Chronischer Durchfall bei Katzen

Chronischer Durchfall bei Katzen - Genaue Diagnose ist wichtigIst der Vierbeiner erkrankt, leidet auch der Mensch. Da macht auch ein häufig auftretendes Problem bei Katzen keine Ausnahme: chronischer Durchfall ist nicht nur für die betroffene Katze unangenehm, sondern stellt auch für ihre Menschen eine Belastung dar. Katzen aller Altersstufen können von dieser Erkrankung betroffen sein. Zeigt der betroffene vierbeinige Patient länger als zwei bis drei Wochen entsprechende Symptome, muss von einem chronischen Durchfall ausgegangen werden, und spätestens jetzt ist unbedingt tierärztliche Hilfe notwendig, um das Problem in den Griff zu bekommen und Langzeitschäden des Darms zu verhindern. Wie bei jeder chronischen Erkrankung ist auch hier eine systematische Abklärung einer Vielzahl möglicher Ursache besonders wichtig, um einen schnellen Therapieerfolg im Sinne des Patienten zu erreichen.

Parasiten als mögliche Ursache

Eine der Hauptursachen für chronischen Durchfall bei Katzen sind Parasiten, insbesondere bei Babys und Jungkatzen. Verschiedenste Wurmarten wie Rund-, Spul-, Haken- oder Bandwürmer können hier ebenso ursächlich beteiligt sein wie Einzeller, beispielsweise Giardien oder Tritrichomonas foetus. Letztere treten häufig bei Jungtieren auf, die aus Mehrkatzenheimen kommen, und stellen hohe Anforderungen an eine genaue Diagnostik und Therapie. Auch wenn frische Kotproben bzw. Sammelkotproben über drei Tage analysiert werden, gelingt der Nachweis nicht immer. Die Therapie richtet sich nach der Parasitenart und wird dann als einmalige Medikamentengabe oder auch als Kur über mehrere Tage verabreicht. Selbst wenn keine Parasiten nachgewiesen werden konnten, der Durchfall aber bereits sehr lange besteht, kommt standardmäßig eine Parasitenkur über fünf bis sechs Tage zum Einsatz, um diese mögliche Ursache sicher ausschalten zu können. Darüber hinaus muss die betroffene Katze gründlich auf Flöhe untersucht werden, denn Flöhe dienen als Zwischenwirt für den Bandwurm. Beim Putzen schluckt die Katze die Flöhe, und ein Bandwurmbefall lässt dann zumeist nicht mehr lange auf sich warten.

Mögliche Futtermittelallergie

In Zusammenhang mit möglichen Futtermittelunverträglichkeiten ist die Umstellung auf eine diätetische Ernährung, zumindest auf eine tierärztliche Schonkost, essentiell. Auch eine Futtermittelallergie kann die Ursache für chronischen Durchfall sein. Häufig sind Juckreiz und entsprechende Hautprobleme insbesondere im Hals- und Kopfbereich zusätzliche Symptome dieser Problematik. Die Frage, welcher Bestandteil des Futters eine Allergie auslöst, lässt sich nicht unmittelbar beantworten, und auch diagnostische Testverfahren sind in Bezug auf diese Fragestellung nicht immer zuverlässig. Ideal ist daher eine diagnostische Therapie in Form einer allergenfreien Diät über vier bis acht Wochen hinweg. Eine derartige Ausschlussdiät ist nicht immer einfach durchzuführen: Das Diätfutter muss sorgfältig ausgesucht werden, und die Ernährungsumstellung sollte nur mit ärztlicher Unterstützung durchgeführt werden, um wirklich erfolgreich zu sein.

Erkrankungen des Darms

Weitere Ursachen für chronischen Durchfall können Erkrankungen des Darms selbst sein, beispielsweise entzündliche Veränderungen (IBD – inflammatory bowl disease) oder Darmtumore, die sich in der weiteren Diagnostik häufig als Lymphome herausstellen. Eine sorgfältige Ultraschalluntersuchung des Bauches ist hier die erste diagnostische Maßnahme. Manchmal sind darüber hinaus auch Probenentnahmen des veränderten Darmgewebes notwendig, um eine genaue Diagnose stellen und eine entsprechende konkrete Therapie durchführen zu können. Entzündliche Darmerkrankungen wie IBD benötigen eine medikamentöse Therapie mit entzündungshemmenden Medikamenten, am Beginn der Therapie wird oft Cortison eingesetzt. Der Wirkstoff Maropitant wird in den USA bereits seit längerem erfolgreich bei IBD eingesetzt und zeigt auch bei unseren Katzenpatienten sehr gute Erfolge. Selbst Patienten, die bereits länger als ein Jahr unter chronischem Durchfall litten, konnten mit einer diätetischen und medikamentösen Kombinationstherapie erfolgreich behandelt werden. Und auch wenn die Diagnose „Darmkrebs“ zunächst erschreckend klingt, können gerade von Lymphomen betroffene Katzen erfolgreich therapiert werden und so noch lange ein zufriedenes und normales Leben führen.

Umfassende Blutuntersuchung notwendig

Darüber hinaus können eine Schilddrüsenüberfunktion, Probleme der Bauchspeicheldrüse oder eine Unterversorgung mit dem Vitamin B12 ursächlich an dem chronischen Krankheitsgeschehen der Katze beteiligt sein. Eine umfassende Blutuntersuchung im Labor, die neben einem Blutbild Nieren-, Leber- und Bauchspeicheldrüsenparameter, Proteinfraktionen, Elektrolyte, Vitamin B12 und Folat sowie bei älteren Katzen auch das Schilddrüsenhormon T4 umfassen sollte, gibt hier wertvolle Hinweise.

Möglichkeiten einer unterstützenden Therapie

Über die ersten bereits genannten therapeutischen Maßnahmen hinaus können Katzen mit Durchfall auch Prä- und Probiotika bekommen, die zum Beispiel das Darmbakterium Enterococcus enthalten, um die Darmflora zu regulieren. Zwar ließen sich in Studien hierzu keine eindeutigen Erfolge nachweisen, dennoch ist es sicher kein Fehler, diese Präparate unterstützend einzusetzen. Auch die in dem neuen flüssigen Ergänzungsfuttermittel „Nutribound“ enthaltenen präbiotischen Fasern unterstützen die Darmflora wirkungsvoll. In einigen Fällen sind auch Antibiotika notwendig, um die Darmflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Hier kommen zumeist Medikamente mit dem Wirkstoff Metronidazol zum Einsatz. Bei chronischem Durchfall wird oft eine Kur über mindestens zehn Tage bis hin zu mehreren Wochen notwendig. Allerdings muss bei der Katze vorsichtig dosiert werden, da eine Überdosierung zu zentralnervalen Symptomen führen kann. Auch ayurvedische Kräuter bringen besonders bei schwierigen Erkrankungen oft einen gewünschten Therapieerfolg.

Gut vorbereitet zum Tierarzt!

Da ein chronischer Durchfall ein sehr komplexes Problem ist, sollte man für die betroffene Katze unbedingt ärztliche Beratung und Hilfe in Anspruch nehmen. Es ist durchaus hilfreich, bereits zur Erstvisite Kotproben (über drei Tage sowie möglichst frisch) mitzubringen und sich auf folgende Fragen des Tierarztes vorzubereiten:

  • Seit wann besteht der Durchfall? Konsistenz? Farbe? Blutbeimengungen?
  • Sonstige Veränderungen im Befinden der Katze? Erbrechen? Gewichtsabnahme?
  • Zeitpunkt der letzten Entwurmung? Mit welchem Präparat?
  • Welches Futter?
  • Impfstatus?
  • Sind mehrere Katzen betroffen

Um erfolgreich zu therapieren, müssen Besitzer und Tierarzt im Sinne des Patienten eng zusammenarbeiten. Falls eine Diät nicht schmeckt oder ein Medikament nicht unmittelbar wirkt, sollte der Katzenfreund nicht frustriert sein, sondern dem behandelnden Tierarzt eine entsprechende Rückmeldung geben, damit eine Lösung gefunden werden kann und unser gemeinsamer Katzenpatient geheilt wird!

Dr. Marie-Theres Hoyer
und Dr. Karin Garzik
KATZENPRAXIS, Speisingerstraße 206, 1130 Wien
www.katzenpraxis.at