Kurzsichtig oder weitsichtig?

Messung auch bei Hunden möglich

Obwohl Fehlsichtigkeit bei Hunden nur eine untergeordnete Rolle spielt – der Großteil ist normalsichtig – kommen Kurz- oder Weitsichtigkeit doch immer wieder auch bei unseren Vierbeinern vor. Im Allgemeinen sind Hunde dann eher kurzsichtig (ca. -0,3 D), wobei im Gegensatz zum Menschen die Fehlsichtigkeit beim Hund sehr gering ausfällt. Dennoch kann die Kurzsichtigkeit im Alter zunehmen, und es hängt auch davon ab, ob ein Hund eher im Freien oder in einer Wohnung gehalten wird – Wohnungshunde neigen eher dazu. Zusätzlich bestehen auch Rasseunterschiede. Zum Beispiel sind Deutsche Schäferhunde, Rottweiler, Collies und Pudel generell kurzsichtig. Wobei die Kurzsichtigkeit gerade bei Schäferhunden und Rottweilern so stark ausgeprägt sein kann, dass zu überlegen wäre, Diensthund-Anwärter vor der aufwendigen Ausbildung auf ihre Sehkraft zu testen. Hingegen neigen der Alaskan Malamute und der Australien Shepherd eher zur Weitsichtigkeit.

Tatsache ist, dass Hunde Objekte in Bewegung sehr viel besser wahrnehmen können als starre Objekte. Diese Eigenschaft machen sich Beutetiere zu Nutze. Wenn zum Beispiel ein Reh einen Hund in der Ferne vernimmt, bleibt es sofort wie angewurzelt stehen, weil es somit vom Hund viel schwerer gesehen werden kann. Sobald es die Flucht ergreift, kann der Hund es viel besser wahrnehmen und die Verfolgung aufnehmen. Bezüglich des Farbsehens ist zu bedenken, dass Hunde nur rote und blaue Farbnuancen wahrnehmen können.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Fehlsichtigkeit bei Hunden eine wesentlich geringere Rolle spielt als beim Menschen, aber es sollte nicht vergessen werden, dass die Wahrnehmung von Farben und Bewegung eine andere ist als bei uns Zweibeinern. Und Hunde haben uns gegenüber einen großen Vorteil: Sie können visuelle Defizite hervorragend durch Geruch- und
Gehörsinn kompensieren.

Sehtest mittels Retinoskopie

Sehtests gestalten sich bei unseren vierbeinigen Begleitern schwieriger als in der Humanmedizin, da der Hund die Buchstaben und Zahlen nicht von der Tafel ablesen kann, also keine subjektiven Angaben möglich sind. Aber die Retinoskopie – ein Verfahren zur Messung der Brechkraft des Auges, das auch bei Kleinkindern angewendet wird – bietet auch beim Hund die Möglichkeit, eine Fehlsichtigkeit zu diagnostizieren. Obwohl dieses Verfahren nicht jeder niedergelassene Tierarzt bieten kann, gibt es doch schon viele Tierkliniken oder Gemeinschaftspraxen mit Fachtierärzten für Augenheilkunde, die Sehtests für Hunde mittels Retinoskopie anbieten.