Damit Katzen sich in ihrer Haut wohlfühlen

Damit Katzen sich in ihrer Haut wohlfühlenDie Haut ist das Organ mit der größten Ausdehnung – 0,3 Quadratmeter bei einer Katze mit durchschnittlich fünf Kilogramm. Ihre Aufgaben sind vielfältig und wichtig für das Überleben. Denn die Haut und ihre Anhangsorgane (Talgdrüsen, Haare usw.) bilden die erste starke Abwehrfront gegen Erreger, die dem Organismus gefährlich werden können. Für die Konstanterhaltung der Körpertemperatur sorgen das Fell und das unter der Haut liegende Fettgewebe sowie die reiche Blutversorgung der Haut. Durch das Benetzen des Fells mit Speichel können Katzen eine Abkühlung des Körpers bewirken. Die Haut ist auch ein wichtiges Speicherorgan: Wasser und Elektrolyte werden in Haut und Unterhaut gespeichert. Fette und Vitamine sammeln sich im noch tiefer liegenden Fettgewebe an. Hautanhangsgebilde wie Haare und Krallen werden von der Haut ebenso produziert wie die Drüsensekrete Talg und Schweiß. Empfindungen wie Schmerz, Juckreiz, Wärme, Kälte, Druck und Berührung werden über die Haare und die Haut wahrgenommen. Die Haut hat aber auch soziale Aufgaben. So erscheint das Körper pro l durch das Sträuben der Haare größer und wirkt auf Gegner abschreckend. Durch die Sekrete der Anal- und Zirkumanaldrüsen (diese liegen rund um den After) wird das Territorium markiert. Bei Katzen übernehmen auch Drüsen, die rund ums Maul liegen, diese Aufgabe und ermöglichen ein Wiedererkennen von Individuen.

Die Katze als Hautpatient

Menschen, die eng mit ihren Samtpfoten zusammenleben, übersehen nur selten Veränderungen des
Haarkleides ihrer Katze. Wenn das
Fell spröde wird, die Haare brüchig
und glanzlos, wenn sich kahle Stellen bilden oder es zu sehr starkem
Haarausfall kommt, sind das ernst zu nehmende Anzeichen und eine tierärztliche Untersuchung ist anzuraten. Werden diese ersten Krankheitszeichen jedoch ignoriert, verändert sich die Haut rasch und weist Rötungen, Schuppen, Verdickungen, Knötchen, manchmal offene Stellen oder sogar Blutungen und eitrige Entzündungen auf. Quälender Juckreiz, vermehrtes Kratzen und Belecken der entsprechenden Körperstellen sind die Folge. Damit der Tierarzt eine Diagnose stellen kann, ist es wichtig, dass er alles erfährt, was Ihnen zuhause aufgefallen ist – optimalerweise haben Sie sich die Einzelheiten notiert. Zum Beispiel wann das Problem aufgetreten ist, welche Veränderung zuerst sichtbar wurde und was sich zu diesem Zeitpunkt in der Katzenumwelt verändert hat.

Stress belastet die Haut

Katzen hassen Veränderungen! Alle Abweichungen vom gewohnten Alltag, wie Umzug, Umbau, Partnerwechsel, Futterwechsel, Familienzuwachs, Tierzuwachs, plötzlicher Freilauf oder kein Frei gang mehr, stressen Ihr Tier. Das Immunsystem reagiert mit und wird geschwächt. Aus Stress beginnen sich die Tiere zu lecken, bevorzugt am Unterbauch, im schlimmsten Fall rupfen sie sich selbst die Haare aus und lecken sich kahl und blutig. Katzen, die sich gestresst fühlen, bekommen auch viel leichter eine Pilz- oder Milben-Erkrankung.

Parasiten gefährden Freigänger

Katzen mit Freigang bringen häufig Parasiten, die gefährliche Krankheiten übertragen können, mit nach Hause. Die Untersuchung auf Zecken und Flöhe können sie selbst durchführen: Auf dem Tier gefundene Zecken ziehen Sie mit einer Pinzette ruckartig heraus. Verwenden Sie weder Öle noch Alkohol, denn Zecken verbeißen sich bei deren Anwendung noch tiefer in die Haut, weil sie zu ersticken drohen. Flöhe verursachen häufig eine starke Flohspeichel-Allergie, die mit heftigem Juckreiz einhergeht. Das dadurch ausgelöste Kratzen kann zu massiven Hautschäden führen. Und nur weil Sie keine Flöhe sehen, heißt das noch lange nicht, dass die Katze keine Flöhe hat! Hüpfende Flöhe sieht man erst, wenn ein massiver Flohbefall vorliegt, aber Flohkot findet man schon bei einem einzigen Floh. Um den Flohkot zu finden, bürstet man die Katze besonders am hinteren Rücken und Schwanzansatz kräftig über einem weißen Papier aus. Wenn kleine schwarze Pünktchen aus dem Fell fallen, benetzt man diese mit Wasser. Bildet sich ein grauer Ring um den Punkt, ist es Russ oder Staub, ein rötlicher Ring beweist das Vorliegen von Flohkot.

Irritation der Haut durch erkrankte innere Organe

Eine Katze, die plötzlich abnimmt oder zunimmt, mehr trinkt, mehr uriniert, unlustig frisst oder zu Heißhunger neigt, mit Durchfall oder Verstopfung kämpft, könnte eine Erkrankung der inneren Organe entwickeln. Erkrankungen des Verdauungstrakts, der Leber und der Nieren können dermatologische Probleme hervorrufen. Hormonelle Störungen durch Über- oder Unterfunktion verschiedener Drüsen (z. B. Schilddrüse), aber auch Geschlechtshormone (Eierstockzysten bei der weiblichen Katze) lösen entsprechende Symptome aus.

Ernährung und Haut

Für ein schönes, gesundes, glänzendes Fell ist eine ausgewogene Ernährung mit genügend Eiweiß, allen Vitaminen, Ölen und Taurin Voraussetzung. Leider entwickeln
immer mehr Katzen im Laufe ihres Lebens eine Futtermittelallergie oder eine Futtermittelintoleranz. Betroffene
Tiere reagieren dabei auf spezifische Bestandteile in der Nahrung und zeigen dann Krankheitssymptome, wie
starken Juckreiz oder auch Durchfall. Nur bei einem sehr geringen Prozentsatz aller Katzen lassen sich tatsächlich allergische Reaktionen – also eine Beteiligung des Immunsystems – nachweisen. Nur in diesem Fall spricht man von
einer Futtermittelallergie. In der Regel sind bestimmte Eiweißquellen in der Nahrung Auslöser der Allergie. Viel
häufiger kommen jedoch Futtermittelintoleranzen vor.
Typisch dafür ist, dass Erscheinungen wie Juckreiz oder Durchfall wieder abklingen, sobald die entsprechenden Futterbestandteile gemieden werden. Da eine derartige Überempfindlichkeit aber lebenslang bestehen bleibt, muss der verursachende Futterbestandteil zeitlebens gemieden werden.

Welche Untersuchungen zur Diagnose führen

Je mehr Beobachtungen Sie Ihrem Tierarzt mitteilen können, umso schneller und auch preisgünstiger wird die Diagnostik. Blutuntersuchungen, Untersuchungen auf Pilzbefall, bakteriologische Untersuchungen, Hormonstatusbestimmung und zytologische Untersuchung eines Hautgeschabsels bilden den Beginn der Diagnostik. Wenn trotz dieser Untersuchungen keine Diagnose möglich ist, müssen die Katzen sediert werden, damit operativ mehrere Gewebeproben entnommen werden können, die pathohistologisch untersucht werden. Bei Allergieverdacht zeigen Intracutan-Tests eine Reaktion auf Allergene an. Dazu werden verschiedene Allergene in die Haut injiziert. Es bilden sich kleine Bläschen (Quaddeln), und die Größe und Verfärbung dieser Quaddeln zeigen die Stärke der Allergie an.

Langwierige Therapie

Die Behandlung einer Hauterkrankung bei Ihrer Katze verlangt vor allem Geduld und Konsequenz. Vertrauen Sie Ihrem Tierarzt, auch wenn er Ihnen zu sehr langwierigen Therapien rät. Antibiotische Behandlungen können sich über mehrere Wochen ausdehnen, während Sie die Haut Ihrer Katze unterstützend mit Bädern, Tinkturen, Lotionen und Sprays pflegen müssen. Parasitenschutz muss ständig auf seine Wirksamkeit überprüft werden, Pilzmittel verlangen nach einem konsequenten Einsatz. Allergien werden mit Desensibilisierung und Medikamenten in Schach gehalten, psychische Probleme können durch Analysen und Tipps von „Katzenpsychiatern“, Endorphinverdampfern (diese verteilen „Wohlfühlhormone“ in der Raumluft) und mit beim Tierarzt erhältlichem, ausgleichendem Trockenfutter oder Futterzusätzen behandelt werden – der Behandlungserfolg zeigt sich aber oft erst nach Wochen.
Allergien und Futtermittel-Intoleranzen werden mit medizinischen Diäten behandelt. Dafür eignen sich hypoallergene, hydrolisierte Diäten, bei denen das Eiweiß in so kleine Moleküle gespalten wurde, dass es vom Körper nicht mehr als allergieauslösender Stoff erkannt werden kann. Hypoallergene Diäten müssen lebenslang verabreicht werden.