Wuff – mir ist so faaad!

wuff-mir ist so faaad

Liiillliiii!!!! Ja, wo ist die Kleine denn jetzt wieder?“ – Frauchen blickt von ihrem Buch auf, Herrchen legt die Zeitung beiseite und gemeinsam sucht man den Garten nach der Hündin ab,  die doch gerade noch so zufrieden im Gras lag.
„Hier bin ich!“ scheint Lilli zu rufen und steht schweifwedelnd auf der anderen Seite des Zauns, bevor sie einen Sprint durch den fremden Garten hinlegt. „Alles soo aufregend!!!“
Es ist nicht das erste Mal, dass Lilli durch eine Lücke im Zaun in den Nachbargarten geschlüpft ist. „Hat sie denn keine Bindung zu uns?“ fragen Lillis Besitzer die Hundetrainerin verzweifelt, als diese das nächste Mal kommt. „Warum will sie von uns weg?“ „Das hat nichts mit der Bindung zu tun, Lilli liebt Sie zweifellos“, beruhigt die Trainerin. „Aber ihr ist einfach fad, wenn sie im Garten keine Beschäftigung hat. Dann sucht sie sich selbst ihr Abenteuer.“

Was unsere Hausgenossen brauchen

Muss man den geliebten Vierbeiner wirklich rund um die Uhr bespaßen, damit er nicht auf dumme Gedanken kommt? Auch Hundebesitzer haben schließlich Beruf, Haushalt, Kinder, Freunde und hin und wieder ein Recht auf ein bisschen Faulenzen. Sind regelmäßige Spaziergänge, Toben mit Artgenossen und Kuscheln
mit Frauchen und Herrchen nicht genug? Im Prinzip schon ein super Basisprogramm. Allerdings wollen unsere klugen Lieblinge auch geistig gefordert werden.
Daher setzen sich die optimalen Aktivitäten, die einen Vierbeiner geistig und körperlich auslasten, zusammen aus:

  • Spaziergängen,
  • Kontakt mit Artgenossen,
  • Lernen/Training,
  • Schnüffeln,
  • Intelligenzspielen, bei denen verschiedene geistige Herausforderungen bewältigt werden müssen.

Doch keine Sorge! „Die Vierbeiner brauchen nicht alles gleichzeitig!“, erklärt Mag. Gudrun Braun, leitende Trainerin im Wiener Tierschutzhaus. Täglich muss jedenfalls ein ausgiebiger Spaziergang auf dem Programm stehen und die Möglichkeit, andere Hunde zu treffen. Darüber hinaus sollten variabel geistige Aktivitäten wie Training, Schnüffeln oder Intelligenzspiele eingebaut werden. „Wie oft und wie lange Hunde beschäftigt werden müssen, ist individuell verschieden“, so die Trainerin. Manchen genügen zehn Minuten geistige Arbeit, andere brauchen mehrere kurze Beschäftigungseinheiten über den Tag verteilt.“ Hunden, die in einer reiz- armen Umgebung leben, muss man mehr Möglichkeiten bieten, alle ihre Sinne zu gebrauchen als Hunden, in deren Haushalt ohnehin viel los ist und die ihre Besitzer überall hinbegleiten. „Denn ein Hund, der nicht ausgelastet ist und keine Abenteuer im Kopf erlebt, sucht sich diese Erlebnisse in Eigenregie – er geht jagen, besucht Nachbars Garten oder entwickelt aus Frustration heraus gar Verhaltensstörungen“, bestätigt Tierärztin und Verhaltenstrainerin Dr. Nora Marx-Dawid. „Für die geistige Stimulation der Vierbeiner ist vor allem Nasenarbeit sehr wichtig“.

Schnüffelgarten für gelangweilte „Ausreißer“

Während wir Menschen eine fremde Umgebung in erster Linie mit den Augen erfassen, kommen bei Hunden zu den visuellen Reizen noch die unzähligen Geruchseindrücke hinzu, mit denen sie die Welt wahrnehmen. Daher ist Schnüffeln für unsere Lieblinge geistige Arbeit und enorm wichtig. Wir sollten ihnen zum Beispiel auf einem Spaziergang die Zeit gönnen, um eine neue Umgebung ausgiebig „abzuschnüffeln“. Mag. Gudrun Braun rät, Spaziergänge auch mit Suchspielen zu kombinieren und im Gras, im Laub, unter Sträuchern etc. Leckerlis oder Spielzeug zu verstecken.
Wer einen eigenen Garten hat, kann für den gelangweilten Mitbewohner eine spannende Schnüffelzone anlegen. „Dieser Teil des Gartens sollte nicht ganz so gepflegt sein. Ein Laubhaufen, ein Hügel Rindenmulch, ein Berg nicht weggeräumter Äste, in denen der Hund ausgiebig nach versteckten Köstlichkeiten buddeln darf, bilden die Voraussetzungen für jede Menge Spaß und geistiger Betätigung. Sehr gut für so einen Schnüffelgarten eignen sich auch stark riechende Pflanzen und Kräuter wie Lavendel und Rosmarin“, so Mag. Braun. Es kommt sowohl durch unterschiedliche Untergründe als auch durch stark riechende Pflanzen zu Wechselwirkungen mit den Geruchsmolekülen der Leckerlis, was besonders spannend ist. Wetten, dass Hunde wie Lilli in so einem Schnüffelgarten gar nicht daran denken, die Nachbarn zu besuchen?

Kreative Spielideen für zuhause

Aber auch Hunde, die keinen Garten zur Verfügung haben, können mit kreativen Spielideen ausreichend geistig gefordert werden und großen Spaß haben.
Aus der Beschäftigung mit ihren Tierheimhunden hat Mag. Braun jede Menge Spiele entwickelt, bei denen durch die Stimulierung aller Sinne zusätzlich Frust und Stress abgebaut werden.
Hier eine kleine Auswahl zur Nachahmung:
Zerstörkiste: Für Hunde, die gerne ihre Decken oder Körbe zerbeißen, ist eine Zerstörkiste das ideale Spielzeug: Füllen Sie eine Kartonschachtel mit zerknülltem Zeitungspapier, in dem Sie Leckerlis oder ein Kaustangerl versteckt haben. Ihr Liebling darf nun nach Herzenslust zerstören, eventuellen Frust loswerden und gleichzeitig mit der Leckerli-Suche seine Nase einsetzen. Decken und Körbe bleiben in Zukunft unangetastet.
Für Grasfresser: Ihr Hund liebt Grünzeug, sprich: Gras? Dann ist dies das ideale Spiel für ihn: Spicken Sie einen ganzen Kopf Salat mit Leckerlis wie z.B. Frolic-Ringen. Ihr Liebling darf den Salat zerpflücken, um sich die Belohnungen herauszuholen oder auch auffressen. Ist sehr gesund und macht Spaß!
Melonen-„Nachtisch“: Nehmen Sie eine ganze ungeschälte Melone und machen Sie mit einem Apfelgehäuse-Ausstecher Löcher hinein. Diese Löcher füllen Sie mit Leberpastete oder Leckerlis. Jeder Vierbeiner wird diesen Obst-„Nachtisch“ köstlich finden.
Eiszeit: An heißen Sommertagen können wir einer Tüte Eis kaum widerstehen. Warum sollte Ihrem Hund dieses Vergnügen versagt bleiben? Frieren Sie einen Kong ein und füllen Sie das eiskalte Spielzeug dann mit Futter, Leberwurst oder Leckerlis. Dadurch werden die Geschmacksnerven des Tieres einmal auf andere Art stimuliert.

Gemeinsamer Sport

Wer mehr Zeit investieren kann, wird vielleicht Spaß daran haben, mit dem vierbeinigen Mitbewohner eine der vielen Hundesportarten zu erlernen bzw. zu betreiben. Im Folgenden eine kleine Auswahl:
Agility: Der Hund muss möglichst schnell und fehlerfrei einen Parcours aus diversen Hindernissen überwinden, während der Besitzer neben den Hindernissen herläuft und ihn motiviert und führt. Voraussetzung: Fitness und guter Grundgehorsam.
Hoopers Agility: Moderate Agility-Form, die sich auch für ältere Hunde und nicht so flotte Besitzer eignet. Der Hund wird aus großer Distanz über Zuruf und Körpersprache durch einen Parcours geleitet. Der Besitzer läuft nicht mit.
Obedience: Gehorsamkeitstraining, bei dem verschiedene Übungen (von „Platz“ bis „Apportieren“) schnell und genau ausgeführt werden müssen. Voraussetzung: Guter Grundgehorsam.
Dogdancing: Gemeinsame freie Übungen und Kunststückchen zu Musik. Ideal für gelehrige, gehorsame Hunde.
Flyball: Der Hund muss mit Pfote oder Nase eine Ballwurfmaschine betätigen und den Ball dann apportieren. Voraussetzung: Konzentration, Intelligenz, Apportierfreude.
Fährten- und Schnüffelkurse: Intensive Nasenarbeit. Die Suche nach verschwundenen Gegenständen und Menschen wird trainiert.
Tricks: In Eigenregie oder in Kursen (Anleitungen auch im Internet) kann man dem Vierbeiner zahlreiche Tricks beibringen: Von „Pfote geben“ über „Totstellen“ bis zum „Schubladen öffnen“. Damit wird das Gehirn trainiert und den Hunden macht es obendrein Spaß.

Ruhepausen nicht vergessen!

Alle diese Ideen tragen dazu bei, aus Ihrem Hund ein ausgelastetes und glückliches Tier zu machen, mit dem es sich auch wesentlich angenehmer zusammenleben lässt als mit einem unterforderten und gelangweilten Vierbeiner, der sich seine Abenteuer selbst sucht. Doch alles mit Maß und Ziel! Denn Überforderung ist genauso schlecht wie Unterforderung. Dazu Dr. Nora Marx-Dawid: „Ist ein Hund ständig überfordert, so ist Stress die Folge. Und wir wissen ja, dass Dauerstress das Immunsystem schwächt und der Gesundheit schadet“. Sowohl die Tierärztin als auch Mag. Braun raten daher, dem Hund unbedingt seine Ruhepausen zu gönnen – mit sanften Massagen, gemeinsamem Kuscheln und zwischendurch kurzen Gassirunden ohne große Ablenkung. Nicht zu vergessen: Ein erwachsener Hund braucht täglich 16 bis 18 Stunden Schlaf!