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Archiv Ausgabe 11/12 2011
Hier finden Sie ausgesuchte Artikel der November/Dezember Ausgabe 2011
Garfield hat Bauchspeicheldrüsenentzündung!
Die Krankheit wurde lange nicht entdeckt
Hausmittel auch für Vierbeiner
Nützlicher Geheimtipp oder gefährliche Überlieferung?
Hunde jetzt zielgerichtet gegen Borreliose schützen
Neuer Impfstoff gegen heimische Erreger wirksam!
Verhaltensproblem „Unsauberkeit“
Wenn Samtpfoten das Katzenklo meiden
Hüftgelenkdysplasie schon beim Welpen erkennbar"
Sichere Diagnose durch neue Untersuchungsmethode
Garfield hat Bauchspeicheldrüsenentzündung!
Die Krankheit wurde lange nicht entdeckt

Kater Garfield war von klein auf ein wilder, aufgeweckter Kerl. Als ausgewachsener sieben Kilo-Kater war er unangefochtener Chef im Revier. Bis er dann vor einem Jahr begann, Gewicht zu verlieren. Trotz angebotener Leckerbissen fraß er immer weniger und magerte auf dreieinhalb Kilogramm Körpergewicht ab – viel zu wenig für den großen Kater! Hin und wieder litt er an Durchfall und Erbrechen; Dehydrierung war die Folge. Alles in allem waren die Symptome unspezifisch und hätten für verschiedene Krankheiten gepasst. Garfield wurde daher beim Tierarzt auf Herz und Nieren durchgechekt, aber die Untersuchungen ergaben keine Diagnose. Die Nierenwerte waren zwar ein wenig erhöht, aber nicht genug, um Garfields Zustand zu erklären. Der Tierarzt dachte auch an Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), aber wirklich aussagekräftige Methoden zur Diagnosestellung gab es nicht. Garfields Frauchen war schon sehr verzweifelt, stand doch das Wort "Einschläfern" im Raum.
Diagnose mit neuem Snap-Test

Als sie den Kater das nächste Mal zum Tierarzt brachte, gab es eine Neuigkeit: Einen Schnelltest zur Abklärung der Verdachtsdiagnose "Pankreatitis". Der Tierarzt nahm Garfield eine kleine Menge Blut ab und schon nach zehn Minuten zeigte der neue Snap-Test ein positives Ergebnis. Um dieses abzusichern, schickte der Tierarzt den Rest des Blutes noch ins veterinärmedizinische Labor, damit dort mit einem weiteren neuen Labortest der Wert der pankreasspezifischen Lipase festgestellt wurde. Die eindeutige Erhöhung dieses Wertes untermauerte das Ergebnis des in der Praxis durchgeführten Schnelltests: Garfields schlechter Zustand wird durch eine chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse hervorgerufen. Die daraufhin vom Tierarzt durchgeführte Untersuchung der Bauchspeicheldrüse mit Ultraschall zeigte, dass weder Zysten noch Abszesse, die das Krankheitsgeschehen erschwert hätten, am Pankreas zu finden waren. Anhand der Befunde war es nun möglich, mit einer zielgerichteten Therapie zu beginnen und es ist zu hoffen, dass es Garfield bald besser gehen wird. Wenn beim Snap-Test in der Praxis ein negatives Ergebnis vorliegt, kann eine Pankreatitis ausgeschlossen werden.
Dr. Herta Puttner / Fachtierärztin für Kleintiere
Hausmittel auch für Vierbeiner
Nützlicher Geheimtipp oder gefährliche Überlieferung?

Kleinere Blessuren, harmloses Unwohlsein oder ein verdorbener Magen beim vierbeinigen Liebling lassen einen Tierarztbesuch und den Einsatz von Medikamenten nicht immer unbedingt notwendig erscheinen. Trotzdem sollte bei fraglichem Schweregrad der Erkrankung der Tierarzt kontaktiert werden. Sofern sich das Problem als eher harmlos herausstellt, werden mitunter auch von diesem die guten alten Hausmittel vorgeschlagen. Viele Hausmittel werden ja durch Mundpropaganda schon über Generationen weitergegeben und die Wirkung hat viele Haustierbesitzer überzeugt. Aber nicht jedes Hausmittel kann nach dem heutigen Stand der Wissenschaft als unbedenklich angesehen werden. Manche Hausmittel gelten heute sogar als kontraproduktiv oder gefährlich, obwohl sich Gerüchte über deren Heilkräfte hartnäckig halten.
Käsepappeltee fördert die Heilung
Der allseits bekannte Käsepappeltee (Malvenblättertee) erweist gute
Dienste bei der Wundreinigung und Wundpflege, sowie
bei der Ohrenreinigung. Frische Wunden
müssen jedoch schnell und am besten mit
klarem Wasser gereinigt werden. Danach
sollte eine hautfreundliche Desinfektionslösung
aufgetragen werden. Später
kann das Abbaden der heilenden
Wunde mit Käsepappeltee Schmutz
entfernen und die Heilung fördern.
Die Inhaltstoffe der Malve wirken
entzündungshemmend und auch
schleimhautschützend. Daher wird
Malvenblättertee auch bei Entzündungen
der Maulschleimhaut
und des Verdauungstraktes
eingesetzt.
Wichtig zu wissen:
Keine Hausmittel bei Parasitenbefall
Die Fütterung von Zwiebeln gegen Flöhe oder Knoblauch gegen
Darmparasiten und Würmer muss als grundsätzlich gefährlich
angesehen werden. Einerseits sind beide Lebensmittel für
Hunde und Katzen giftig, andererseits lassen sich Flöhe, Zecken
und Würmer dadurch überhaupt nicht beeindrucken. Ähnlich
unwirksam haben sich Duftlampen (z.B. Lavendel) und Pfefferminze
gegenüber einem Flohbefall erwiesen.
Kamillentee fürs Auge nicht geeignet
Bei Augenentzündungen kommt es häufig zu starkem,
teilweise auch eitrigem Ausfluss, der sich vor
allem in der Früh nach dem Aufwachen als klebrige
Masse in und um die Augen darstellt. Es ist offensichtlich,
dass
das Entfernen
und Wegwischen
des angetrockneten
Ausflusses das
Wohlbefinden des
Patienten fördert.
Vorsicht ist hierbei
bei Kamillentee geboten. Frisch gebrühter Kamillentee
ist natürlich nicht nur zu heiß, auch die
mikroskopisch kleinen Pflanzenhaare im Tee können
im Auge zu Reizungen führen. Besser eignen
sich zur Augenreinigung Borwasser aus der Apotheke
oder verdünnter und filtrierter Käsepappeltee.
Wichtig: Immer vom äußeren Augenwinkel
zur Nase hin reinigen.
Vorsicht bei Hautwunden
Bei der Behandlung von Hautwunden werden leider
immer wieder falsche Empfehlungen – z. B.
"Mehl auf Wunden streuen" - überliefert. Aber auf
keine Wunde gehört Mehl zur Förderung der Verkrustung!
Auch Puder oder Salben sollten immer
erst nach Konsultation des Tierarztes angewendet
werden. Zumeist wird davon abgeraten solange
die Wunde noch Sekret absondert.

Hausmittel für die Ohren
Zur Ohrenreinigung bei leicht verschmutzten Ohren
oder nach dem Baden in einem Naturgewässer
im Hochsommer kann ebenfalls lauwarmer Käsepappel-
oder Kamillentee verwendet werden. Dabei
darf jedoch nur der äußere Bereich des Gehörganges
gereinigt werden. Vor dem möglichen Spülen des
Gehörganges muss zuerst vom Tierarzt festgestellt
werden, ob das Trommelfell intakt ist. Besteht die
Gefahr einer Infektion, so wird vom Tierarzt sterile
Kochsalzlösung oder ein entsprechendes Veterinärpräparat
empfohlen werden. Hefepilze (Malassezien) können bei
geringem Befall zu einer leichten Gehörgangsentzündung führen.
Verdünnter Essig (1:10) reinigt hier recht gut und reduziert die
Belastung durch die Hefepilze. Bei starkem Befall, schweren Entzündungen
und offenen Hautwunden sollte von einer Behandlung
mit verdünntem Essig Abstand genommen und lieber gleich der
Tierarzt aufgesucht werden.
Die guten Seiten der Kamille
Die ätherischen Öle in der Kamille wirken entzündungshemmend,
antibakteriell und wundheilungsfördernd. Neben der äußerlichen
Anwendung kann verdünnter Kamillentee auch bei leichten
Magen-Darmbeschwerden hilfreich sein. Bei Hautwunden ist zu beachten, dass der Kamillentee nicht zu lange einwirkt und nicht
länger als drei Tage zur Anwendung kommt, da in seltenen Fällen
Haarausfall beim vierbeinigen Patienten eintreten kann.
Hausmittel bei
Magen-Darmstörungen
Bei Hunden treten Durchfall und Erbrechen als Symptom einer Irritation
des Magen-Darmtraktes besonders häufig auf. Solange das
Tier Flüssigkeit trinkt und bei sich behält, kann der Verlust noch
ausgeglichen werden. Hört der Vierbeiner jedoch auf, zu trinken
oder erbricht das Getrunkene sofort wieder, sollte der Tierarzt aufgesucht
werden. Als mildes Hausmittel haben sich wenige Esslöffel
Jogurt zum Aufbau der bakteriellen Darmflora oder geriebene,
gedünstete Karotten gegen Durchfall bewährt. Hierbei ist aber zu
erwähnen, dass die individuelle Verträglichkeit und Akzeptanz dieser
Nahrungsmittel sehr unterschiedlich sein kann. Wenn der gewünschte
Erfolg nicht innerhalb von 1 bis 2 Tagen eintritt, gehört
der Vierbeiner zum Tierarzt.
Bei Verstopfung kann Feigensirup
helfen, generell ist aber Lactulose
aus der Apotheke
als Abführmittel vorzuziehen.
Gut fürs Fell: Distel- und Lachsöl
Da für stumpfes Haarkleid und schuppige Haut neben fehlerhafter
Ernährung auch noch viele verschiedene krankhafte Ursachen in
Frage kommen, muss vor der Anwendung von Hausmitteln eine
tierärztliche Untersuchung des betroffenen Vierbeiners erfolgen.
Können jedoch Hauterkrankungen, hormonelle Störungen oder Lebererkrankungen
vom Tierarzt
ausgeschlossen
werden, dann hat
sich schon oft der Einsatz von kaltgepresstem
Distelöl oder Lachsölpräparaten
bewährt. Ein Esslöffel
pro Tag zeigt innerhalb von wenigen Wochen eine Verbesserung
des Fellglanzes und eine verminderte Schuppenbildung. Vorraussetzung
für den erfolgreichen Einsatz jeglichen Futterzusatzstoffes
ist natürlich die Verträglichkeit, die bei jedem Tier individuell zu
prüfen ist.
Inhalieren hilft auch Tieren
Wer kennt die Auswirkungen einer lästigen Verkühlung mit Husten,
Schnupfen, Heiserkeit nicht auch aus eigener Erfahrung. Eine
verlegte Nase macht das Atmen zur Qual und in der Luftröhre
und den Bronchien verursacht zäher Schleim einen permanenten
Hustenreiz.
Auch bei unseren Haustieren kann hier eine Inhalationstherapie
das Wohlbefinden steigern und den zähen Schleim verflüssigen,
um das Abhusten zu erleichtern. Hierbei findet Salzwasser, Kamillen-
oder Käsepappeltee Anwendung. Wichtig ist dabei die nicht
zu hohe Temperatur des dampfenden Wassers zu beachten. Nicht
die Hitze führt zum Erfolg, sondern der Wasserdampf bzw. die hinzugefügten
ätherischen Öle. Katzen werden zur Inhalation für 10
Minuten in ihren Katzenkorb gesetzt, Hunde zwischen zwei Sesseln
platziert und ebenfalls für einige Minuten dem leicht dampfenden
Wasser ausgesetzt. Auf jeden Fall darf diese Prozedur für das Tier
nicht unangenehm oder gar mit Hitzestress verbunden sein.
Pfotenschutz mit Hirschtalg
oder Vaseline
Im Winter sind wunde Pfoten nach Spaziergängen auf eisigen oder
auf salzgestreuten Wegen leider immer wieder zu beobachten. Vor
dem Verlassen der Wohnung auf die empfindlichen Pfoten des
Vierbeiners aufgebrachter Hirschtalg oder Vaseline wirkt wasserund
salzabweisend und schützt auch vor den scharfen Eiskristallen.
Nach der Rückkehr nach Hause sollte trotzdem nicht auf die Pfotenpflege
mit warmem Wasser - ohne Seife - verzichtet werden, um
die Schmutzreste zu entfernen.
Viele Hausmittel haben sich aufgrund der einfachen und wirkungsvollen
Anwendung bewährt. In den letzten Jahren haben
auch einige Firmen die positiven Effekte dieser Substanzen anerkannt
und sie in Medikamenten und Futterzusatzstoffen auf den
Markt gebracht. Der Vorteil dieser Formulierungen ist die genaue,
standardisierte und einfache Verabreichung für bereits getestete Indikationen.
Damit kann sich der Anwender sicher sein, alles richtig
zu machen. Treten dennoch Fragen auf, sind Ihr Tierarzt oder Ihre
Tierärztin ideale Ansprechpartner.
Dr. Michael Leschnik
Abteilung für Interne Medizin
Department für Kleintiere und Pferde,
Klinik für Kleintiere
Veterinärmedizinische Universität Wien
(Vetmeduni Vienna)
Hunde jetzt zielgerichtet gegen Borreliose schützen
Neuer Impfstoff gegen heimische Erreger wirksam!

Bei Mensch und Tier ist die Borreliose die häufigste von Zecken übertragene Erkrankung. Leider hält sich noch immer der Mythos, dass Zecken von den Bäumen fallen und man diese daher am ehesten im Wald bekommt. Das stimmt jedoch nicht, denn höher als einen Meter über dem Boden sind Zecken nicht anzutreffen. Ihre bevorzugten Aufenthaltsplätze sind dichtes Unterholz, Büsche und Gräser. Damit sind sie auf Waldlichtungen, in Wiesen und in Parkanlagen genauso anzutreffen wie im eigenen Garten.
Wie kommt
die Zecke zum
Erreger?
Als Erregerreservoir für Borreliose gelten hauptsächlich Nager und
Insektenfresser wie z.B. Igel, aber auch Wildtiere und Vögel, über
die sich Zeckenlarven bei der ersten Blutmahlzeit mit Borrelien,
den Erregern der Borreliose, infizieren. In der Zecke halten sich die
Borrelien im Darm auf und setzen sich mit Hilfe eines bestimmten
Oberflächenproteins an der Darmwand der Zecke fest. Kommt es
nun zum Anheften der Zecke an die warme Haut eines Wirtes (z.B.
Hund oder Mensch) und
zum Einströmen von Blut in
den Zeckendarm, verändern
die Borrelien ihr Oberflächenprotein,
so dass sie die
Darmwand durchdringen
und in die Speicheldrüse
der Zecke einwandern können.
Anschließend gelangen
die Borrelien über den
Speichel in den Wirt und
beginnen sich auszubreiten.
Die Erregerübertragung erfolgt
in der Regel erst ca. 24
Stunden nach Beginn der
Blutmahlzeit. Je länger die
Zecke saugt, umso größer
ist das Infektionsrisiko.
So zeigt sich die Erkrankung
Im Gegensatz zum Menschen
zeigen Hunde nach
der Ansteckung nicht die
typische ringförmige Rötung
der Haut. Lediglich
bei hellhäutigen Hunden ist eine diffuse Rötung der Haut zu bemerken.
Bei borreliosekranken Hunden stehen Fieber, Müdigkeit,
Gelenksentzündungen und Lähmungen im Vordergrund. Obwohl
die Erreger der Borreliose gut mit Antibiotika behandelt werden
können, kommt es häufig nicht zur vollständigen Auslöschung der
Erreger; diese überleben manchmal auch langfristige Therapien.
Dann kommt es zu den oft erst nach Jahren auftretenden Spätfol-
Neuer Impfstoff gegen heimische
Erreger wirksam!
Hunde jetzt
zielgerichtet
gegen Borreliose schützen
mein Haustier 21
gen der Borrelioseinfektion. Diese können sehr dramatisch sein:
Vollständige Lähmung, Hautnekrosen (Zelltod der Haut, Gewebszerfall
der Haut) und gravierende Nierenschäden sind möglich.
Die Hunde können letztendlich daran sterben.

Was sind Borrelien?
Es sind kleine schraubenförmige, bewegliche
Bakterien aus der Gruppe
der Spirochäten, zu denen auch der
Syphillis-Erreger des Menschen gehört.
Auch bei Syphillis kommt es im
Endstadium zur vollständigen Lähmung.
Lange glaubte man, dass es nur
eine Art von Borrelien, nämlich die von
W.Burgdorfer in Nordamerika entdeckte
Borrelia burgdorferi sensu stricto,
gibt. Heute weiß man jedoch, dass es
von Borrelia burgdorferi mehrere Arten
gibt und dass die in Amerika entdeckte
Art in Europa eine untergeordnete Rolle
spielt; nur ungefähr 10% aller Borreliose-
Fälle werden dadurch verursacht.
Bei den in Europa nachgewiesenen
Borrelienspezies handelt es sich zu 90%
um Borrelia afzelii und B. garinii.
Alle
drei Borrelienarten sind gleichermaßen
für Menschen und Hunde gefährlich.
So verursachen Borrelia afzelii und B.
garinii beim Menschen Haut- und Neuro-Borreliosen.
Österreichische Hunde
mit neuer Impfung schützen
Um unseren Hunden Schutz vor Borreliose zu gewährleisten, muss
der verwendete Impfstoff diese Borrelienarten enthalten, die bei
uns in Österreich zu über 90% für Borrelioseerkrankungen verantwortlich
sind, nämlich B. afzelii und B. garinii. Seit kurzem ist ein
Impfstoff (Virbagen canis B) zugelassen, der diese Kriterien erfüllt.
Die Wirkungsweise ist folgende: Durch die Impfung werden im
Blut des Hundes Antikörper gebildet, die beim Saugakt in die Zecke
gelangen und dort die Borrelien bereits im Zeckendarm unschädlich
machen. Die Impfung entfaltet Ihre Wirkung also in der
Zecke, der Hund kommt mit den Erregern gar nicht in Berührung.
Es können Hunde ab dem Alter von 12 Wochen geimpft werden.
Die Grundimmunisierung beginnt mit zwei Impfungen im Abstand
von drei Wochen, wird sechs Monate später mit einer weiteren
Impfung fortgesetzt und ist mit der Auffrischungsimpfung
nach einem Jahr abgeschlossen. Optimalerweise sollten Junghunde
schon vor ihrer ersten Zeckensaison geimpft werden.

Impfschutz des Hundes
auch für den Menschen wichtig
Mit Borreliose infizierte Hunde stellen ein weiteres Erregerreservoir
dar und können so zu einer Ansteckung des Menschen über
infizierte Zecken beitragen. Zum Beispiel indem die Vierbeiner in
ihrem Fell Zecken nach Hause bringen, die sich beim Blutsaugen
an ihnen mit Borrelien angesteckt haben. Befallen diese Zecken
dann die menschlichen Familienmitglieder, werden diese ebenfalls
mit Borreliose infiziert.
Dr. Herta Puttner / Fachtierärztin für Kleintiere
Verhaltensproblem "Unsauberkeit"
Wenn Samtpfoten das Katzenklo meiden

Nichts erschüttert den Katzenhalter mehr als Lacken außerhalb der Katzentoilette und übler Geruch in der Wohnung. War plötzlich noch alles eitel Sonnenschein, so ist die Harmonie zwischen Katzenhalter und Tier nun empfindsam gestört. Gerade Unsauberkeit steht an erster Stelle der Verhaltensprobleme im Zusammenleben mit dem Menschen und stellt eine große Beeinträchtigung für die Beziehungsebene dar. Lacken außerhalb der Katzentoiletten werden zum Signal, dass die Katze ein gesundheitliches, seelisches oder "katzenklobedingtes" Problem hat. Der erste Schritt sollte immer zum Tierarzt führen. Ist eine Erkrankung als mögliche Ursache für die Unsauberkeit ausgeschlossen, können Veränderungen in der Umwelt, aber ebenso "Katzenklo & Co." für die Unreinheit verantwortlich sein. Psychischer Stress, verursacht durch einschneidende Veränderungen in der Umwelt der Katze und/ oder im Zusammenleben mit ihrem Menschen, sei es ein Umzug oder Umbau, menschlicher oder tierischer Familienzuwachs, eine Scheidung oder ein Todesfall in der Familie, wie auch veränderte Arbeitszeiten der Bezugsperson kommen als Auslöser für unerwünschte Lacken in der Wohnung in Frage.
Katzenklo muss Ansprüchen der Vierbeiner entsprechen

Ebenso stellen unsere Stubentiger bestimmte Ansprüche an das "stille Örtchen" und legen größten Wert auf Privatsphäre, Hygiene und Komfort! Da freilaufende Katzen Urin und Kot nicht an derselben Stelle absetzen, sollte eine Wohnungskatze zwei Katzentoiletten zur Verfügung haben. Für mehr als eine Katze ist zu raten: Jedem Tier seine Toilette. Auch Freilaufkatzen benötigen zumindest eine Katzentoilette im Haus, wenn sie bei schlechtem Wetter doch mal längere Zeit zuhause verbringen. Dem Standort kommt ebenso eine wichtige Bedeutung zu und so sollten Katzentoiletten niemals neben dem Futter-, Trink- oder Schlafplatz aufgestellt werden. Bei der Auswahl einer Katzentoilette steht die Funktionalität für das Tier immer an erster Stelle. Was für den Katzenhalter optisch ansprechend ist und im Trend liegt, muss nicht für den Stubentiger geeignet sein. Designertoiletten in Form eines Dreiecks fügen sich ausgezeichnet in Mauerecken ein, lassen der Katze aber zu wenig Platz und können sich somit als unzweckmäßig entpuppen. "Je größer, desto komfortabler" ist der Grundsatz und eine Mindestgröße von ca. 40 x 50 cm ist für die Toilettenschale empfehlenswert. Für Kätzchen und ältere Tiere ist immer ein Modell mit niederem Einstieg zu empfehlen. Aufsatzrand oder Toilettenaufsatzhaube mit Klapptür, das ist oftmals die Frage. Ein Rand für die Toilettenschale soll verhindern, dass die Katze beim Verscharren von Kot und Urin die Einstreu außerhalb der Toilette verteilt. Bei Toiletten mit Aufsatzhaube muss die Höhe des Aufsatzes so gewählt werden, dass die Katze mühelos eine aufrechte Hockhaltung einnehmen kann, wenn sie ihr "Geschäft" verrichtet. Die schwingende Tür bei Katzentoiletten mit Aufsatzhaube kann bei Mehrkatzenhaltung schnell zu Unmut und Rangeleien führen, wenn zwei Tiere gleichzeitig die Toilette benutzen wollen. Das Aushängen der Tür und somit ein ungehinderter Zugang schaffen hier Abhilfe.
Katzenklo regelmäßig reinigen
Für empfindliche Katzennasen können eine verschmutzte oder eine
nach scharfen Putzmitteln riechende Toilette zur absoluten Belästigung
werden und die sensiblen Tiere dazu veranlassen, das Katzenklo
zu meiden. Einer regelmäßigen Toilettenreinigung kommt
eine bedeutende Rolle zu. Verschmutzte Einstreu am besten täglich
ein bis zweimal über den Restmüll entsorgen. Die Katzentoilette
wöchentlich komplett entleeren, mit warmen Wasser und mit mildem
Reinigungsmittel auswaschen und mit frischer Einstreu befüllen.
Katzen bevorzugen die Einstreu, die sie von klein auf gewohnt
sind. Die optimale Streuhöhe sollte ungefähr
7 cm betragen und sorgt für optimales
"Scharrvergnügen" in der Katzentoilette.
Denise Seidl
Tierpsychologin
www.tierpsychologie.at
Hüftgelenkdysplasie schon beim Welpen erkennbar
Sichere Diagnose durch neue Untersuchungsmethode

Beim gesunden Hund passt der Oberschenkelkopf genau in
die Hüftgelenkspfanne. Bei vielen Tieren ist jedoch entweder
der
Oberschenkelkopf
oder
die
Hüftgelenkspfanne
oder
auch beides fehlerhaft ausgebildet. Diese Fehlbildungen des Hüftgelenkes werden als Hüftgelenkdysplasie (HD) bezeichnet und sind bei Hunden großer Rassen sehr häufig, kommen aber auch bei kleinen Hunderassen immer wieder vor. Durch eine bestimmte Untersuchungsmethode (Ortolani-Methode) ist es möglich, schon
beim Welpen die Veranlagung zur Hüftgelenkdysplasie zu erkennen und durch frühzeitige Behandlung den Krankheitsverlauf zu stoppen.
Um diese neue Methode möglichst vielen Tieren zugänglich zu machen, hat die Klinik für Kleintierchirurgie der Veterinärmedizinischen Universität Wien die "Initiative zur Früherkennung
und Behandlung von Hüftgelenkdysplasie" ins Leben gerufen. Ass. Professor Dr. Britta Vidoni
erklärt im Interview die Vorgangsweise
bei den Untersuchungen und die möglichen Therapien.
Frage: Hüftgelenkdysplasie, kurz HD genannt, ist bei Hunden
ein sehr häufiges Problem. Was ist die Ursache dafür?
Prof. Vidoni: Die HD ist multifaktoriell bedingt; einerseits durch
eine genetische Disposition, also Vererbung, andererseits durch
Umwelteinflüsse wie zum Beispiel durch zu
rasches Wachstum, zu energiereiche Ernährung oder Übergewicht. Aber der entscheidende Faktor ist sicherlich die genetische Disposition.
Frage: Kommen Hundebabys schon mit fehlgebildeten Hüften zur Welt oder entwickeln sich diese erst?
Prof. Vidoni: Welpen kommen gesund auf die Welt; erst im Laufe des Wachstums entwickelt sich bei dafür prädisponierten Tieren ein Missverhältnis zwischen Hüftgelenkspfanne und Oberschenkelkopf. Die Gelenkspfanne kann eine falsche Neigung haben und zu flach sein, sodass der Oberschenkelkopf nicht ausreichend überdacht wird. Es kommt dadurch zu einer Gelenksinstabilität (Laxizität), aus der sich schlussendlich die Hüftgelenkdysplasie des ausgewachsenen Hundes entwickelt. Jede HD führt im Laufe der Zeit zur chronischen Hüftgelenksentzündung (Coxarthrose), die für den betroffenen Hund sehr schmerzhaft ist.

Frage: Es war und ist üblich, bei ausgewachsenen Hunden im Alter von 12 bis 18 Monaten ein HD-Röntgen zu machen, um nach den Richtlinien der FCI (Fèdèration Cynologique Internationale) das genaue Ausmaß der HD zu bestimmen und je nach Schweregrad in fünf Klassen von A bis E einzuteilen. Dies ist zwar vom züchterischen Standpunkt aus nützlich und wichtig, aber dem betroffenen Tier hilft es nicht mehr. Ab welchem Alter ist nun eine Früherkennung mit anschließender Behandlung möglich?
Prof. Vidoni: Die Untersuchungen zur Früherkennung der HD sollten im Alter von dreieinhalb bis vier Monaten gemacht werden. Denn in diesem Alter kann man schon feststellen, ob die Hüftgelenkspfannen korrekt ausgebildet werden oder nicht und ob eine erhöhte Instabilität des Gelenkes besteht.
Frage: Wie ist die Vorgangsweise bei der Untersuchung?
Prof. Vidoni: Zuerst wird in einem orthopädischen Untersuchungsgang
das
Gangbild
und
die
Bemuskelung
beurteilt.
Für
die
weiteren
Untersuchungen
ist
eine
kurze
Narkose
des
Welpen
notwendig,
damit
die
Muskeln
gut
entspannt
sind
und
dem
Tier
nicht
wehgetan
wird.
Dann
wird
geprüft,
ob
der
Hund
Ortolani-positiv
ist.
Dabei
liegt
der
Welpe
am
Rücken
und
durch
einen
sanften
manuellen
Druck
wird
über
den
Oberschenkel
Kraft
auf
den
Oberschenkelkopf
ausgeübt.
Wenn
dieser
dabei
aus
der
Gelenkspfanne
springt,
also
eine
Subluxation
bzw.
Luxation
stattfindet,
weist
dies
eine
erhöhte
Instabilität
des Gelenkes nach. Bei der Bewegung des Beines nach
außen, hüpft der Oberschenkelkopf mit einem typischen klickenden
Geräusch
wieder
in
die
Gelenkspfanne,
was
bedeutet,
dass
der
Welpe
Ortolani-positiv
ist.
Im
Anschluss
an
die
klinische
Untersuchung
werden
Röntgenauf-
nahmen in verschiedenen Stellungen gemacht: Als Erstes wird in
einer seitlichen Aufnahme der Übergang von der Lendenwirbelsäule
zum Kreuzbein
begutachtet.
Als
nächstes folgt die sogenannte "Froschaufnahme": Dabei liegt
der Hund am Rücken und die Oberschenkel werden auseinandergeklappt,
wodurch die Oberschenkelköpfe in die Gelenkspfanne
gedrückt werden. Wenn der Oberschenkelkopf nicht tief genug in
der Pfanne liegt, das heißt eine Verlagerung des Oberschenkelkopfes,
also eine Subluxation bzw. Luxation vorliegt, ist die Pfanne
vermehrt mit Bindegewebe gefüllt. Der Gelenksspalt ist dadurch
größer und unsymmetrisch.
Bei der darauffolgenden sogenannten "Distraktionsaufnahme"
liegt der Welpe in einer Lagerungshilfe und bekommt einen Keil
zwischen die Oberschenkel geschoben, die dann gegen den Keil gedrückt
werden.
Bei
einem
instabilen
Hüftgelenk
bewirkt
dies
eine
Subluxation
oder Luxation,
die messbar ist.


Frage: Welche Bedeutung und welchen Nutzen haben diese
Ergebnisse für die Zukunft des Tieres?
Prof. Vidoni: Der Sinn der Früherkennung ist, die Entwicklung
der Hüftgelenksdysplasie zu stoppen oder zumindest deutlich zu
verbessern. Besteht zum Beispiel eine Tendenz zur Entwicklung einer
B-
oder
C-Hüfte,
dann
kann
durch
eine
Operation
(Juvenile
Pubic
Symphysiodesis) die Ausbildung der HD verhindert werden.
Dabei
wird
mit
einem
Thermokauter
das
Bindegewebe
in
der
Schambeinfuge
zerstört
und dadurch ein frühzeitiger Schluss der
Knorpelfuge bewirkt.
Als Folge kommt es zu einer Absenkung der Gelenkspfanne, die
dadurch den Oberschenkelkopf besser umschließt. Es bestehen
gute Chancen, dass betroffene Hunde nach der Operation gesund
heranwachsen und keine HD entwickeln. Diese Operation ist nur
im Alter von vier bis fünf Monaten zielführend, da man später
nicht mehr ausreichend ins Wachstum eingreifen kann.
Besteht jedoch eine Tendenz zur D- oder E-Hüfte, so muss im
Alter von fünf bis acht Monaten eine kompliziertere Operation,
die doppelte Beckenschwenkung, durchgeführt werden. Nach dem achten Lebensmonat und bei bereits bestehenden Arthrosen ist die
Operation nicht mehr sinnvoll.
Frage: Darf mit Hunden, bei denen die Tendenz zu HD
durch die Frühdiagnose erkannt und durch die Operation im
Welpenalter geheilt wurde, gezüchtet werden?
Prof. Vidoni: Nein, denn diese Hunde tragen die genetische Disposition
für HD in sich und würden
diese wieder weitervererben.
Frage: Mit welchen Kosten für die HD-Frühdiagnostik müssen
Tierbesitzer
rechnen?
Prof.
Vidoni: Die Kosten betragen je nach Größe des Hundes
200 bis 250 Euro.
Frage: Wie können Besitzer von Welpen dazu beitragen, dass
sich die Gelenke ihrer Vierbeiner gesund entwickeln?
Prof. Vidoni: Besitzer von Welpen mittelgroßer bis großer Hunderassen
sollten
ihre
kleinen
Lieblinge
auf
alle
Fälle
zur
HD-Frühdiagnostik
bringen.
Im
Übrigen
rate
ich
zu
einer
ausgewogenen
Ernährung.
Heutzutage
bedeutet
dies
vor
allem,
nicht
zu
viel
des
Guten
zu
tun.
Also
nicht
extra
Vitamine
und
Mineralstoffe
zufüttern,
wenn
der
Welpe ohnehin mit Junior-Spezialfutter ernährt wird. Es ist
auch nicht zuträglich, das Juniorfutter zu lange zu verwenden; mit
ungefähr acht Monaten kann auf Normalfutter umgestellt werden.
In Bezug auf die Bewegung ist es wichtig, dass der junge Hund
nicht überfordert wird. Radfahren, Agility und kilometerlanges Joggen
ist für Hunde im Wachstum verboten. Stiegengehen schadet
dem jungen Hund nicht. Bis das Tier ausgewachsen ist, soll es selbst
bestimmen, wie viel Bewegung ihm gut tut. Das Spielen mit anderen
jungen
Hunden
ist
eine
natürliche
Form
der
Bewegung
und
fördert
die Sozialisation.

Klinik für Chirurgie, Augen- und Zahnheilkunde,
Veterinärmedizinische Universität Wien











