Vierbeinige Spielgefährten

Was Eltern und Kinder beachten müssenHunde sind für Kinder jeden Alters wunderbare Gefährten. Wird ein Kind in eine Familie mit Hund hineingeboren, sollten die Eltern dem Vierbeiner die Gelegenheit geben, unter ihrer Aufsicht das Baby zu beschnuppern, damit er es als Familienmitglied erkennt. Instinktiv nimmt der Hund die Hilflosigkeit des Säuglings wahr und übernimmt die Beschützerrolle. Aus dem hilflosen Säugling wird jedoch schnell ein selbstbewusstes Kleinkind, das sich mit dem Hund auf gleicher Stufe fühlt. Es projiziert seine eigenen Absichten und Fähigkeiten auf das Tier und vermenschlicht es, weil es in allem und jedem von sich auf das Tier schließt. In dieser Entwicklungsphase des Kindes muss der Vierbeiner einiges an ungeschickter, manchmal auch recht grober Behandlung über sich ergehen lassen. Aber wer je gesehen hat, mit welcher unendlichen Geduld Hunde sich vom jüngsten Familienmitglied die Ohren lang ziehen lassen, wird nicht mehr daran zweifeln, dass Tiere ein Bewusstsein haben. Trotzdem sollten Kleinkinder niemals mit Tieren alleine gelassen werden, denn die jeweilige Aufsichtsperson muss eingreifen können, bevor es für den Vierbeiner schmerzhaft wird. Selbst der friedfertigste Hund könnte im ersten Abwehrreflex schnappen. Es ist sehr wichtig, dass Eltern das Kleinkind zum richtigen Umgang mit dem Tier anleiten.

Gegenseitige Erziehung

Mit ungefähr vier bis fünf Jahren kann ein Kind erkennen, dass der Hund in der Familienhierarchie tiefer steht, und entwickelt Fürsorge für das Tier. Die Bedürfnisse des Hundes werden dem Kind wichtig: Es möchte füttern, pflegen, aber auch bereits befehlen. Und damit beginnt die gegenseitige Erziehung; das Kind erkennt, dass auch sein vierbeiniger Freund ein Eigenleben hat und nicht immer will, was es selbst gerade will. Das Kind muss lernen, Rücksicht zu nehmen. Größere Kinder und Jugendliche lernen Verantwortung zu tragen, wenn sie von den Eltern nach und nach die Pflege und Versorgung des Hundes übertragen bekommen. Sie können einfache Tierarztbesuche übernehmen und im Krankheitsfall das Tier unter der Anleitung der Eltern pflegen. So lernen Heranwachsende eigene Wünsche zugunsten eines anderen Lebewesens zurückzustellen. Sie begreifen, dass Liebe und Freundschaft Verständnis für den anderen voraussetzen, wozu wiederum Geduld und Toleranz notwendig sind. Es ist daher nachvollziehbar, dass Kinder, die mit Hunden oder anderen Tieren aufwachsen, besser mit anderen Menschen auskommen und wesentlich kontaktfreudiger sind. Da Kinder nie müde werden, ihren Vierbeiner zu beobachten, wird durch das Aufwachsen mit Tieren ihre Beobachtungsgabe gefördert, was auch die Aufmerksamkeit für andere Bereiche schult.

Den Ablauf eines Lebens sehen

Durch die wesentlich kürzere Lebenserwartung von Hunden im Vergleich zum Menschen beobachten Kinder an ihrem vierbeinigen Liebling den Ablauf eines ganzen Lebens – vom Jungtier über das erwachsene bis zum alten Tier. Kinder lernen so, dem Alter positiv gegenüberzustehen. Die Achtung, die sie jetzt dem alten Tier entgegenbringen und die Rücksichtnahme auf altersbedingte Behinderungen des Tieres werden sie später auch bei alten Menschen zeigen.

Wenn es kein Hund sein kann

Obwohl Hunde wunderbare Kameraden sind, ist es doch nicht für alle Familien möglich, einen Hund zu halten. Aber schon Konrad Lorenz stellte fest: „Ob ein Kind einen Hund, eine Katze oder einen Kanarienvogel hat – jedes Tier bringt ihm bei, dass der Mensch nicht das einzige Lebewesen auf der Welt ist, sondern verantwortliches Mitglied eines großen Systems.“