Überfunktion der Schilddrüse

Häufigste Hormonstörung älterer KatzenKatzen, die an Schilddrüsenüberfunktion leiden, werden leider sehr oft erst in schwerkrankem Zustand zum Tierarzt gebracht. Mit ihrem für die Krankheit typischen ängstlichen Gesichtsausdruck und dem struppigem Fell bieten die betroffenen Tiere ein erbarmungswürdiges Bild. Auch ehemals übergewichtige Tiere sind abgemagert, obwohl sie mit Heißhunger fressen. Allerdings erbrechen die betroffenen Samtpfoten häufig und leiden an hartnäckigem Durchfall. Sie trinken mehr als früher und urinieren viel. Auffallend ist die Wesensveränderung: Ursprünglich ausgeglichene, gutartige Katzen werden zu fahrigen, nervösen und aggressiven Geschöpfen.

Gutartiger Tumor als Ursache – Früherkennung wichtig

Die Schilddrüsenüberfunktion wird durch einen in der Regel gutartigen Tumor, der zusätzliches Schilddrüsenhormon produziert, verursacht. Der Tumor besteht in den meisten Fällen aus zwei Knoten – nur selten gibt es viele Knoten und manchmal auch nur einen. Die Knoten können häufig schon beim Abtasten der Schilddrüse gespürt werden. Um das veränderte Schilddrüsengewebe auch grafisch darzustellen, bedient man sich der Methode der Szintigraphie. Dazu wird radioaktives Pertechnium intravenös injiziert. Dieses reichert sich im Tumor an und man sieht, aus wie vielen Knoten der Tumor besteht. Die Szintigraphie wird in Kurznarkose durchgeführt und im Anschluss daran müssen die vierbeinigen Patienten für zwölf bis achtundvierzig Stunden an der Klinik im Strahlenschutzbereich verbleiben. Die Menge des Schilddrüsenhormons, das sogenannte Gesamtthyroxin T4, kann mittels einer Blutuntersuchung bestimmt werden. Ist es erhöht, ist dies ein sicherer Hinweis auf eine Überfunktion der Schilddrüse. Da es sich bei der Schilddrüsenüberfunktion um die häufigste Hormonstörung älterer Katzen handelt und es wichtig ist, möglichst früh mit der Behandlung zu beginnen, sollte man bei allen Katzen ab dem Alter von acht Jahren zumindest einmal jährlich bei der Vorsorgeuntersuchung den T4-Wert bestimmen lassen – auch bei völlig gesund erscheinenden Samtpfoten. Denn die Erfahrung hat gezeigt, dass bei über 18% der klinisch unauffälligen Katzen der T4-Wert im Blut erhöht ist.

Warum zu viel Schilddrüsenhormon krank macht

Schilddrese_2Zu viel Thyroxin (so heißt das Schilddrüsenhormon) heizt den Stoffwechsel an, was zu Magen-Darm-Problemen mit chronischen Durchfällen führt. Auch erhöhte Leberwerte, Atemprobleme und Herzrasen gehören zum Symptomkreis der Schilddrüsenüberfunktion. Der angeheizte Stoffwechsel verstärkt massiv die Durchblutung. Genau wie beim alten Menschen sind jedoch auch bei der alten Katze die Blutgefäße nicht mehr elastisch, sondern starr und können daher dem erhöhten Blutansturm nicht nachgeben, weshalb der Blutdruck steigt. Es kommt zum gefährlichen Bluthochdruck, der wiederum Herz und Nieren schädigt. Da der Bluthochdruck auch die Netzhaut des Auges schädigt, kann es zum plötzlichen Erblinden kommen. Davon betroffene Katzen schreien in Panik auf und haben weit geöffnete Pupillen. Es ist daher besonders wichtig, bei Katzen mit Schilddrüsenüberfunktion den Blutdruck regelmäßig vom Tierarzt kontrollieren zu lassen. Ein weiterer Hinweis auf Schilddrüsenüberfunktion sind Hitzeunverträglichkeit, Zittern und Muskelschwäche. Das Entstehen der Muskelschwäche wird durch Erbrechen und Durchfall begünstigt, da diese zum Kaliummangel führen. Katzen mit Muskelschwäche zeigen häufig einen typisch nach unten gebogenen Hals.

Unkomplizierte Therapie mit nur einer Tablette täglich

schilddruese_1Neuerdings ist die Therapie der Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen für Tierbesitzer deutlich einfacher geworden, da es jetzt Tabletten gegen diese Erkrankung gibt, die nur mehr einmal täglich verabreicht werden müssen. Die Tabletten sind gut verträglich und völlig geschmacklos, so dass sie auch von heiklen Katzen problemlos mit dem Futter aufgenommen werden. Dieses moderne Medikament normalisiert den erhöhten Blutwert des Schilddrüsenhormons T4 und beseitigt so schnell und sicher die Anzeichen einer Schilddrüsenüberfunktion. Zu Behandlungsbeginn sind regelmäßige Kontrollen im Abstand von zwei bis drei Wochen beim Tierarzt nötig, um die Katze auf die für sie optimale Dosierung einzustellen. Eine lebenslange Behandlung ist erforderlich, weil das Medikament die Schilddrüsenüberfunktion nicht heilt, sondern lediglich die Hormonwerte reguliert. Es handelt sich um eine reversible Therapie, bei der das Medikament in die Schilddrüse eingelagert wird und die Bildung weiterer Schilddrüsenhormone blockiert. Werden die Tabletten abgesetzt, beginnt die Schilddrüse wieder mit der Hormonproduktion. Im Fall, dass während der Tablettenbehandlung ein typisches Symptom der Schilddrüsenüberfunktion wieder auftritt, muss sofort der Tierarzt aufgesucht werden, damit die Dosierung der Tabletten an den jeweiligen Zustand der Katze angepasst werden kann.

Radiojodtherapie nur in Sonderfällen

Es handelt sich dabei um eine innere Bestrahlungstherapie, bei der das injizierte radioaktive Jod über den Blutkreislauf in den Tumor kommt und diesen zerstört. Die Radiojodtherapie hat jedoch einige Nachteile: So müssen die damit behandelten Katzen aus Strahlenschutzgründen fünf bis sechs Tage an der Klinik bleiben und bei fünf bis dreißig Prozent dieser Katzen wird eine Unterfunktion der Schilddrüse bewirkt, die dann wiederum einer eigenen Therapie bedarf. Daher kommt die irreversible Radiojodtherapie vor allem bei solchen Katzen infrage, bei denen eine regelmäßige Tabletteneingabe nicht möglich ist, weil sie entweder nur unregelmäßig nach Hause kommen oder die Tabletteneinnahme vehement verweigern.

Wie sich Niereninsuffizienz und Schilddrüsenüberfunktion im Gleichgewicht halten

Häufig leiden ältere Katzen gleichzeitig an Schilddrüsenüberfunktion und Chronischer Niereninsuffizienz. Interessanterweise beeinflussen sich diese beiden Krankheitsbilder positiv und halten sich im Gleichgewicht. Anders gesagt: Sie verzögern jeweils das Fortschreiten der anderen Krankheit. Dies bedeutet, dass einerseits durch die Schilddrüsenüberfunktion die Nierenwerte im tieferen Bereich gehalten werden und umgekehrt die Nierenerkrankung den Schilddrüsenwert T4 nicht weiter ansteigen lässt. Dieser Umstand muss bei der Therapie der Schilddrüsenüberfunktion berücksichtigt werden, da andernfalls die Nierenwerte explodieren könnten. Wird beim Ansteigen der Nierenwerte die Schilddrüsentherapie nicht abgeschwächt, kommt es zum Nierenversagen. Daher ist bei Katzen, die neben der Schilddrüsenüberfunktion auch noch an einer Nierenerkrankung leiden, der reversiblen Therapie mit Tabletten gegenüber der Radiojodtherapie der Vorzug zu geben, da bei Tabletten die Möglichkeit besteht, mit der Dosierung auf eine Änderung der Nierenwerte zu reagieren. Regelmäßige Blutuntersuchungen sind auch aus diesem Grund unverzichtbar.

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