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Archiv Ausgabe 11/12 2010
Hier finden Sie ausgesuchte Artikel der November/Dezember Ausgabe 2010
Wir sind wurmfrei!
Sicher entwurmt - auch gegen LarvenHund und Katz beim Zahnarzt
Mundhygiene und Zahnkontrolle auch für Tiere wichtig
Myxomatose bedroht Kaninchenleben
zweimal jährlich impfen beugt vor
Gut für uns Menschen - schlecht für Tiere
gefährliche Lebensmittel für Hund und Katz
Wir sind wurmfrei!
Sicher entwurmt - auch gegen Larven
Tiere können Menschen mit Würmern anstecken. Die regelmäßige
Entwurmung von Hund und Katze ist daher nicht
nur für die Vierbeiner ein Muss, sondern trägt auch zur
Gesunderhaltung des Menschen bei. Die häufigsten Würmer bei
Hund und Katze sind Spul-, Haken- und Bandwürmer: Parasiten,
die auch beim Menschen zu unangenehmen, manchmal gefährlichen
Krankheitserscheinungen führen.
In der Spielstunde, die wir für Sie besucht haben, tummeln sich
einige drei bis vier Monate alte Welpen: Terrierkind Ashley, französische
Bulldogge Xeno, Retrievermädchen Paula und Havaneser
Emmy haben viel Spaß miteinander. Sie spielen, kriechen in bunte
Stoffröhren und erklimmen Hindernisse. Obwohl sie nur zu viert
sind, stehen ihnen beide Tierärztinnen
zur Verfügung.
Denn für eine
Spielgruppe
von vier bis
acht Welpen müssen mindestens zwei TrainerInnen beigestellt werden.
Mehr als acht Hündchen sollten nicht in der Gruppe sein.
Spulwurm-Larven wandern durch den Körper
Von Spulwürmern befallene Hunde und Katzen scheiden mit dem
Kot Wurmeier aus. In diesen entwickeln sich die Larven. Nimmt
nun ein anderer Vierbeiner die Wurmeier auf, schlüpfen die Larven
im Dünndarm aus der Eihülle, dringen in die Darmwand ein und
beginnen mit der Wanderung durch den Körper. Mit dem Blutstrom
gelangen sie zunächst in die Leber, dann in die Lunge und
von dort in die Luftröhre. Jetzt werden die Larven hochgehustet,
wieder geschluckt und gelangen erneut in den Darm. Hier entwickeln
sie sich zu fertigen Würmern, legen Eier und der Kreislauf
beginnt von vorne. Auf ihrer Körperwanderung schädigen die Larven
den Organismus nachhaltig.

Darmentzündung mit blutigem Durchfall oder Wurmverstopfung, Leberschaden und Lungenentzündung können auftreten. Manche Larven kapseln sich in der Muskulatur weiblicher Tiere ein und ruhen dort oft jahrelang. Wird das Tier trächtig, werden durch die hormonelle Umstellung die Spulwurm-Larven in der Muskulatur aktiviert und befallen bei Hündinnen über den Blutweg bereits die ungeborenen Welpen. Katzenbabys stecken sich vorwiegend während der Säugeperiode über die Muttermilch an. Kein Wunder also, dass Hunde- und Katzenwelpen meist unter massivem Spulwurmbefall leiden. Die Folgen können Wachstumsstörungen (Rachitische Kätzchen!) bis hin zum Wachstumsstillstand sein. Auffallend ist die Abmagerung der Jungtiere und der trommelförmig aufgetriebene, druckempfindliche Bauch. Schluckauf, Husten und Nasenausfluss sind weitere Anzeichen für Spulwurmbefall.

Menschen stecken sich
beim Streicheln an
Bei 90 Prozent aller spulwurmbefallenen Hunde und Katzen kleben
unsichtbare Wurmeier am Fell. Daher können sich Menschen
beim Streicheln der Vierbeiner mit Spulwürmern anstecken. Kinder
sind besonders gefährdet, weil sie oft die ungewaschenen Hände
in den Mund stecken. Zum Glück wehrt sich das menschliche
Immunsystem meist erfolgreich gegen Spulwurmlarven und die
Gesundheitsstörung beschränkt sich auf leichte Erkältungserscheinungen.
Aber auch Fieber und leichte Sehstörungen durch das
Einkapseln einer Spulwurm-Larve im Auge sind möglich.
Hakenwürmer betreffen
Hund und Mensch
Mit Hakenwürmern können sich Hunde auf vielerlei Arten anstecken.
Welpen auch über die Muttermilch! Üblicherweise stecken
sich Hunde beim Fressen eines Zwischenwirtes (z.B. Maus) an
oder wenn sie Larven aufschnüffeln. Hakenwürmer können sich
jedoch auch aktiv durch die Haut des Vierbeiners bohren. Sie wandern
dann durch den Körper in den Darm. Hier beißen sich die
Würmer an der Darmschleimhaut fest und saugen so viel Blut, dass
es zu schwerer Blutarmut und Eisenmangel kommt. Unbehandelt
kann es zum Tod des Hundes kommen. Beim Menschen bohren
sich Hakenwürmer durch die Haut und wandern oft jahrelang
tunnelgrabend in der Haut umher; man spricht vom „Hautmaulwurf“.
Fuchsbandwurm bei Hund und Katze im Vormarsch

Im Zunehmen begriffen ist die Verbreitung des Fuchsbandwurmes. Dieser entwickelt sich im Darm von Hunden und Katzen, die Vierbeiner scheiden dann mit dem Kot die Bandwurmglieder aus. Für Mieze und Bello ist der Fuchsbandwurm ungefährlich, sie erkranken nicht. Steckt sich jedoch der Mensch damit an (z. B. beim Streicheln des Tieres), so ist dies lebensgefährlich. Im Menschen entwickeln sich Bandwurmfinnen in der Leber. Nur die rasche chirurgische Entfernung der Finnen aus der Leber und massive Chemotherapie können den betroffenen Menschen retten.
Nachhaltige Entwurmung
trifft Wurm UND Larve
Zum Schutz der tierischen und menschlichen
Gesundheit müssen Hund und Katze zumindest
alle drei Monate entwurmt werden. Besonders
gefährdete Vierbeiner (z.B. Jagdhunde oder
samtpfötige Mäusejäger) auch öfter.
War es bis vor kurzem nicht möglich, bei der Entwurmung auch
die Larven abzutöten, so kann man jetzt durch die gelungene Kombination
zweier Wirkstoffe im Wurmmittel „Profender“ sowohl
Larven auf Körperwanderung als auch die erwachsenen Würmer
bekämpfen. Das heißt, der Lebenszyklus der Parasiten wird unterbrochen,
bevor sich wieder geschlechtsreife, eierlegende Würmer
entwickeln. Dadurch wird eine nachhaltigere Entwurmungswirkung
erzielt als mit herkömmlichen Wurmmitteln. Profender gibt
es als Spot-on für Katzen und als wohlschmeckende Tablette für
den Hund.
Katzenentwurmung
Ein Tropfen auf die Haut genügt
So mancher Katzenbesitzer erinnert sich mit Schrecken an Ringkämpfe
mit seinem Zimmertiger bei der Verabreichung von
Wurmmitteln. Und viele Samtpfoten schritten unentwurmt als
Sieger davon. Aber dieses Szenario gehört der Vergangenheit an.
Mit Profender ist eine Vollentwurmung dank des anwenderfreundlichen
Spot-on-Verfahrens völlig mühelos möglich. Einfach einen
Scheitel im Nackenfell ziehen und die Flüssigkeit auf die Haut
auftropfen. Wenn das Scheiteln nicht so gut möglich ist, fahren
Sie mit der Pipettenspitze unter die Haare; auch so bringen Sie
die Flüssigkeit auf die Haut. Die Wirkstoffe werden dann durch
die Haut aufgenommen. Die Anwendung bei der Katze ist unabhängig
vom Zeitpunkt der letzten Nahrungsaufnahme und kann
jederzeit erfolgen. Bei regelmäßiger Anwendung kann zum ersten
Mal eine Wurmfreiheit der Katze garantiert werden.
Hunde müssen beim Entwurmen
nüchtern sein
Profender-Tabletten für Hunde haben die Form eines kleinen
Knochens und schmecken nach Rindfleisch. Es ist jedoch absolut
notwendig, dass die Vierbeiner bei der Einnahme nüchtern sind.
Idealerweise verabreicht man die Tablette morgens auf nüchternen
Magen, nachdem der Hund über Nacht gefastet hat. Der Hund
darf dann erst wieder ab Mittag gefüttert werden.
Diese strikten Einnahme-Vorschriften können folgendermaßen erklärt
werden:

Bei Profender-Tabletten handelt es sich um ein Medikament mit
Retardwirkung. Dies bedeutet, dass der Wirkstoff verzögert freigesetzt
wird und dadurch länger wirkt. Bei der Verabreichung von
Retard-Präparaten ist es jedoch wichtig, dass das Tier nüchtern ist.
Denn Wirkstoffe verbleiben im leeren Darmtrakt länger und haben
dadurch ausreichend Zeit, die Würmer abzutöten. Auch die
Verweildauer in den Körpergeweben ist beim nüchternen Tier länger,
so dass auch alle auf Körperwanderung befindlichen Larven
verläßlich abgetötet werden. Wurde der Hund jedoch entgegen den
Einnahme-Vorschriften vor oder gleich nach der Verabreichung der
Tablette gefüttert, werden die Wirkstoffe rasch gemeinsam mit den
Nährstoffen aus dem Darm in das Blut transportiert. Dies beeinträchtigt
zwar die Wirksamkeit des Medikamentes in keinster Weise,
leistet aber dem Entstehen von Nebenwirkungen Vorschub: Ein
voller Darm arbeitet schneller als ein leerer, weshalb die Wirkstoffe
der Tablette vom Darm sehr rasch ins Blut gelangen und dort zu
einem plötzlichen Wirkstoff-Hochstand führen. Die Folge davon
können Nebenwirkungen wie geringgradiges Muskelzittern sein.
Besondere Vorsicht ist geboten bei Collies, Shelties und Australien
shepherds. Diese werden häufig mit einem Defekt des MDR1-
Gens geboren. Bei solchen Tieren kann die schnelle Überflutung
des Blutes mit dem Wirkstoff des Medikamentes dazu führen, dass
die Blut-Hirn-Schranke durchbrochen wird und es zu neurologischen
Störungen kommt. Da dies auch mit vielen anderen Arzneimitteln
passieren kann, sollten Besitzer der angeführten Rassen
möglichst frühzeitig im Zuge einer Blutuntersuchung den Test auf
MDR1-Gendefekt durchführen lassen. Aber auch bei Hunden mit
MDR1- Gendefekt kann die Entwurmung mit Profender-Tabletten
problemlos und ohne Nebenwirkungen erfolgen, wenn die Tabletten
auf nüchternen Magen verabreicht werden.
Hund und Katz beim Zahnarzt
Mundhygiene und Zahnkontrolle auch für Tiere wichtig!

Obwohl das Bewusstsein der Tierbesitzer für die Wichtigkeit der Mundhygiene ihrer Vierbeiner in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist, trifft man doch immer wieder auf Hunde und Katzen mit starkem Mundgeruch, dickem Zahnstein, entzündetem Zahnfleisch und kaputten Zähnen. Wie Erkrankungen von Zahnfleisch und Zähnen zu vermeiden oder im Fall des Falles zu behandeln sind, erklärt Mag. Matthias Schweda von der Veterinärmedizinischen Universität Wien im Interview mit unserem Magazin „mein HAUSTIER“.
Frage: Herr Doktor Schweda, Sie sind Spezialist für Zahnheilkunde
für Tiere. Wie stark ist die Nachfrage der Tierbesitzer,
sind diese im Allgemeinen bereit, an ihren Vierbeinern Mundhygiene
und Zahnbehandlungen durchführen zu lassen oder
müssen Sie noch viel Überzeugungsarbeit leisten?
Mag. Schweda: Die meisten Hunde- und Katzenbesitzer stehen
dem Thema „Zahnheilkunde für Tiere“ sehr aufgeschlossen gegenüber.
Über 80 Prozent der Tierhalter sind dazu bereit, notwendige
Zahnsanierungen bei ihrem Haustier durchführen zu lassen. An
der Zahnklinik der Veterinärmedizinischen Universität Wien erfolgt
im Rahmen dessen, zuerst ein ambulantes Vorgespräch mit
dem Tierbesitzer, welches ihn über das notwendige Vorgehen und
die dabei anfallenden Kosten informiert. Da jede Behandlung innerhalb
der Maulhöhle auch beim geduldigsten und bravsten Tier
nicht ohne Narkose durchgeführt werden kann, werden zwei Termine
benötigt: Der erste (ambulante) um den Allgemeinzustand
und damit die Narkosefähigkeit des vierbeinigen Patienten festzustellen
– dazu gehört auch Blutabnahme und, soweit möglich,
die erste Besichtigung der Maulhöhle. Beim zweiten Termin wird der Patient in Narkose gelegt, wonach die Maulhöhle genau untersucht
werden kann und es wird in jedem Fall ein Zahnröntgen
durchgeführt. Der Zahnstein ist oft so dick, dass er Zahnschäden,
wie z.B. Löcher im Zahn, Zahnfrakturen oder freigelegte Zahnwurzeln
verdeckt. Erst nach dem Zahnröntgen und einer genauen
Inspektion der Maulhöhle in Allgemeinanästhesie weiß man über
das wahre Ausmaß der Schäden Bescheid.
Frage: Ab welchem Alter leiden Tiere bereits an Zahnschäden
und Zahnfleischentzündungen?
Mag. Schweda: Das ist unterschiedlich und hängt davon ab, ob
regelmäßige Zahnpflege betrieben wurde und wie das Tier bisher
gefüttert wurde. Normalerweise treten die ersten Probleme zwischen
drei und fünf Jahren auf. Vielen Tieren wurde bis dahin niemals
die Zähne geputzt, so dass sich ungebremst Zahnplaque und
in weiterer Folge Zahnstein bilden konnte, der die Grundlage für
Erkrankungen von Zahnfleisch, Zähnen und Zahnhalteapparat ist.
Aber der Zeitpunkt ist auch rasseabhängig; so sind brachiozephale
Rassen wie Mops und Französische Bulldogge für Zahnschäden besonders
anfällig, weil durch die besondere Kieferform und andere
Ursachen eine adequate Nutzung ihres Gebisses gar nicht möglich
ist. Zahnbelag (Plaque) wird dadurch auf natürlichem Weg nicht
entfernt und verfestigt sich zu Zahnstein.
Frage: Können Sie uns erklären, was bei einer Sanierung der Maulhöhle genau passiert?
Mag. Schweda: Nach dem Zahnröntgen ist der nächste Schritt die Durchführung der Mundhygiene; dabei werden die Zähne mit Ultraschall gereinigt und anschließend die Zahnoberfläche poliert, damit in Zukunft die Anheftung von Plaque (Zahnbelag) vermieden wird. Nach einer genauen Sondierung jedes einzelnen Zahnes werden vorhandene Zahntaschen gereinigt und – falls vorhanden – entzündete Zahnfleischteile chirurgisch entfernt. Wenn die Taschen zu tief sind – sie sollten bei Katzen nicht tiefer als 0,5 mm sein, bei Hunden größenabhängig nicht tiefer als 2 bis 5 mm – hat der Zahn meist nicht mehr genügend Halt und muss gezogen werden. Anschließend an die Sanierung des Gebisses wird eine an der Zahnoberfläche haftende Chlorhexidinpaste aufgetragen. In weiterer Folge ist es wichtig, dass der Tierbesitzer dem Vierbeiner nach Abheilung der Maulhöhle (ca. eine Woche später) regelmäßig die Zähne putzt.
Frage: Wie häufig kommt es vor, dass bei Hund und Katze
Zähne plombiert werden müssen?
Mag. Schweda: Zahnplombierungen sind bei Hund und Katze
nicht oft notwendig, da vor allem bei Hunden Karies äußerst selten
bis gar nicht auftritt. Dies hat sicherlich auch mit der zuckerarmen
Ernährung des Hundes zu tun. Wenn Hunde Karies haben, wurden
sie meist vom Menschen damit angesteckt, da diese Bakterien
hauptsächlich dort zu finden sind. Katzenkaries wird umgangssprachlich
leider in einem falschen Zusammenhang verwendet –
hierbei handelt sich es nicht um eine Schädigung des Zahnschmelzes
durch Bakterien,
sondern um sogenannte
„neck lesions“ also
mottenfraßartigen Substanzverlust
am Zahnhals,
der von körpereigenen
„Zahnzellen“
verursacht wird. Die Ursache bzw. der Grund
für die Aktivierung dieser Zellen ist noch
nicht bekannt. Tatsache ist allerdings, das
über 72% der über 5 Jahre alten Katzen eine
solche Zahnerkrankung ausweist. Wenn jedoch
eine Plombierung notwendig ist, gibt
es wie beim Menschen unterschiedliche Füllmaterialien
– von Amalgam bis zum weißen,
flüssigen Kunststoff.
Frage: Gibt es auch Wurzelbehandlungen bei Tieren
und wann sind diese nötig?
Mag. Schweda: Bei stumpfen Traumen (Schlag auf den Zahn)
kann es zu einer Schädigung der Gefäße oder Nerven im Inneren
des Zahnes (Zahnpulpa) kommen. Bei Zahnfrakturen (Brüchen)
kommt es zur Eröffnung der Zahnpulpa im Inneren des Zahnes
und zur Freilegung der darin verlaufenden Nerven und Blutgefäße.
Wird nichts unternommen, kommt es zur bakteriellen Infektion
des offenen Zahnes und das Nervengewebe stirbt ab. Wird die
Zahnfraktur mit der offenen Pulpahöhle innerhalb einer Woche
entdeckt, können Nerv und Gefäße gereinigt, antibakterielle Medikamente
eingebracht und der Zahn dann verschlossen werden.
Liegt die Fraktur jedoch schon länger zurück, kann der Zahn nicht
lebendig erhalten werden, sondern es muss eine Wurzelbehandlung
erfolgen. Dabei wird das abgestorbene Pulpagewebe entfernt, der
Wurzelkanal gespült und dann mit Füllmaterial verschlossen. Bei einer unbehandelten Zahnfraktur kann es zu einem Fistelkanal
kommen, der oft vorerst als Schwellung und dann plötzlich als
Wunde im Kopfbereich entsteht; in so einem Fall besteht nur noch
die Möglichkeit den Zahn zu ziehen. Der Grund für Zahnfrakturen
beim Hund ist meist, dass das Tier auf etwas sehr Hartes (Knochen,
Nylonbälle, Stockerl, Steine,...) beißt. Bei Katzen sind die
zuvor beschriebenen „neck lesions“, die auch als „FORL - Feline
Odontoklastische Resorptive Läsinonen“ bezeichnet werden, oft
Ursache für Zahnfrakturen. Der mottenfraßartige Substanzverlust
des Zahnes am Übergang zur Wurzel führt bereits zur Freilegung
des Nervs, bevor es zu einer Fraktur kommt. Die Katze bekommt
Schmerzen und hört auf zu fressen. Je mehr Zahnsubstanz abgebaut
wurde, umso größer wird dann letztendlich die Bruchgefahr.
Frage: Leiden die Tiere nach der Zahnbehandlung unter Schmerzen?
Mag. Schweda: Die Vierbeiner bekommen vor, während und nach
der Behandlung eine Schmerztherapie und sind dann weitestgehend
schmerzfrei. Während der eigentlichen Operation wird dies
mittels einer Lokalanästhesie erreicht, das Vorgehen ist jedem von
uns vom eigenen Zahnarztbesuch bekannt. In dieser Hinsicht hat
sich in der Tiermedizin in letzter Zeit sehr viel getan.

Frage: Was halten Sie davon, abgebrochene Hundezähne zu
überkronen und finden Sie Zahnersatz beim Hund sinnvoll?
Mag. Schweda: Zahnersatz für Hunde ist ein sehr schwieriges
Kapitel, da Hundezähne anderen Zug- und Druckverhältnissen
ausgesetzt sind, als die Zähne des Menschen. Die Krone müsste
viel zu viel aushalten: Man denke nur an die beliebten Ziehspiele
mit den Eckzähnen, oder der Hund hat mal wieder einen Stein
apportiert. Weiße Porzellankronen könnten dem nicht standhalten.
Nur Metallkronen, die jedoch dem ästhetischen Anspruch oft
wenig genügen, kämen in Frage. Aber selbst diese müssten kürzer
als die Originalzähne sein. Außerdem sind dieses Kronen sehr kostenintensiv,
da genau wie beim Menschen ein Abdruck gemacht
werden und die Krone im Dentallabor hergestellt werden muss,
was auch bedeutet,dass es im Zuge dieser Behandlung zu mehreren
Narkosen kommt. Für das unmittelbare Wohlbefinden des Hundes
ist Zahnersatz oft unerheblich. Daher empfehle ich diesen hauptsächlich
für Diensthunde bei Polizei und Militär oder Gebrauchshunde,
die ihr Gebiss hauptsächlich für die Arbeit brauchen.
Frage: Was kann der Tierbesitzer tun, damit sein Vierbeiner sich bis ins hohe Alter eines gesunden Gebisses erfreut?
Mag. Schweda: Ein- bis zweimal jährliche Zahnkontrollen beim
Tierarzt sollten eingehalten werden. Wichtig ist es, bereits Welpen
an das Putzen der Zähne zu gewöhnen. Allerdings sind Zahnpasten
für den Menschen für Tiere nicht geeignet. Spezielle, chlorhexidinhältige
Zahnpasten für Hunde und Katzen wirken hervorragend
und dürfen in diesen geringen Mengen abgeschluckt werden. Nur
weiche Zahnbürsten verwenden, weil der Abstand zwischen den
Zähnen bei Hund und Katze weiter ist als beim Menschen und
daher immer wieder das Zahnfleisch mitgeputzt wird. Eine harte
Bürste wäre schmerzhaft und könnte zu Zahnfleischverletzungen
führen. Wenn Sie Ihren Hund oder Ihre Katze ans Zähneputzen
gewöhnen wollen, beginnen Sie niemals mit den Schneidezähnen,
da diese besonders empfindlich sind. Starten Sie den Lernprozess
besser an den Backenzähnen. Ziehen Sie anfangs auch nur die
Lefzen hoch, da das Öffnen des ganzen Mauls Panik hervorrufen
könnte. Da bei Vierbeinern an den Innenseiten der Zähne weniger
Zahnstein gebildet wird, ist es vor allem wichtig, die Außenflächen
zu putzen. Erst wenn sich der Hund an den Putzvorgang gewöhnt
hat, beginnen Sie auch die Innenflächen zu reinigen. Halten Sie die
Zahnbürste in einem Winkel von 45 Grad zur Zahnoberfläche und
putzen Sie mit kreisenden Bewegungen. Und vergessen Sie nicht
den Bereich des Zahnhalses! Für Katzen braucht man
besonders kleine, weiche
Zahnbürsten. Entweder
man findet diese im
Fachhandel beziehungsweise
beim Tierarzt oder
man behilft sich mit einer
Kinderzahnbürste,
deren Borsten man zur
Hälfte wegschneidet.
Bei Katzen auf keinen
Fall zu viel Druck ausüben
und darauf achten,
die Zwischenräume
zwischen den Zähnen
zu überspringen und
nur die Zähne putzen.
In Amerika ist es bereits
selbstverständlich, auch
Katzen regelmäßig die
Zähne zu putzen; in Europa
ist das Bewusstsein
für Maulhygiene bei
Hunden ausgeprägter als bei Katzen.
Frage: Welchen Einfluss hat die Fütterung
auf die Zahngesundheit?
Mag. Schweda: Die ausschließliche Fütterung von Feuchtfutter
ist weniger zu empfehlen, da hier der nötige Abrieb und die damit
verbundene Reinigung der Zahnoberfläche vom Plaque fehlt.
Trockenfutter ist für die Beanspruchung des Zahnes notwendig.
Zumindest einmal täglich sollte Trockenfutter verabreicht werden.
Bei Tieren, die Trockenfutter ablehnen, kann man zu einem
Trick greifen: Um die Vierbeiner an die Aromastoffe des Trockenfutters
zu gewöhnen, kann man dieses anfeuchten. Nach der Gewöhnungsphase
muss es dann aber wirklich trocken verabreicht
werden. Die Krokettengröße muss der Größe des Tieres angepasst
sein. Drei- bis viermal wöchentlich sind spezielle Kauprodukte mit
zahnreinigender Wirkung angesagt. Diese dürfen jedoch nicht härter
als der Zahn sein, da sonst die Gefahr der Zahnfraktur besteht.
Röhrenknochen zur „Zahnpflege“ sind nicht zu empfehlen, da
Auflösung des Kieferknochens nach einer unbehandelten
Zahnfraktur. Eine Infektion der offenen Pulpahöhle hat auf den
Knochen übergegriffen.
FORL - mottenfraßartiger Substanzverlust des Zahnes am
Übergang zur Wurzel bei einer Katze.
sie zu sogenannten Chip-Frakturen führen können. Dabei bricht
beiderseits ein chipförmiger Schmelzteil vom Oberkieferreisszahn
weg, wodurch das Innere des Zahnes eröffnet werden kann und
eine aufwendige Behandlung des Zahnes nötig wird.
Frage: Macht es Sinn spezielles Mundwasser für Tiere
dem Trinkwasser zuzusetzen?
Mag. Schweda: Mundwasser für Hund und Katze gibt es; der Sinn
dahinter ist eine chemische, enzymatische Reinigung, die die mechanische
Reinigung mit der Zahnbürste sinnvoll ergänzt. Allerdings
ist es oft eine Frage der Akzeptanz und der Aufenthaltsdauer
des Mittels im Maul.
Frage: Die meisten Tierbesitzer wissen es nicht:
Wie viele Zähne haben Hund und Katze?
Mag. Schweda: Hunde haben 28 Milch- und 42 bleibende Zähne.
Bei der Katze besteht das Milchgebiss aus 26 Zähnen und das bleibende
Gebiss aus 30 Zähnen.

Klinik für Chirurgie, Augen- und Zahnheilkunde
Veterinärmedizinische Universität Wien
Myxomatose bedroht Kaninchenleben
Zweimal jährlich impfen beugt vor
Fälschlicherweise glauben noch immer viele Kaninchenhalter, dass Myxomatose nur Kaninchen betrifft, die in großen landwirtschaftlichen Beständen oder im Freien gehalten werden. Das stimmt aber nicht: Da diese Infektionskrankheit überwiegend durch Stechmücken übertragen wird, sind auch in der Wohnung gehaltene Kaninchen gefährdet. Im letzten halben Jahr wurde vor allem im Osten Österreichs ein vermehrtes Auftreten von Myxomatose beobachtet. Es ist dies eine hoch ansteckende Erkrankung, die durch ein Pockenvirus ausgelöst wird. Dieses Virus ist wirtsspezifisch und daher grundsätzlich nicht auf andere Tiere oder Menschen übertragbar. Aus diesem Grund sind von Myxomatose hauptsächlich Kaninchen betroffen, vereinzelt erkranken aber auch Feldhasen. Die Erkrankung unterliegt jahreszeitlichen Schwankungen. Fälle von Myxomatose treten in der Regel ab dem Frühjahr auf, erreichen im Sommer (Juli und August) ihren Höhepunkt und nehmen danach wieder ab. Die Übertragung des Erregers kann sowohl direkt (durch Kontakt vom kranken zum gesunden Tier) als auch indirekt erfolgen, wobei die Infektion durch Stechmücken im Vordergrund steht. Auch der Kaninchenfloh kann, besonders bei der Übertragung des Virus innerhalb eines Bestandes, eine Rolle spielen. Des Weiteren besteht die Möglichkeit der Übertragung der Erreger auf gesunde Tiere durch den Menschen (Kleidung oder Arbeitsgeräte).
Unterschiedliche Verlaufsformen möglich
Abhängig von der krankmachenden Eigenschaft des Virusstammes können verschiedene Verlaufsformen beobachtet werden. Ödematöse Form (teigige Anschwellung der Haut): Befallene Tiere leiden an teigiger Schwellung der Augenlider und Lichtscheue. Im weiteren Verlauf breiten sich die teigigen Schwellungen auch auf andere Regionen des Kopfes (Lippen, Nase, Ohrgrund) und den Bereich der äußeren Geschlechtsorgane sowie des Anus aus. Vielfach verschlimmern hinzukommenden Infektionen durch Bakterien den Krankheitsverlauf. Im Endstadium werden betroffene Kaninchen oftmals matt und appetitlos. Zusätzlich kann im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung auch Atemnot bemein Haustier 37 obachtet werden. Für Anzeichen wie Verklebungen und Krustenbildung im Bereich der Nasenöffnungen kommen auch noch andere Erkrankungen, wie Kaninchenschnupfen oder Kaninchensyphilis, in Frage. Die mit teigigen Schwellungen einhergehende Form der Myxomatose führt fast ausnahmslos zum Versterben des erkrankten Kaninchens.

Noduläre (knotige) Form: Diese meist milder verlaufende „knotige“ Form der Myxomatose ist durch die Ausbildung von knotigen Haut- und Unterhautverdickungen an oben genannten Stellen gekennzeichnet. Die Diagnosestellung ergibt sich in der Regel aus dem klinischen Bild, kann aber auch mit Hilfe einer Gewebeprobe der Haut erfolgen. Auch ein Virusnachweis kann angefordert werden. Eine gezielte Behandlung ist bei Myxomatose nicht möglich. Die symptomatische Behandlung mit Antibiotika, Infusionen und gegebenenfalls Zwangsernährung kann bei der „knotigen“ Verlaufsform versucht werden.
Schutz durch Impfung
Die wenigen Tiere, die eine Myxomatose-Erkrankung überlebt haben, sind nur ein paar Monate gegen eine Neuerkrankung immun. Daher sollten alle Kaninchen - unabhängig von der Art ihrer Haltung – gegen Myxomatose geimpft werden. Denn Stechmücken haben überall Zutritt: Im Stall, im Garten, am Balkon und in der Wohnung. Geimpfte Kaninchenmütter geben über die Muttermilch die Antikörper an ihre Jungen weiter, so dass Nachkommen geimpfter Muttertiere für die Dauer von 2 bis 4 Wochen nach der Geburt gegen Myxomatose geschützt sind. Zur Impfung gegen das Myxomatosevirus steht in Österreich ein abgeschwächter Lebendimpfstoff zur Verfügung. Dieser Impfstoff wird in einer Dosierung von 0,5 ml unter die Haut verabreicht. Eine Impfung sollte nicht bei tragenden oder säugenden Häsinnen angewendet werden, da diesbezüglich keine Studien vorliegen. Für Kaninchen, die in stark myxomatoseverseuchten Gebieten (mit einer hohen Anzahl an erkrankten Wildkaninchen) leben, wird eine frühzeitige Impfung der Jungtiere ab einem Alter von 4 bis 5 Wochen empfohlen. Diese Tierchen sollten eine erste Wiederholungsimpfung im Abstand von 3 bis 4 Wochen erhalten. Weitere Wiederholungsimpfungen derart gefährdeter Kaninchen, sollten alle 4 bis 6 Monate erfolgen. Für Kaninchen, die in Gebieten ohne nachgewiesene Myxomatose- Erkrankungen leben, werden eine Erstimpfung im Alter von 6 bis 10 Wochen, sowie Nachimpfungen im Abstand von 6 Monaten als ausreichend angesehen.

In Ausnahmefällen kann es an der Injektionsstelle zur Ausbildung von Schwellungen kommen. Diese Umfangsvermehrungen in der Haut können bis zu hühnereigroß werden und sich unter Umständen erst nach mehreren Wochen vollständig zurückbilden. Die Myxomatose-Impfung kann gleichzeitig mit der Impfung gegen die hämorrhagische Kaninchenkrankheit (Rabbit haemorrhagic disease, RHD, „Chinaseuche“), jedoch an einer anderen Stelle, verabreicht werden. Als zusätzliche vorbeugende Maßnahme ist unbedingt auch eine Bekämpfung der Übertragungsvektoren (Stechmücken, Flöhe) anzustreben. In gefährdeten Gebieten sollte der Kontakt zu Wildkaninchen unterbunden, sowie auf den Einsatz von potenziell kontaminiertem (verseuchtem) Grünfutter verzichtet werden.

Dr. Frank Künzel
Klinik für Kleintiere
Abteilung für
Interne Medizin
Veterinärmedizinische
Universität Wien
Gut für uns Menschen - schlecht für Tiere
Gefährliche Lebensmittel für Hund und Katze

Die Weihnachtszeit bringt jetzt wieder eine Umstellung unserer Koch – und Ernährungsgewohnheiten mit sich. Kekse, Kuchen, Nüsse, viel Schokolade und andere Süßigkeiten verleiten uns zum Naschen und auch für unsere Hunde und Katzen ergibt sich die eine oder andere Gelegenheit, etwas Süßes abzubekommen. Leider wissen die wenigsten Hunde- und Katzenhalter, dass einige unserer Lebensmittel für Vierbeiner unverträglich und sogar gefährlich sind. Oder wussten Sie, dass Weintrauben, Rosinen, Schokolade, Kaffee, Zwiebel oder Knoblauch für unsere vierbeinigen Mitbewohner eigentlich giftig sind?
Nierenversagen durch Weintrauben
Seit einigen Jahren ist bekannt, dass der Verzehr von Weintrauben oder Rosinen bei Hunden zu einem akuten Nierenversagen führen kann. Dabei war die Menge der aufgenommenen Trauben bei den betroffenen Tieren sehr unterschiedlich. Auch zeigt nicht jeder Hund nach dem Verzehr von Weintrauben oder Rosinen Vergiftungssymptome. Ob dabei auch Spritzprodukte an der Traubenoberfläche oder Schimmelpilz-Toxine in Bezug auf die Giftigkeit eine Rolle spielen, ist unbekannt. Die Symptome beginnen nach ein bis zwei Tagen mit Mattigkeit, Bauchkrämpfen und Erbrechen. Die Hunde versuchen immer mehr Wasser zu trinken und setzen dabei entweder vermehrt Harn ab oder im schlimmsten Fall gar keinen mehr. Hier ist rasche Hilfe notwendig. Der Tierarzt kann im Blut des Hundes das Nierenversagen feststellen und mit einer Infusionstherapie manchmal noch helfend eingreifen.
Süße Versuchung „Schokolade“
Schokolade ist nicht nur bei uns Menschen ein beliebtes Nahrungsmittel. Viele Hunde können der braunen Versuchung ebenfalls nicht widerstehen und bedienen sich mitunter selbst. Dabei ist sowohl die Art, als auch die Menge der Schokolade für das Auftreten von Vergiftungssymptomen entscheidend. Der Inhaltsstoff „Theobromin“ aus der Kakaobohne kommt in höheren Konzentrationen vor allem in Kochschokolade und den immer beliebteren hochprozentigen Bitterschokoladen vor. Im Gehirn von Hunden angelangt, verursacht „Theobromin“ übersteigerte Unruhe, Zittern und Herzrasen, Speicheln, Erbrechen und Durchfall sowie eine erhöhte Körpertemperatur. Bereits 100 Gramm Kochschokolade können für einen 15kg Hund ohne Behandlung tödlich sein. Findet der Hundebesitzer seinen Liebling mit entsprechenden Symptomen und einer leeren Schokoladenpackung vor, so ist schnelle Hilfe notwendig. Der Tierarzt hat die Möglichkeit, den Hund zum Erbrechen zu bringen, den Magen zu spülen, Aktivkohle einzugeben und notfalls auch einen künstlichen Tiefschlaf herbeizuführen. Die Vergiftungssymptome lassen in der Regel nach 1-2 Tagen wieder nach. Ähnliche Vergiftungssymptome entstehen nach der Aufnahme von größeren Mengen an Kaffe oder kaffehältigen Produkten bei Hunden und Katzen. Auch wenn unsere Haustiere den bitteren Kaffee normalerweise nicht freiwillig trinken, kann doch Kaffeepulver in Süßspeisen zu einem Problem werden.
Gehirnnahrung „Nüsse“
Nüsse gehören zur Vorweihnachtszeit und werden sowohl roh als auch in zahlreichen Süßspeisen von uns Menschen konsumiert. Als ‚Gehirnfutter’ bekannt, sagt schon diese Bezeichnung etwas über die rasche Aufnahme der Inhaltsstoffe ins Gehirn aus. Das ist positiv für Menschen, für Hunde aber ungünstig. Besonders Macadamia- Nüsse sind bekannt dafür, Vergiftungssymptome zu erzeugen. Zittern, Unruhe und schwankender Gang treten innerhalb von 12 Stunden auf. Die Ruhigstellung der Tiere und eine entsprechende Infusionstherapie zur rascheren Ausscheidung der Inhaltsstoffe der Nüsse bringt zumeist eine rasche Besserung.
Zwiebel zerstört rote Blutkörperchen
Die Aufnahme von rohen Zwiebelgewächsen führt bei Hunden und Katzen zu Schäden an den roten Blutkörperchen. Innerhalb von ein bis zwei Tagen beginnen die Vergiftungssymptome. Es kommt zu Blutarmut mit blassen Schleimhäuten und dem Ausscheiden des roten Blutfarbstoffes über den dadurch dunkel gefärbten Harn. Die Tiere verweigern die Nahrungsaufnahme, erbrechen und sind matt. Neben der klassischen Zwiebel können auch Knoblauch, Lauch und Bärlauch zu ähnlichen Vergiftungen führen. Fälle von Vergiftungen bei Katzen durch die Aufnahme von Zwiebelpulver in Babynahrung sind dokumentiert. Die roten Blutkörperchen werden zwar nach einigen Tagen wieder nachgebildet, in schweren Fällen kann aber eine Bluttransfusion notwendig werden. Auch Nierenschäden als Folge der Ausscheidung des roten Blutfarbstoffes wurden beschreiben. Andere bekannte Nahrungsmittel mit potentiell toxischen Eigenschaften für Haustiere sind Avocados, Hopfen (beim selbst-Brauen schlecht für unsere Tiere von Bier zu Hause), roher Germteig und zuckerfreie Kaugummis. Die Unverträglichkeit von frischer Milch bei erwachsenen Hunden und Katzen ist keine Vergiftung im klassischen Sinn, aber ein typisches Beispiel für „gut gemeint – schlecht vertragen“. Steinobstkerne enthalten Substanzen, die der Blausäure ähnlich sind. Neben der Gefahr eines Darmverschlusses beim Hund nach der Aufnahme von unzerkauten Kernen, kann der Verzehr von größeren Mengen an zerkauten oder aufgebrochenen Kernen zu Vergiftungen führen. Zuerst treten Magen-Darmsymptome in den Vordergrund. Nur bei sehr seltenen, schweren Vergiftungen sind die Schleimhäute des Hundes auffallend rosig bei gleichzeitiger Atemnot.
Verlockend für Tiere: Mistsack und Biomüll
Zuletzt sei noch auf die Gefahr von verdorbenen Lebensmitteln hingewiesen. Was wir selbst nicht mehr essen würden, sollten wir auch unseren Haustieren nicht anbieten! Aber leider kommt es immer wieder vor, dass sich Hunde selbst am vollen Mistsack oder am Komposthaufen bedienen. Als Folge kommt es oft innerhalb von einigen Minuten bis zu wenigen Stunden zum Erbrechen und manchmal auch zu Durchfall. Selten können auch schwere Symptome wie Zittern, Speicheln und Muskelkrämpfe sowie Lähmungserscheinungen auftreten. In diesem Fall sollte sofort der Tierarzt konsultiert werden. Bei entsprechend intensiver Therapie wird die akute Phase gut überstanden und Nachwirkungen sind in der Regel keine zu erwarten. Generell liegt es in der menschlichen Verantwortung, Haustieren keine Nahrungsmittel oder Abfälle mit potentieller Vergiftungsgefahr zu verabreichen und diese Substanzen sicher zu verwahren. Wenn es aber doch einmal passiert, dass Hund oder Katze ein großes Stück Kochschokolade, Nüsse oder Trauben abbekommen (oft auch ohne Zustimmung des Besitzers), ist ein rascher Tierarztbesuch erforderlich. Auf keinen Fall darf der Tierbesitzer selbst versuchen, bei seinem Tier Erbrechen auszulösen. Das zu diesem Zweck eingeflößte Salzwasser hat schon bei vielen Tieren schwere Vergiftungserscheinungen ausgelöst! Der Tierarzt hat hingegen die Möglichkeit, das Erbrechen mit bestimmten Medikamenten auszulösen. Erbricht das Tier innerhalb von 3 bis 6 Stunden nach Aufnahme der giftigen Substanz, so erfolgt auf jeden Fall eine Reduzierung der Toxine im Tierkörper. Bei Bedarf kann zusätzlich auch noch in Narkose der Magen gespült werden. Sind die Symptome bereits bedrohlich weit fortgeschritten, sollte das Tier an einer Tierklinik stationär aufgenommen werden. Dort kann die akute Phase der Vergiftung intensiv behandelt werden und meist geht das Ganze mit ein bisschen Glück doch noch gut aus.

Dr. Michael Leschnik
Klinik für Kleintiere
Abteilung für Interne Medizin und Seuchenlehre
Veterinärmedizinische Universität Wien
Veterinärplatz 1
1210 Wien
Tel: 01 25077- 5137












