Herzkrankheiten bei kleinen Heimtieren

Untersuchung und Therapie
gleich wie bei Hund und Katze

Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster & Co wurden bis vor wenigen Jahren noch hauptsächlich als erste tierische Gefährten für Kinder gekauft und leider häufig wie Spielzeug behandelt. Heutzutage sind sie jedoch in den Rang von Familienmitgliedern aufgestiegen. Auch viele berufstätige Erwachsene, für die aus Zeitgründen die Haltung eines Hundes oder einer Katze nicht möglich ist, haben erkannt, wie viel Freude diese possierlichen Hausgenossen schenken. Kein Wunder, dass der Wunsch besteht, den kleinen, vierbeinigen Gefährten ein möglichst langes Leben bei guter Lebensqualität zu ermöglichen. Aber leider streikt auch bei kleinen Heimtieren manchmal das Herz, wodurch die Lebensqualität gravierend eingeschränkt wird. Tierärztliche Hilfe ist dann vonnöten.

Herz bei Haustieren gleich gebaut

Herzkrankheiten bei kleinen Heimtieren kann man genauso diagnostizieren wie bei Hund und Katze, da das Herz bei allen diesen Tierarten prinzipiell gleich gebaut ist. Jedoch stellt die Untersuchung dieser kleinen Individuen an den Tierarzt noch höhere Anforderungen, weil diese Tierchen meist unruhiger sind und noch dazu eine extrem hohe Herzfrequenz, also extrem viele Herzschläge pro Minute, haben.

Anzahl der Herzschläge pro Minute

Chinchilla: 150 • Meerschweinchen: 200 • Kaninchen: 220
Frettchen: bis 400 • Goldhamster: bis 412 • Ratte: bis 450
Maus: bis 600

An Herzerkrankungen leiden am häufigsten Meerschweinchen, Kaninchen, Frettchen, Chinchillas und auch afrikanische Weißbauchigel. Aber auch Mäuse, Ratten und Hamster können herzkrank sein.

Kein Unterschied zu Hund und Katze

Kleine Heimtiere unterscheiden sich in Bezug auf Herzkrankheiten nicht von Hund und Katze. Dies gilt sowohl für die angeborenen Herzkrankheiten wie auch für die erworbenen.

● So findet man zum Beispiel beim Frettchen häufig eine angeborene Herzerweiterung, bei der sich der Herzmuskel zusehends verdünnt, wodurch die Pumpkraft des Herzens abnimmt. Diese Herzmuskelschwäche zeigt sich in der Regel erst ab dem mittleren Lebensalter. Ist die Krankheit in einem fortgeschrittenem Stadium, fallen den Tierbesitzern Beschwerden in Form von Kurzatmigkeit, offenem Fang, Apathie und Appetitlosigkeit auf. Daneben können beim Frettchen aber auch öfters Veränderungen an den Herzklappen gefunden werden.

● Bei Meerschweinchen und Kaninchen tritt hin und wieder ein angeborenes Loch in der Herzscheidewand auf. Wie schnell dabei Beschwerden auftreten hängt von der Größe des Lochs ab. Meist werden die betroffenen Tierchen im Alter von ein bis zwei Jahren deswegen zum Tierarzt gebracht. Glücklicherweise sind diese Defekte meist sehr klein, so dass sie die Lebenserwartung kaum beeinflussen.

● Viel häufiger als angeborene Herzkrankheiten sind bei Kaninchen und Meerschweinchen jedoch die im Lauf des Lebens erworbenen wie die degenerativen Veränderungen der Herzklappen zwischen Vorhof und Herzkammer. Genau wie bei Hund und Katze kommt es dadurch zur Schlussunfähigkeit der Klappen und zum Rückstau des Blutes entweder in den Körper oder in die Lunge. Auch hier fällt dem Tierhalter auf, dass der kleine Liebling nicht mehr fressen will, inaktiv ist, sich versteckt und schnell mit offenem Mäulchen atmet.

Untersuchung des Herzens

Zuerst erfolgt die klinische Untersuchung des Allgemeinzustands, dann folgt das Abhören von Herz und Lunge. Die weiterführenden Untersuchungen beinhalten EKG und Herzultraschall. Es werden dabei die gleichen Geräte wie für Hund und Katze verwendet. Auf die Röntgenuntersuchung von Herz und Lunge wird oft verzichtet, da diese für die kleinen Patienten ein Risiko darstellt: In Seitenlage wird nämlich die Atemnot verstärkt, was zu lebensgefährlichen Zuständen führen kann. Im Gegensatz dazu kann die Ultraschalluntersuchung des Herzens in jeder Körperposition erfolgen, ist also für das Tier weniger stressig.
Für die genannten Untersuchungen müssen die Tierchen nicht sediert werden. Die Anwesenheit des Tierhalters kann die Untersuchung erleichtern, wenn dieser seinen kleinen Vierbeiner mit Leckerbissen ablenkt. So sollten Besitzer von Frettchen Vitaminpaste dabeihaben, für Kaninchen empfiehlt sich die Mitnahme von Joghurtdrops oder Karotten. Bei manchen Tieren muss man während der Untersuchung auch zu Tricks greifen: Um zum Beispiel beim Weißbauchigel den Herzultraschall durchführen zu können, muss der stachelige Geselle in den Handstand gestellt werden, damit er sich nicht einrollen kann.

Medikamente in flüssiger
Form bevorzugt

Zur Therapie von Herzkrankheiten kleiner Heimtiere werden dieselben Medikamente wie für Hund und Katze eingesetzt: Je nach Krankheitsbild Digitalis-Präparate, ACE-Hemmer und Lasix. Praktisch zum Eingeben sind Medikamente in flüssiger Form.
Arzneimittel, die es nur in Form von Kapseln oder Tabletten gibt, sind so gut wie fast immer zu stark für kleine Heimtiere und müssen in der Apotheke in schwächere Kapseln umformuliert werden.