Herzerkrankungen beim Meerschweinchen

Herzerkrankungen-bei-MeerschweinchenNicht nur der Stellenwert von Meerschweinchen ist im letzten Jahrzehnt um ein Vielfaches gestiegen, sondern auch das Wissen über die Haltung, Ernährung und Krankheiten dieser possierlichen Tierchen ist deutlich mehr geworden. So weiß man heute, dass Meerschweinchen gleich häufig an Krankheiten des Herzens leiden wie Hund und Katze. Da Herzleiden die Lebensqualität dieser kleinen Nagetiere erheblich einschränken, ist es wichtig, bei der jährlichen Vorsorgeuntersuchung auch beim Meerschweinchen das Herz miteinzubeziehen.

Unterscheiden zwischen angeborenen und erworbenen Herzkrankheiten

Hin und wieder kommen Meerschweinchen mit einem Loch in der Herzscheidewand zur Welt. Wie schnell dabei Beschwerden auftreten, hängt von der Größe des Lochs ab. Meist werden die betroffenen Tierchen erst im Alter von ein bis zwei Jahren deswegen zur Untersuchung gebracht. Glücklicherweise sind diese Löcher meist sehr klein, so dass sie die Lebenserwartung kaum beeinflussen. Viel häufiger als angeborene Herzkrankheiten sind beim Meerschweinchen jedoch die im Lauf des Lebens erworbenen, wie zum Beispiel die degenerativen Veränderungen der Herzklappen zwischen Vorhof und Herzkammer. Es kommt dadurch zur Schlussunfähigkeit der Klappen und zum Rückstau des Blutes in die Lunge oder in den Körper. Dem Tierhalter fällt auf, dass das Meerschweinchen inaktiv ist, sich versteckt, schnell und mit offenem Mäulchen atmet und nicht mehr fressen will.

Untersuchung mit EKG und Herzultraschall

Nach der klinischen Untersuchung des Allgemeinzustandes und dem Abhören von Herz und Lunge folgen als weitere Untersuchungen Elektrokardiogramm (EKG) und Herzultraschall. Auf eine Röntgenaufnahme des Herzens wird beim Meerschweinchen häufig verzichtet, da die dafür notwendige Seitenlage des kleinen Patienten dessen Atemnot noch verstärken und zu einem lebensgefährlichen Zustand führen könnte. Im Gegensatz dazu kann die Ultraschalluntersuchung des Herzens in jeder Körperposition erfolgen und verursacht dem Tier weniger Stress. Für die Untersuchungen müssen die Meerschweinchen nicht sediert werden. Es ist empfehlenswert, dass der Tierhalter bei den Untersuchungen dabei ist und den kleinen Patienten eventuell mit Leckerbissen ablenkt.

Medikamente gleich wie bei herzkranken Hunden und Katzen

Speziell für die Behandlung herzkranker Meerschweinchen entwickelte Medikamente gibt es nicht, man greift daher auf die für Hund und Katze entwickelten Präparate zurück. Je nach Krankheitsbild werden Digitalispräparate, ACE-Hemmer und Lasix verwendet. Vorzugsweise werden für Meerschweinchen Medikamente in flüssiger Form verwendet, da sie nicht nur praktischer zum Eingeben, sondern bei diesen kleinen Tieren auch leichter zu Dosieren sind. Für Hund und Katze gedachte Kapseln oder Tabletten sind für Meerschweinchen fast immer zu stark und müssen in der Apotheke zuerst in schwächere Kapseln umformuliert werden. Da die meisten Apotheken zur Umformulierung Milchzucker verwenden, werden die Kapseln dann von den Meerschweinchen gerne angenommen. Die Prognose für den Krankheitsverlauf ist dann gut, wenn die Tierchen innerhalb von ein bis zwei Wochen auf die Therapie ansprechen.