Katzen-Kindergarten

… und man kann sie doch erziehen!

Mit Hundewelpen ist es inzwischen selbstverständlich geworden eine Welpen-Spielgruppe und einen Junghunde-Erziehungskurs zu besuchen. Die Anfänge des Katzen-Kindergartens gehen auf die australische Verhaltensmedizinerin Kersti Seksel zurück. Sie hat bereits vor einigen Jahren begonnen, in ihrer Praxis Kurse für Kitten ähnlich wie für Welpen abzuhalten. Denn junge Katzen fallen erziehungstechnisch immer noch durch den Rost, weil „Katzen kann man ja nicht erziehen“.
Dabei lernen Jungkatzen ausgesprochen schnell und gerne – nur die Technik muss dabei stimmen, denn durch Schimpfen und Strafen lassen sich Katzen tatsächlich nicht erziehen. Und man muss früh genug mit der Erziehung beginnen, also am besten ab der achten bis zwölften Lebenswoche. Doch auch davor finden schon Lernen und Erziehung statt! Gesunde Katzenmütter erziehen ihren Nachwuchs sehr gründlich. Und erst durch den freundlichen innigen Kontakt mit Menschen zwischen der zweiten und siebenten Woche wird ein Kitten sozialisiert, so dass es sich zum späteren Lebensgefährten für uns Menschen entwickelt. Die Ansprüche an das Zusammenleben mit einer Katze werden – vor allem in der Wohnung – immer größer, während gleichzeitig die Freiheiten der Katze immer weniger werden. Denn Katzen werden als einfache Haustiere für die reine Wohnungshaltung angesehen, die tagsüber gut alleine bleiben können und auch ansonsten eher anspruchslos sind …
Was wäre aber, wenn wir Katzen all die Jahre einfach nur unterschätzt haben und es an der fehlenden Erziehung und Frühförderung liegt, dass sie angeblich „nicht erziehbar“ sind?

Was Katzen alles lernen sollen

Erziehung nur auf das Einhalten von Verboten – nicht auf den Tisch oder die Küchenanrichte – zu reduzieren, wäre tatsächlich etwas zu kurz gegriffen. Die Frühförderung einer Katze bedeutet viel mehr als das: Es geht um sogenannte Life Skills, Kompetenzen, die das enge Zusammenleben mit dem Menschen leichter machen.
Dazu gehören zum Beispiel alle einfachen Pflege-Maßnahmen wie Kämmen, Zähneputzen oder das legendär schwierige Eingeben von Tabletten. Aber auch das Hochheben, problemloses Einsteigen in die Transportbox, Kommen auf Ruf oder Pfiff und das Tragen von Brustgeschirr und Leine gehören dazu.

Die allerwichtigste Fähigkeit, um die es für Kitten im Kindergarten geht, ist aber: lernen lernen! Katzen sind keine ausgesprochenen Teamplayer, und damit das Zusammenleben gut funktioniert, müssen Kitten lernen, dass Menschen wichtige Informationen für sie haben und dass es sich auszahlt zu kooperieren.
Auch Tierarztbesuche gehören zu den Dingen, die Jungkatzen möglichst frühzeitig und in entspannter Atmosphäre lernen sollten – denn je mehr positive Erfahrungen sie mit Routineuntersuchungen sammeln, desto weniger Stress hat die erwachsene Katze.

Rahmenbedingungen
fürs Bravsein schaffen

Einer der Gründe, warum Katzen so oft als unerziehbar angesehen werden, ist der mangelnde Erfolg von Verboten: Sie entziehen sich und machen es trotzdem – wenn niemand sie sieht.

Ein erster leichter Einstieg in die Erziehung ist daher das Lernen für den Besitzer: Was sind katzentypische Verhaltensweisen und Bedürfnisse? Beides kann durch Erziehung nicht einfach abgestellt oder beseitigt werden, sondern nur in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Zum Beispiel lernen Kitten an den richtigen Stellen zu kratzen, wenn sie schon von Anfang an attraktive Angebote bekommen und für die Benützung regelmäßig belohnt werden. Auch Probleme mit Unsauberkeit lassen sich durch katzengerechte Katzentoiletten sehr leicht vermeiden.

Auch das so unerwünschte Springen auf Tisch und Küchenanrichte hat normales Verhalten als Hintergrund: Junge Katzen klettern gerne, sie sind fast immer hungrig und ausgesprochen neugierig. Wenn es verspricht spannend oder lecker zu sein, lassen sich aktive Jungkatzen auch mit vielen Verboten kaum davon abhalten, es immer wieder aufs Neue zu probieren.

Erziehung bedeutet, zunächst die Fütterungsstrategie an die Bedürfnisse der Katze anzupassen – nämlich sehr viele, sehr kleine Portionen, die zeitaufwendig zum Beispiel in einem Fummelbrett oder Foodpuzzle erarbeitet werden müssen. Wird die Katze zusätzlich immer wieder an den richtigen – erlaubten – Plätzen mit dem belohnt, was sie sich auf dem Tisch oder der Küchenanrichte erhofft, zieht man das Interesse der Jungkatze ganz leicht an diese erwünschten Plätze.

Denn: Erziehen kommt von ziehen und nicht von drücken!

Was und wie Katzen lernen

Jungkatzen lernen am leichtesten im Spiel oder mit Leckerbissen. Ein lustiges und einfaches Lernspiel ist die Startbox. Die Idee zu diesem Spiel kommt aus dem Pferde- und Hunderennsport, wo die Tiere lernen müssen, vor dem Start die Enge der Box zu akzeptieren, um dann losrennen zu dürfen.
Eine Jungkatze setzt man einfach in die Transportbox – die im Übrigen immer im Wohnraum der Katze stehen sollte – versperrt die Öffnung mit der Hand oder Tür für eine Sekunde und lässt sie unmittelbar in ein vorbereitetes Spiel, zum Beispiel mit dem Federbüschel, starten. Schon nach wenigen Wiederholungen steigt eine Jungkatze vorfreudig freiwillig ein, dreht sich um und wartet auf den Start.
Ganz wichtig für das Üben mit Katzen: Es muss abwechslungsreich und lecker, spannend und immer freundlich sein. n

Dipl. Tierärztin Sabine Schroll
Praxis für Katzenmedizin
Verhaltensmedizin für Hund und Katze
www.schroll.at

 

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