Zahnprobleme rasch erkennen

Zahnprobleme-rasch-erkennenAuch aufmerksamen Hunde- und Katzenbesitzern fällt oft lange nicht auf, dass ihr vierbeiniger Liebling Probleme mit den Zähnen hat. Häufig werden diese erst bei einer routinemäßigen Untersuchung durch den Tierarzt entdeckt. Um den bis dahin unbemerkten Leidensweg der betroffenen Tiere zu verkürzen, hat „mein HAUSTIER“ Herrn Magister Matthias Schweda im Interview befragt, auf welche Anzeichen Herrchen oder Frauchen achten müssen, um auf Zahnerkrankungen von Bello und Mieze rechtzeitig reagieren zu können.

Frage: Herr Magister Schweda, warum bemerken Tierbesitzer häufig über lange Strecken nicht, dass Hund oder Katze Zahnschmerzen haben?

Mag. Schweda: Interessanterweise zeigen Tiere Schmerzen im Maulbereich fast nicht an, obwohl die nervliche Versorgung des Gebisses von Hund und Katze der des Menschen genau entspricht und auch der Zahnaufbau gleich ist. Die Schmerzen sind also dieselben; ein freier Zahnhals oder ein kaputter Zahn tut dem Tier genauso weh. Auch für mich als Spezialist für Zahnheilkunde ist es sehr bemerkenswert, wie subtil die Anzeichen für Schmerzen bei Tieren sein können.

Frage: Welche Hinweise für Schmerzen im Maul gibt es?

Mag. Schweda: Wenn Katzen Zahnschmerzen haben, kann es sein, dass sie versuchen zu fressen ihnen dabei Futter aus dem Maul fällt, oder sie erschrocken davon laufen. Im fortgeschrittenen Stadium verweigern sie das Futter. Hunde hingegen fressen auch mit Schmerzen noch sehr lange, dies liegt vorallem daran, dass das Einstellen der Futteraufnahme für den Hund mit „Sterben“ gleichzusetzen ist. Dazu kommt noch, dass einige Hunde schlingen und nur wenig kauen. Hunde mit Zahnbeschwerden können stärker speicheln, manchmal sogar blutig. Da chronische Schmerzen das Allgemeinbefinden stark beeinträchtigen, fällt den Besitzern oft auf, dass der Vierbeiner viel ruhiger und inaktiver geworden ist. Auch kommt es vor, dass Hunde aufgrund von Zahnschmerzen vorher sehr beliebte Zieh- und Ballspiele plötzlich verweigern. Weil dies oft ältere Hunde betrifft, schreiben die Besitzer die Wesensveränderung des Tieres häufig dem Alter zu und sind sehr verwundert, wenn sich ihr Liebling nach der erfolgreichen Zahnbehandlung wieder benimmt, als wäre er Jahre jünger.

Frage: Gibt es hin und wieder auch markantere Symptome, die Tierbesitzer nicht übersehen können?

Mag. Schweda: Bei Hunden kommt es immer wieder einmal zu Wurzelspitzenabszessen des Oberkiefer-Reißzahns. Diese verursachen Schwellungen im Bereich des Oberkiefers – typischer Weise unterhalb des Auges. Trotzdem werden die Hunde häufig erst zum Tierarzt gebracht, wenn bereits ein Fistelkanal entstanden ist, aus dem sich Eiter ergießt. Das heißt, dass der Hund schon viele Wochen lang mit dem Problem zu kämpfen hat, ohne dass Herrchen oder Frauchen es bemerken.

Frage: Warum stinken manche Hunde so heftig aus dem Maul?

Mag. Schweda: Der Mundgeruch, ähnlich wie beim Menschen, kann extraorale oder intraorale Ursachen haben. Extraoral bedeutet, das das Tier mit der Nahrung beispielsweise Geruchs- und Geschmacksstoffe aufnimmt (ähnlich dem Knoblauch beim Menschen), die man aus der Maulhöhle riecht. Ebenso ist es durch chronische Erkrankungen eines Organs oder Organsystems bedingt. Ich denke da an den typischen Azeton-Geruch bei Zuckerkrankheit oder an den urämischen Mundgeruch bei Nierenversagen. Die intraorale Ursache für üblen Mundgeruch liegt meist im Zahnstein eingebettet. Dies sind spezielle Bakterien, die Schwefelwasserstoffe und Mercaptane bilden, die für den fauligen Geruch verantwortlich sind. Das Ausmaß der Geruchsbildung ist mit einem Halimeter, einem Messgerät, das solche flüchtigen Verbindungen messen kann, quantifizierbar.

Frage: Vermindert Zähneputzen den Maulgeruch?

Mag. Schweda: Bei Untersuchungen, bei denen der Maulgeruch mit dem Halimeter gemessen wurde, hat man festgestellt, dass Zähneputzen zu einer Reduktion des Geruchs um 47% führen kann. Im Handel erhältliche Dentalpflegeprodukte reduzieren den Geruch ebenfalls erheblich, nämlich um bis zu 40%. Die Studie hat auch gezeigt, dass der Maulgeruch binnen 3 Wochen wieder seinen Ausgangswert erreicht, wenn der Besitzer die Zahnpflege stoppt. Dentale Kausticks haben also durchaus Ihre Berechtigung in punkto Zahnpflege bzw. Maulhöhlenhygiene.

Frage: Was empfehlen Sie als optimale Zahnpflege für Hunde?

Mag. Schweda: Die abwechselnde Anwendung von Zähneputzen und Kauprodukten bringt gute Resultate. Das heißt: einen Tag Zähneputzen, einen Tag Zahnpflegesticks kauen lassen. Es ist nämlich so, dass jeden Tag Epithelabschilferungen, Speicheleiweiß, Bakterienansiedelungen und Muzine, das Ganze wird auch als Plaque bezeichnet, die Zahnoberflächen überziehen. Durch Einlagerung von Kalzium aus dem Speichel verkalken diese Zahnbeläge innerhalb von 18 bis 36 Stunden zu hartem Zahnstein, der wiederum einen idealen Boden für Bakterien darstellt. Während Zähneputzen Plaque entfernt, verlangsamen Kauprodukte die Zahnsteinbildung, weil sie das Kalzium im Speichel binden. Dadurch könnte das Intervall beim Zähneputzen auf 48 Stunden verlängert werden. Die Kalziumbindung erfolgt durch chemische Zusatzstoffe bei essbaren Kauprodukten, Kauspielzeug – wie zum Beispiel Gummiknochen – haben diese Wirkung nicht.

Frage: Wieso ist bei manchen Tieren der Zahnstein auf einer Seite viel stärker ausgeprägt als auf der anderen?

Mag. Schweda: Wenn ein Zahn auf einer Seite schmerzt, kauen die Hunde vermehrt auf der anderen Seite, wodurch es zur Schonung der „kranken Seite“ und damit zu vermehrter Zahnsteinbildung kommt, denn auch jeder Biss „reinigt“ in gewisser Weise wieder die Zahnoberfläche.

Frage: Wir haben bis jetzt von erwachsenen Tieren gesprochen. Haben auch Welpen schon Zahnprobleme?

Mag. Schweda: Bei Welpen können Probleme vor allem im Zahnwechsel auftreten, wie ein unvollständiger oder unregelmäßiger Zahnwechsel. Ein bekanntes Phänomen ist der Caninus persistens, der bleibende Milch-Reißzahn. Dieser sollte bis zum spätenstens achten Lebensmonat ausfallen. Andernfalls muss er chirurgisch entfernt werden, da es sonst sowohl zu Zahnfehlstellungen des bleibenden Gebisses, als auch parodontalen Erkrankungen in diesem Bereich kommen könnte. Der normale Zahnwechsel beim Welpen sollte mit sieben Monaten abgeschlossen sein. Danach empfiehlt es sich, das bleibende Gebiss vom Tierarzt kontrollieren zu lassen, um etwaige Fehlstellungen früh diagnostizieren zu können.

Zahnprobleme-rasch-erkennen-1Frage: Gibt es dann auch für Hunde Zahnregulierungen?

Mag. Schweda: Zahnregulierungen bekommen Hunde vor allem dann, wenn man in weiterer Folge mit Erkrankungen der Maulhöhle rechnen kann. Ein Beispiel dafür wäre die Engstellung der Eckzähne im Unterkiefer mit Einbiss in den Oberkiefer. Es besteht dann die Möglichkeit einer Zahnspange; ist die Fehlstellung jedoch zu gravierend, werden die betreffenden Zähne besser gekürzt oder entfernt.

Frage: Haben Sie noch Tipps für die Tierbesitzer?

Mag. Schweda: Mit Hunden sollte vom Welpenalter an die Manipulation am Maul geübt werden. Immer wieder einmal die Lefzen hochheben, ins Maul schauen und über die Schnauze streichen. Wichtig ist es, den Vierbeiner während der Futteraufnahme zu beobachten, um ein verändertes Fressverhalten frühzeitig festzustellen. Auf Schwellungen, Asymmetrien und Verdickungen im Gesicht achten. Und es ist zu vermeiden die eigene gebrauchte Zahnbürste für den Hund zu verwenden! Auf diese Weise könnte Karies vom Menschen auf das Tier übertragen werden. Bei Tierärzten und im Zoofachhandel gibt es spezielle weiche Zahnbürsten für Hunde und Katzen.