Das Huhn im Recht – Gesetzliche Grundlagen

So erklärt Dr.in Ruth Jily, Veterinärdirektorin der Stadt Wien (Magistratsabteilung 60 – Veterinärdienste und Tierschutz):
„Auch Hobby-Hühnerhalter müssen die gesetzlichen Bestimmungen für die Geflügelhaltung einhalten. Bei der Haltung von Huhn und Co sind Vorgaben des Tierschutzgesetzes, des Tierseuchengesetzes und diverser Landesgesetze zur Tierhaltung zu beachten.
Nach den Bestimmungen des Tierschutzgesetzes müssen für die Betreuung von Geflügel Betreuungspersonen vorhanden sein, die über die erforderlichen Kenntnisse und Eignung verfügen. Diese Fähigkeiten können im Rahmen der schulischen oder beruflichen Ausbildung erworben worden sein oder aus dem Werdegang ersichtlich sein. Letzteres ist beispielsweise der Fall, wenn man auf einem Bauernhof mit Nutztierhaltung aufgewachsen ist. Wer keine derartigen Kenntnisse nachweisen kann, ist verpflichtet, vor der Aufnahme der Geflügelhaltung eine außerschulisch-praktische Ausbildung zu absolvieren. Fragen Sie diesbezüglich bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft nach.
In den Anlagen der 1. Tierhaltungsverordnung sind die Mindestanforderungen betreffend Stallgebäude, Stallklima, Ernährung, Betreuung und Auslauf für die Haltung von Geflügel beschrieben. Die Hühner sind so zu halten, dass Menschen nicht gefährdet werden. Darüber hinaus dürfen Nachbarn nicht unzumutbar belästigt werden – wie zum Beispiel durch das Krähen eines Hahns früh am Morgen. Und selbstverständlich darf auch fremdes Eigentum durch die Tiere nicht beschädigt werden. Es muss daher Vorsorge getroffen werden, dass die Hühner den eigenen Garten nicht verlassen können.
HalterInnen von Geflügel sind verpflichtet, die Aufnahme der Haltung innerhalb von sieben Tagen bei der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde bzw. beim Magistrat zu melden. Jeder Tierhalter ist außerdem verpflichtet, den Verdacht auf Vorliegen einer anzeigepflichtigen Tierseuche bei der Behörde zu melden!
Informationen zu den Landesgesetzen finden Sie im Internet, bei Ihrer zuständigen Bezirkshauptmannschaft oder Ihrem Magistrat.“
Amtstierarzt Dr. Alois Horner (MA 59 – Marktservice und Lebensmittelsicherheit) informiert über die lebensmittelrechtliche Situation:
„Da Geflügelerzeugnisse eine der Hauptquellen für die Infektion von Menschen mit Salmonellen sind, gibt es nach EU-Vorgaben ein nationales Bekämpfungsprogramm, das grundsätzlich die gesamte Lebensmittelkette vom Geflügelhalter bis zum Verbraucher umfasst. Für Hobby-Geflügelhalter, die nur über sehr kleine Bestände verfügen, sind die allgemeinen Anforderungen dieses Bekämpfungsprogrammes nicht verpflichtend. Die österreichische Verordnung über Gesundheitskontrollen und Hygienemaßnahmen in Geflügel-Betrieben gilt nicht für die Haltung von weniger als 350 Tieren.
Sobald ein Geflügelhalter jedoch Eier an Dritte abgibt – gleichgültig ob entgeltlich oder unentgeltlich – bringt er Lebensmittel in Verkehr und ist damit auch für die Einhaltung der lebensmittelrechtlichen Vorschriften und für die Lebensmittelsicherheit der abgegebenen Produkte verantwortlich.
Lebensmittelrechtliche Vorschriften für die direkte Abgabe kleiner Mengen von Eiern finden sich in der österreichischen Lebensmittelhygiene-Direktvermarktungsverordnung.
Demnach müssen die Erzeugnisse bis zur Abgabe vor Verunreinigung und Sonneneinstrahlung geschützt und bei konstanter Temperatur in sauberen Behältnissen aufbewahrt werden. Zudem dürfen Eier nur binnen 21 Tagen nach dem Legen abgegeben werden.
Im Hinblick auf die Lebensmittelsicherheit sollten Eier nur mit dem Hinweis abgegeben werden, dass sie vor dem Verzehr durchzuerhitzen sind, insbesondere, da aufgrund fehlender Untersuchungen auf Salmonellen der Gesundheitsstatus einer Hobbyherde normalerweise nicht bekannt ist.
Die in der Verordnung für Vermarktungsnormen geregelten Vorschriften für die Kennzeichnung von Eiern kommen bei der unmittelbaren Abgabe von Eiern an Endverbraucher durch einen Hobby-Geflügelhalter nicht zur Anwendung.“