprobe bezeichnet) benötigt, wobei Ergebnisse aus Blutproben noch sicherer sind. Beim Backenabstrich muss darauf geachtet werden, dass das Tier mindestens seit einer Stunde nicht gefressen hat und auch nicht gesäugt wurde. Die Entnahme des Abstrichs erfolgt mit kleinen Bürsten; es muss kräftig gebürstet werden, damit genügend Mundschleimhaut an der Bürste haften bleibt. Die Kosten betragen im Durchschnitt 50 Euro.

Gentests für bestimmte Rassen entwickelt
Da für viele Erbkrankheiten Rasseprädispositionen vorliegen, wurden die meisten Gentests für bestimmte Rassen validiert, können aber auch an Mischlingen durchgeführt werden.

Beispiele für häufig vorkommende und gut zu testende Erbkrankheiten:

MDR1-Gendefekt
Hütehunde wie Collies, Shelties und Australian Shepherds, aber auch Mischlinge werden häufig mit einem Defekt des MDR1- Gens geboren. Bei solchen Tieren kann die Verabreichung von bestimmten Medikamenten, wie z.B. Ivermectin oder einigen Wurmmitteln dazu führen, dass die Blut-Hirn-Schranke durchbrochen wird und es zu schweren neurologischen Symptomen kommt. Man sollte daher schon Welpen vor der Wurfabgabe darauf testen.

Progressive Retina Atrophie (PRA) Darunter versteht man eine Erkrankung der Netzhaut, die mit Nachtblindheit beginnt und durch kontinuierliches Fortschreiten immer zur Erblindung führt. Dabei werden die Fotorezeptoren des Auges im Laufe der Zeit völlig zerstört. Obwohl die Progressive Retina Atrophie unheilbar ist, sollte möglichst früh ein Gentest und die ophthalmoskopische Untersuchung des Augenhintergrundes durchgeführt werden. Dies nützt sowohl der Zuchthygiene – Träger der PRA können sogleich von der Zucht ausgeschlossen werden -, als auch dem zukünftigen Welpenbesitzer, da dieser entscheiden kann, ob er sich dem Zusammenleben mit einem blinden Hund gewachsen fühlt oder nicht. Diese Erkrankung betrifft viele Rassen, besonders häufig Pudel, Irish Setter, American Cocker Spaniel, Retriever und noch viele andere.

Von Willebrand Erkrankung Dies ist die häufigste vererbte Blutgerinnungsstörung, die aus einem defekten oder fehlenden Von Willebrand Faktor im Blut resultiert. Dieser Faktor ist sehr wichtig für die Blutgerinnung; wenn er fehlt oder defekt ist, bluten betroffene Tiere bei Verletzungen oder Operationen sehr lange nach oder verbluten überhaupt. Der Gentest auf die Von Willebrand Erkrankung ist auch zur Absicherung vor Operationen von Bedeutung.

Gehör noch vor der Wurfabgabe testen Augen auf beim Welpenkauf

Vor allem Tiere mit weißem Fell werden oft schon taub geboren. Die angeborene Innenohrtaubheit ist in den meisten Fällen genetisch bedingt und vererbbar. Besonders häufig davon betroffen sind Dalmatiner, Bullterrier, Dogo Argentino, English Setter, weißer Schäfer und weiße Katzen, zum Beispiel weiße Maine Coon. Diese Form der Taubheit ist jedoch bereits sehr früh eindeutig feststellbar. Schon bei Welpen ab der sechsten Lebenswoche kann die Hörfähigkeit durch die Audiometrie überprüft werden. Die audiometrische Untersuchung wird an der Veterinärmedizinischen Universität Wien durchgeführt. Dabei wird dem durch Beruhigungsmittel in Schlaf versetzten Tier über spezielle Kopfhörer ein klickendes Geräusch in beide Ohren geleitet. Dadurch werden die Nervenzellen der Gehörbahnen aktiviert, was über feine Nadelelektroden außen an der Kopfhaut registriert und an einen Computer weitergeleitet wird. Damit lässt sich die Gehörfunktion bestimmen und vermessen. Die audiometrische Untersuchung dauert in der Regel nur wenige Minuten und das Ergebnis ist sofort am Aufzeichnungscomputer ablesbar. Viele Zuchtverbände bestehen auf einer audiometrischen Untersuchung der Welpen mit fünf bis acht Wochen, um einerseits den neuen Besitzern die Gewissheit eines normal hörenden Welpen zu gewährleisten, aber auch um Anlageträger der genetischen Taubheit aus der Zucht auszuschließen.

welpenkauf Frühzeitige Untersuchung der Welpen wichtig

Die Veterinärmedizinische Universität Wien bietet schon für Welpen im Alter von vier bis sechs Wochen neurologische Tests zur Überprüfung der neurologischen Entwicklung, ophtalmologische Untersuchungen des Augenhintergrundes und audiometrische Untersuchungen zur Prüfung des Gehörsinnes sowie Gentests an. Es ist sehr wichtig, bei kranken Welpen der Ursache der Erkrankung immer auf den Grund zu gehen. Denn nur so können sowohl Erbkrankheiten als auch Infektionskrankheiten aus einer Zucht eliminiert werden.