Alles über Katzenschnupfen

Was jeder Katzenhalter wissen sollteIm Gegensatz zum Schnupfen des Menschen ist der Katzenschnupfenkomplex eine schwere – für sehr junge Kätzchen sogar lebensgefährliche – Erkrankung. Besonders empfänglich sind Kätzchen unter drei Monaten und ältere Tiere in Stresssituationen. Die Erreger sind Herpes- und Caliciviren, die in letzter Zeit besonders gefährliche Stämme entwickelt haben und so oft zum Tod der betroffenen Tiere führen. Vor allem Herpesviren sind dafür verantwortlich, wie schwer die Erkrankung verläuft. Neben Augen und Nase befallen die Viren auch Mundschleimhaut, Luftröhre und Lunge. Blasen und Geschwüre in der Maulhöhle und Lungenentzündung sind die Folge. Feline Caliciviren (FCV) bedingen neben den Erkrankungen des Atmungsapparates auch Erbrechen und Durchfall mit daraus resultierender Entwässerung und Austrocknung der betroffenen Tiere.

Herpesviren besonders ansteckend

Die Ausscheidung der Erreger erfolgt hauptsächlich über den Speichel und über Augen- und Nasenausfluss. Zur Ansteckung kommt es überwiegend durch direkten Kontakt mit kranken Tieren, aber auch durch Tröpfcheninfektion: Denn beim Nießen werden Herpesviren bis zu eineinhalb Meter weit hinaus geschleudert. Die Ansteckung kann auch indirekt über verseuchte Gegenstände, wie Futterschüsseln oder Käfige erfolgen. Ungewaschene Hände spielen bei der Übertragung des Katzenschnupfens ebenfalls eine Rolle.

Herpesviren überleben in Nervenzellen

Der Großteil der Kätzchen, die eine Katzenschnupfeninfektion überstanden haben, beherbergt das Feline Herpesvirus (FHV) lebenslang in ihren Nervenzellen, zum Beispiel im Trigeminusganglion und im Sehnerv. Ähnlich wie das Fieberblasen-Herpesvirus des Menschen wird auch das Feline Herpesvirus bei Belastungen und Stress wieder aktiv und die Tiere leiden erneut unter heftigen Augenentzündungen und eitrigem Schnupfen. So bedeutet für Katzenwelpen, die oft schon innerhalb der ersten zwei Lebenswochen von ihrer virustragenden Mutter infiziert wurden, die Trennung von Mutter und Geschwistern und der Umzug zu den neuen Besitzern so viel Stress, dass die Krankheit ausbricht. Wenn erwachsene Katzen Herpesvirusträger sind, können sie über lange Zeiträume symptomlos bleiben. Erst in stressreichen Situationen – zum Beispiel Geburt, Transport, Katzenausstellungen oder Aufenthalt in Katzenheimen – wird das Virus wieder aktiv und die Tiere beginnen zu nießen und leiden unter eitrigem Augen- und Nasenausfluss. In schweren Fällen kann es zu Hornhautgeschwüren und sogar Erblindung kommen. Auch Kortisonbehandlungen können Auslöser für die Reaktivierung der Herpesviren sein. Aber nicht alle virustragenden Katzen, bei denen es durch Stress zur Reaktivierung von Herpesviren kommt, erkranken sichtbar. Heimtückischerweise gibt es auch symptomlose Virusausscheider, die wegen des Fehlens von Krankheitssymptomen nicht isoliert werden und daher besonders viele andere Katzen anstecken.

Behandlung schwierig

Ohne Behandlung kann der Katzenschnupfen Wochen dauern und schließlich auch zum Tod führen. Erfolge wurden bei der Behandlung des Katzenschnupfen-Komplexes mit Katzen-Interferon erzielt. Interferon hemmt die Vermehrung von Viren, wirkt stark antiviral und stärkt das Immunsystem. Je früher die Behandlung mit Interferon begonnen wird, umso besser sind die Erfolgschancen. Gegen bakterielle Sekundärinfektionen müssen Antibiotika eingesetzt werden. Um der Austrocknung entgegen zu wirken, ist Flüssigkeitsersatz mit Infusionen nötig. Aktuelle Forschungen haben gezeigt, dass die Aminosäure Lysin die Krankheitserscheinungen bei Erstinfektionen mit Katzenschnupfen vermindert und auch die Häufigkeit von Rückfällen bei latenten Herpesvirusträgern reduziert. Dies lässt sich folgendermaßen erklären: Herpesviren brauchen zu ihrer Vermehrung die Aminosäure Arginin. Lysin verdrängt jedoch Arginin aus dem Herpesvirus und hemmt so dessen Vermehrung. Die Aminosäure Lysin ist als Ergänzungsfuttermittel bei Tierärzten erhältlich. Die Dauer der therapiebegleitenden Verabreichung von Lysin-haltigen Ergänzungsfuttermitteln hängt vom Schweregrad der Erkrankung und von den jeweiligen Umständen ab. Das Minimum sind jedoch zwei bis vier Wochen. Es gibt heutzutage auch schon Fertigfutter, dem Lysin zugesetzt wurde.