Archiv Ausgabe 09/10 2011

Hier finden Sie ausgesuchte Artikel der September/Oktober Ausgabe 201

Ausgabe 09/10

Augen auf beim Welpenkauf

Oft steckt die Krankheit in den Genen

Hund als Kind/Partner - Ersatz?

Bedürfnisse des Tieres respektieren

Probleme mit den Augen

Interview mit der Augen-Expertin

Krankes Frettchen

Oft sind Hormone schuld

 

 

 

 


Augen auf beim Welpenkauf

Oft steckt die Krankheit in den Genen

Krebs

Die ganze Familie war sich einig: Ein Beagle soll der neue Hausgenosse werden. Schon beim ersten Besuch beim Züchter verliebten sich alle in einen kleinen Rüden namens Jasper. Auch der Hinweis des Züchters, dass der kleine Jasper wegen seines zu kurzen Unterkiefers nicht ausstellungstauglich sei, änderte nichts am familiären Entschluss. Beim Abholen des Welpen erkundigte man sich genau über seine Vorlieben, das richtige Futter und wie man dem kleinen Vierbeiner die Umstellung auf das neue Zuhause möglichst angenehm gestalten könnte. Das Thema „Gesundheit“ oder „rassespezifische Neigung zu bestimmten Krankheiten“ wurde nicht angesprochen.

Hündchen Jasper entwickelte sich problemlos zu einem munteren Junghund. Die Nachricht, dass einer seiner Brüder bereits vor dem ersten Geburtstag wegen schwerer epileptischer Anfälle eingeschläfert werden musste, war ein kleiner Schock. In den darauffolgenden Jahren starben noch zwei Wurfgeschwister Jaspers an Epilepsie. Im Alter von fünf Jahren traten auch bei Jasper die ersten schweren epileptischen Anfälle auf. Mit intensiver tierärztlicher Betreuung und viel Liebe seiner menschlichen Familie überlebte Jasper noch zwei Jahre, dann wachte er aus einem Anfall nicht mehr auf. Jasper und seine Wurfgeschwister waren Opfer schlechter Zuchthygiene, denn Epilepsie kann vererbt werden. Sowohl den Hunden als auch den Tierhaltern wäre viel Leid erspart geblieben, wenn in der Züchtung darauf geachtet worden wäre, epilepsiekranke Tiere konsequent aus der Zucht auszuschließen.

Gentests für viele Erbkrankheiten möglichAugen auf beim Welpenkauf
Leider gibt es für die erbliche Epilepsie noch keine Molekulargenetischen Tests (Gentests), für viele andere Erbkrankheiten sind diese jedoch problemlos durchzuführen. Ganz allgemein gilt: Je mehr Gene an der Ausbildung einer Krankheit beteiligt sind, umso schwieriger wird der Nachweis. Wird eine Krankheit nur durch ein Gen bedingt, ist sie leichter nachzuweisen; für viele Multi- Gen-Defekte, wie z.B. die weit verbreitete Hüftgelenksdysplasie, gibt es noch keine Molekulargenetischen Tests. Gentests können vom Zeitpunkt der Geburt an in jedem Lebensalter durchgeführt werden. Sie dienen einerseits der Zuchthygiene, indem Träger von Erbkrankheiten durch die Tests identifiziert und von der Zucht ausgeschlossen werden. Andererseits können Gentests vom Tierarzt in unklaren Krankheitsfällen zur Abklärung der Diagnose herangezogen werden.

Schnell, günstig und verlässlich!
Für den Gentest wird eine Blutprobe oder ein Backenabstrich (fälschlich oft als Speichelprobe bezeichnet) benötigt, wobei Ergebnisse aus Blutproben noch sicherer sind. Beim Backenabstrich muss darauf geachtet werden, dass das Tier mindestens seit einer Stunde nicht gefressen hat und auch nicht gesäugt wurde. Die Entnahme des Abstrichs erfolgt mit kleinen Bürsten; es muss kräftig gebürstet werden, damit genügend Mundschleimhaut an der Bürste haften bleibt. Die Kosten betragen im Durchschnitt 50 Euro.

Gentests für bestimmte Rassen entwickelt
Da für viele Erbkrankheiten Rasseprädispositionen vorliegen, wurden die meisten Gentests für bestimmte Rassen validiert, können aber auch an Mischlingen durchgeführt werden.

Beispiele für häufig vorkommende und gut zu testende Erbkrankheiten:

MDR1-Gendefekt Hütehunde wie Collies, Shelties und Australian Shepherds, aber auch Mischlinge werden häufig mit einem Defekt des MDR1- Gens geboren. Bei solchen Tieren kann die Verabreichung von bestimmten Medikamenten, wie z.B. Ivermectin oder einigen Wurmmitteln dazu führen, dass die Blut-Hirn-Schranke durchbrochen wird und es zu schweren neurologischen Symptomen kommt. Man sollte daher schon Welpen vor der Wurfabgabe darauf testen.

Progressive Retina Atrophie (PRA) Darunter versteht man eine Erkrankung der Netzhaut, die mit Nachtblindheit beginnt und durch kontinuierliches Fortschreiten immer zur Erblindung führt. Dabei werden die Fotorezeptoren des Auges im Laufe der Zeit völlig zerstört. Obwohl die Progressive Retina Atrophie unheilbar ist, sollte möglichst früh ein Gentest und die ophthalmoskopische Untersuchung des Augenhintergrundes durchgeführt werden. Dies nützt sowohl der Zuchthygiene – Träger der PRA können sogleich von der Zucht ausgeschlossen werden -, als auch dem zukünftigen Welpenbesitzer, da dieser entscheiden kann, ob er sich dem Zusammenleben mit einem blinden Hund gewachsen fühlt oder nicht. Diese Erkrankung betrifft viele Rassen, besonders häufig Pudel, Irish Setter, American Cocker Spaniel, Retriever und noch viele andere.

Von Willebrand Erkrankung Dies ist die häufigste vererbte Blutgerinnungsstörung, die aus einem defekten oder fehlenden Von Willebrand Faktor im Blut resultiert. Dieser Faktor ist sehr wichtig für die Blutgerinnung; wenn er fehlt oder defekt ist, bluten betroffene Tiere bei Verletzungen oder Operationen sehr lange nach oder verbluten überhaupt. Der Gentest auf die Von Willebrand Erkrankung ist auch zur Absicherung vor Operationen von Bedeutung.

Gehör noch vor der Wurfabgabe testen Augen auf beim Welpenkauf

Vor allem Tiere mit weißem Fell werden oft schon taub geboren. Die angeborene Innenohrtaubheit ist in den meisten Fällen genetisch bedingt und vererbbar. Besonders häufig davon betroffen sind Dalmatiner, Bullterrier, Dogo Argentino, English Setter, weißer Schäfer und weiße Katzen, zum Beispiel weiße Maine Coon. Diese Form der Taubheit ist jedoch bereits sehr früh eindeutig feststellbar. Schon bei Welpen ab der sechsten Lebenswoche kann die Hörfähigkeit durch die Audiometrie überprüft werden. Die audiometrische Untersuchung wird an der Veterinärmedizinischen Universität Wien durchgeführt. Dabei wird dem durch Beruhigungsmittel in Schlaf versetzten Tier über spezielle Kopfhörer ein klickendes Geräusch in beide Ohren geleitet. Dadurch werden die Nervenzellen der Gehörbahnen aktiviert, was über feine Nadelelektroden außen an der Kopfhaut registriert und an einen Computer weitergeleitet wird. Damit lässt sich die Gehörfunktion bestimmen und vermessen. Die audiometrische Untersuchung dauert in der Regel nur wenige Minuten und das Ergebnis ist sofort am Aufzeichnungscomputer ablesbar. Viele Zuchtverbände bestehen auf einer audiometrischen Untersuchung der Welpen mit fünf bis acht Wochen, um einerseits den neuen Besitzern die Gewissheit eines normal hörenden Welpen zu gewährleisten, aber auch um Anlageträger der genetischen Taubheit aus der Zucht auszuschließen.

welpenkaufFrühzeitige Untersuchung der Welpen wichtig

Die Veterinärmedizinische Universität Wien bietet schon für Welpen im Alter von vier bis sechs Wochen neurologische Tests zur Überprüfung der neurologischen Entwicklung, ophtalmologische Untersuchungen des Augenhintergrundes und audiometrische Untersuchungen zur Prüfung des Gehörsinnes sowie Gentests an. Es ist sehr wichtig, bei kranken Welpen der Ursache der Erkrankung immer auf den Grund zu gehen. Denn nur so können sowohl Erbkrankheiten als auch Infektionskrankheiten aus einer Zucht eliminiert werden.

 

 

 

 


Hund als Kind/Partner-Ersatz?

Bedürfnisse des Tieres respektieren

Hund als Partnerersatz

Wir lieben sie. Wir umsorgen sie. Wir erfreuen uns an ihrer bedingungslosen Zuneigung. Sie sind unsere Gefährten und lassen Einsamkeit erst gar nicht aufkommen. Was liegt daher näher, als in unseren Hunden auch den Ersatz für das nie gehabte Kind, für den verlorenen Partner zu sehen? Hunde als Kindersatz, als Partnerersatz – für die einen unvorstellbar, für die anderen eine Selbstverständlichkeit. Tun wir damit uns und unseren Hunden wirklich etwas Gutes?

Das sagt die Paar-Therapeutin
”Zunächst muss einmal gesagt werden, dass das Zusammenleben mit einem Tier für den Menschen absolut positiv zu sehen ist”, betont die Psychologin und Paar-Therapeutin Prof. Dr. Gerti Senger. ”Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen, die belegen, dass Menschen mit einem Haustier seltener an Depressionen erkranken, weniger gestresst sind und ein sechsmal (!) geringeres Risiko haben an einer Herzkrankheit zu sterben als Menschen ohne Tier.”

Darüber hinaus bereichern Hunde das Leben ihrer Besitzer in emotionaler Hinsicht enorm und können hier so manche Lücke schließen. ”Beispielsweise ist es für ein Paar wichtig, den Blick nicht nur aufeinander zu richten, sondern auch gemeinsam auf etwas zu schauen – auf ein Kind, oder eben auf ein Haustier”, erläutert Dr. Senger die Vorteile des vierbeinigen ”Ersatzkindes”.Gerti Senger ”Dieser gemeinsame Blick auf etwas anderes verbindet Paare ungemein.” Wenn ein Paar also keine Kinder haben kann oder die Kinder bereits aus dem Haus sind, können ein Hund oder eine Katze diesen enorm wichtigen Aspekt durchaus abdecken. Ebenso erhalten einsame Menschen durch ein Tier einen Lebensinhalt, finden Sinn in ihrem Dasein und leben wieder in einer sozialen Bindung. Da man gerade mit Hunden auf Spaziergängen ja sehr leicht Kontakte zu anderen Hundebesitzern knüpft, fördern die Vierbeiner auch die zwischenmenschlichen Beziehungen und wirken der Einsamkeit somit in doppelter Hinsicht entgegen.

Wer Probleme hat, Gefühle zu zeigen, erhält mit der Liebe zu einem Tier zweifellos eine große Chance. Man lernt, ohne Angst vor Zurückweisung zu lieben, zu vertrauen. ”Das ist wunderbar, wenn die Bindung zum Tier in der Folge auch zwischenmenschliche Beziehungen möglich macht, ein erster Schritt ist, auf jemanden zuzugehen. Es besteht jedoch auch die Gefahr, dass ein Mensch dadurch erst recht in Isolation gerät”, warnt Dr. Senger. ”Gefährlich wird es, wenn zwischen Hund und Besitzer eine Dualunion entsteht, quasi unter dem Motto: Mein Hund und ich gegen den Rest der Welt. Dann lebt man in der Illusion, Tiere sind besser als Menschen, man entfernt sich noch mehr von anderen und manövriert sich in eine Isolation”.

Ob dies passiert oder der Hund ein ”Sprungbrett” für das Lieben an sich darstellt, hängt von der Persönlichkeit und vom Alter des betreffenden Menschen ab. ”Je jünger jemand ist, umso flexibler ist er noch und kann auf andere eingehen. Hier kann die Liebe zum Tier eine Brücke sein, über die man zur zwischenmenschlichen Liebe gelangt. Für manche alte, verbitterte Menschen kann es jedoch auch den totalen Abriss sozialer Beziehungen bedeuten. Obwohl unsere Vierbeiner großartig sind und die Bindung zu ihnen in allen Lebenslagen eine enorme Bereicherung bis hin zur Therapie ist, sollten wir allerdings deswegen nicht auf menschliche Bindungen verzichten wollen”, meint abschließend die Paartherapeutin.

Hunde sind keine Menschen
Sie haben viele ähnliche, aber auch viele andere Bedürfnisse als Menschen. Und im Interesse der psychischen Gesundheit unseres Hundes und im Interesse seines Wohlbefindens sollten wir diese Bedürfnisse daher auch berücksichtigen. Hunde(kinder) haben mit zweibeinigen Kindern vieles gemeinsam: Sie brauchen Liebe, Geborgenheit, Nähe, Körperkontakt, Sicherheit durch den Menschen, dem sie anvertraut sind. Erst auf der Basis dieses Urvertrauens haben junge Hunde den inneren Freiraum, ihre Umwelt eigenständig mit Vorsicht zu erkunden, Erfahrungen zu sammeln. Und dies sollte man ihnen auch ermöglichen. Wird ein Hund nämlich als ”Baby” überbehütet, so führt dies zu einer ”erlernten Hilflosigkeit”, wie die beiden Autoren Heinz Weidt und Dina Berlowitz in ihrem Buch ”Das Wesen des Hundes” (Natur Buch Verlag) ausführen. Sie warnen vor falsch verstandener Fürsorge im Sinne von Überbehütung, die dem Hund Angst macht und die Entwicklung einer ausreichenden Selbstsicherheit verhindert.

PartnerersatzZweifellos sind es in erster Linie Ignoranz, Gleichgültigkeit oder gar Ablehnung, durch die Hundeseelen verkrüppelt werden. Allerdings kann auch missverstandene und übermäßige Tierliebe, die gar nicht dem Tier selbst, sondern einem imaginären Kind oder Partner gilt, den Hund zutiefst irritieren. Weidt/Berlowitz sprechen hier von dem Phänomen des ”psychischen Kettenhundes” mit gravierenden Anhänglichkeitsproblemen.

Ein besonderes Problem stellt sich für den Hund, wenn er als Ersatz für den verlorenen Partner herhalten muss. In einer Partnerschaft herrscht üblicherweise Demokratie. Wird dies auf das Zusammenleben mit dem Hund übertragen, so geht das natürliche sozial geordnete System, in dem der Hund sich wohlfühlt, verloren. Es werden ihm kaum Grenzen gesetzt, er wird mangels Führung verunsichert, kann die Anforderungen an ihn nicht erfüllen und gerät in eine Stresssituation. Mit dem Stress gehen aber auch unerwünschte Verhaltensweisen einher, für die er dann meist bestraft wird. Irritation, Respektlosigkeit, Ignoranz, ja mitunter sogar Aggression von Seiten des Hundes können die Folgen sein. Und auf Seiten des Besitzers die große Enttäuschung über seinen unberechenbaren ”Partner”. Jede Mensch-Hund-Beziehung ist einzigartig, und es wäre vermessen, hier Vorurteile walten zu lassen. In beiderseitigem Interesse sollte die Beziehung jedoch, wie übrigens auch die Beziehung zu Kindern, von folgenden Faktoren geprägt sein: Liebe, Geborgenheit, Konsequenz und klare Regeln.

Hannelore Mezei

 


Probleme mit den Augen

Unterschiedliche Krankheitsschwerpunkte bei Hund und Katze

Probleme mit den Augen
Wenn auch Kurz- oder Weitsichtigkeit bei Vierbeinern nicht das Problem sind, so leiden sie doch unter vielen Augenkrankheiten, die denen des Menschen gleichen oder ident sind. Wir von „mein HAUSTIER“ haben daher Professor Barbara Nell von der Augenklinik der Veterinärmedizinischen Universität Wien zu diesem Thema befragt.

Frage: Sind Hund und Katze gleichermaßen von allen Augenkrankheiten betroffen?

Prof.Nell: Nein, es gibt Unterschiede. Bei Hunden sind vor allem rassebedingte Lidfehlstellungen, Netzhauterkrankungen sowie Grüner und Grauer Star von Bedeutung. Bei Katzen liegt der Schwerpunkt eher auf Infektionen der Binde- und Hornhaut und auf durch Bluthochdruck hervorgerufenen Einblutungen ins Auge. Star-Erkrankungen sind bei der Katze eher selten.

Frage: Kommt Bluthochdruck bei Katzen oft vor?

Prof.Nell: Hoher Blutdruck ist bei älteren Katzen häufig, weil sie eine Neigung zu Erkrankungen der Niere, Schilddrüse und Nebenniere haben und diese Erkrankungen mit hohem Blutdruck einhergehen. Es kommt in der Folge zu Einblutungen ins Auge mit anschließender Netzhautablösung. Dem Tierbesitzer fällt dann auf, dass die Katze schlecht sieht. Das Blut selbst wird für den Tierhalter erst dann sichtbar, wenn es in der Augen-Vorderkammer angekommen ist. Eine internistische Abklärung und Blutdruckmessung ist unbedingt notwendig, damit die Grunderkrankung behandelt und der Blutdruck gesenkt werden kann.

Frage: Welche Hunderassen sind von Lidfehlstellungen besonders oft betroffen?

Prof.Nell: Kurzköpfige Rassen wie Mops, Pekinese, Shi Tsu und Lhasa Apso haben eine zu große Lidspalte, wodurch es zum Entropium nasale kommt. Das heißt, das Unterlid rollt sich nach innen und scheuert auf der Hornhaut; Tränenfluss bis hin zu chronischer Entzündung ist die Folge. Bei größeren Hunderassen wie Deutsche Dogge, Bloodhound oder Basset ist die Lidspalte oft zu lang und die betroffenen Tiere leiden unter einer Mischung aus Entropium und Ektropium: In der Mitte hängt das Unterlid herunter und nasenwärts rollt es sich nach innen. Sowohl Ektropium als auch Entropium können durch eine unkomplizierte Operation behoben werden.

Frage: Wie problematisch sind Netzhauterkrankungen beim Hund?

Prof.Nell: Sehr problematisch, denn Hunde können schlechtes Sehen ziemlich lange gut kompensieren. Daher fällt es den Hundehaltern meist erst auf, wenn das Tier schon fast ganz blind ist und bereits der Großteil der Netzhaut kaputt ist. Wir unterscheiden eine genetisch bedingte Degeneration der Netzhaut – diese ist unheilbar – und eine entzündlich bedingte. Da das Auge extrem stark durchblutet ist, ist letztere oft die Folge von Infektionen und Stoffwechselstörungen, die über den Blutweg das Auge erreichen. Die Schäden der entzündlich bedingten Netzhauterkrankung sind jedoch behandelbar, wenn die Therapie rechtzeitig einsetzt. Andernfalls kommt es zur langsamen Erblindung.

Probleme mit den AugenFrage: Es kommt aber doch auch vor, dass ein Tier plötzlich erblindet. Was ist die Ursache dafür?

Prof.Nell: Eine plötzliche Erblindung wird meist durch Tumoren hervorgerufen, aber auch bei Staupe oder bei der durch Zecken übertragenen Gehirnhautentzündung (FSME) kann es dazu kommen.

Frage: Frau Professor Nell, sind Sie als Vorstand der Augenklinik für Tiere sehr oft mit der Diagnose „Grauer Star“ konfrontiert?

Prof.Nell: Ja, Grauer Star (Katarakt) ist eine bei Hunden weit verbreitete Augenerkrankung. Einerseits weil auch Hunde durch die gute Betreuung immer älter werden, andererseits gibt es auch genetisch bedingte Katarakte. Deswegen gibt es in vielen Hundeclubs eine verpflichtende Untersuchung der Elterntiere vor der Zucht.

Frage: Was passiert beim Grauen Star?

Prof.Nell: Beim Grauen Star handelt es sich um eine Trübung und Formveränderung der Linse und Linsenkapsel. Prinzipiell unterscheidet man Primärstar und Folgestar. Der Primärstar tritt unabhängig von anderen Erkrankungen des Auges oder des Gesamtorganismus auf und ist in den meisten Fällen erblich bedingt. Er kann schon in jugendlichem Alter in Erscheinung treten oder auch erst später. Auch die meisten Fälle vom sogenannten Altersstar sind erblich bedingt. Der Altersstar beginnt mit einer Trübung des Linsenkernes, die nur langsam fortschreitet. Es dauert manchmal Jahre, bis die vollständige Erblindung eintritt. Der Folgestar tritt - wie schon der Name sagt - als Folge von Augenerkrankungen oder Erkrankungen des Gesamtorganismus, wie zum Beispiel Zuckerkrankheit, auf. Aber auch Vergiftungen und Verletzungen (z. B. Katzenkrallenverletzungen) können zum Grauen Star führen. Probleme mit den AugenBei Katzen gibt es eine Sonderform des Grauen Stars, bei der durch den Erreger „Encephalitozoon cuniculi“ schon Embryos befallen werden. Die Welpen kommen dann schon mit beginnendem Grauen Star auf die Welt. Ohne Operation erblinden sie bereits im jugendlichen Alter.

Frage:Wann ist der beste Zeitpunkt für die Star-Operation?

Prof.Nell: Jeder graue Star sollte möglichst frühzeitig operiert werden, damit die Linsenkapsel noch durchsichtig ist. Mit dem Fortschreiten des Grauen Stars trübt sich die Kapsel ein und die Kunstlinse kann nicht mehr in den natürlichen Linsensack implantiert werden. Es sollte jedoch vor der Operation darauf geachtet werden, ob Sehnerv und Netzhaut noch keinen Schaden gelitten haben. Andernfalls wäre die Operation vergeblich.

Frage:Was geschieht bei der Staroperation und unterscheidet sich die Operation bei Tieren von der bei Menschen?

Prof.Nell: Man wendet beim Tier die gleiche Methode an wie beim Menschen. Mit einem winzigen Schnitt - nur 3 1/2 mm - eröffnet man Hornhaut und Linsenkapsel. Dann fährt man mit einer Ultraschallspitze in den Linsensack und zertrümmert mit Ultraschall das Linseneiweiß, welches mit einer Spülflüssigkeit herausgespült wird. In den verbliebenen, durchsichtigen Kapselsack wird jetzt die Kunstlinse implantiert. Die Kunstlinse aus Silikon wird zusammengefaltet ins Auge eingesetzt und entfaltet sich dort selbst.

Frage: Für welche Tiere gibt es eigentlich Kunstlinsen?

Prof.Nell: Kunstlinsen gibt es für Hunde, Katzen und Pferde, wobei Hunde die häufigsten Empfänger sind.

Probleme mit den AugenFrage: Es gibt ja auch noch die Möglichkeit der Staroperation ohne Kunstlinse. Was macht den Unterschied für das Tier?

Prof.Nell: Ja es besteht auch die Möglichkeit, nur die getrübte Linse zu entfernen und auf das Einsetzen der Kunstlinse zu verzichten - eventuell aus finanziellen Gründen oder wenn bei einem weiter fortgeschrittenem Star die Linsenkapsel bereits eingetrübt ist. Der Hund sieht dann zwar wieder, ist aber weitsichtig und sieht in der Nähe nur verschwommen. Setzt man aber die Kunstlinse ein, dann sieht der Hund auch in der Nähe scharf, erkennt also auch den Ball vor seiner Nase.

Frage: Was passiert, wenn man den Grauen Star nicht operiert?

Prof.Nell: Wenn die Erkrankung fortschreitet, quillt die Linse auf und kann den Abfluss des Kammerwassers ( Flüssigkeit im Auge ) beeinträchtigen und so bei Tieren mit Glaukombereitschaft einen Grünen Star auslösen, was sehr gefährlich ist. Ist der Graue Star dann überreif, wird die Linse durchlässig und das Linseneiweiß tritt ins Auge aus. Schwere entzündliche Erkrankungen des inneren Auges sind die Folge. Meist ist dann nur noch das Herausnehmen des ganzen Auges möglich. Es ist daher wirklich wichtig, den Grauen Star möglichst frühzeitig zu operieren.

Frage: Warum sind gerade zuckerkranke Tiere besonders gefährdet für Grauen Star?

Prof.Nell: Bei diabetischen Tieren quillt durch den überschüssigen Zucker im Organismus das Linseneiweiß, es entsteht sehr schnell eine Katarakt. Man sollte möglichst bald operieren.

Frage: Ebenfalls sehr gefürchtet bei Tierbesitzern, vor allem Hundehaltern, ist der Grüne Star. Wie erkennt man ihn und was kann man dagegen machen?

Prof.Nell: Der Grüne Star (Glaukom) entsteht durch eine Störung im Abflusssystem des Auges, sodass das Kammerwasser aus der vorderen Augenkammer nicht abfließen kann, wodurch sich der Augeninnendruck erhöht. Der Augapfel vergrößert sich und die gesamte Augenoberfläche ist getrübt. Durch den hohen Druck im Auge wird die Netzhaut zerstört, was sehr rasch zur Erblindung des betroffenen Tieres führt.

Frage: Was fällt dem Tierhalter auf?

Prof.Nell: Glaukomkranke Tiere haben gerötete Augen, weite Pupillen und erhöhten Augendruck. Bei allen entzündlich erscheinenden Augenveränderungen sollte man auch ans Glaukom denken und es vom Tierarzt sehr genau abklären lassen. Leider ist die Therapie beim Grünen Star bei Tieren noch sehr unbefriedigend; die Methoden, die beim Menschen angewendet werden, funktionieren beim Tier nicht.

Frage: Aber welche Möglichkeiten der Glaukom-Therapie beim Hund gibt es dann?

Prof.Nell: Man kann es mit dem Lasergerät versuchen. Wir lasern den Ciliarkörper, also das Organ, das das Augenwasser produziert. Durch die Zerstörung des Ciliarkörpers mit dem Laser dämmen wir die Flüssigkeitsproduktion des Auges ein. Aber auch hier ist der Erfolg sehr oft nicht zufriedenstellend. Es bleibt dann nur die Möglichkeit das Auge herauszunehmen. Wobei man sagen muss, dass die Tiere in den meisten Fällen ohnehin schon blind waren, weil der hohe Augeninnendruck die Netzhaut zerstört hat.

Frage: Brauchen die Tiere nach den genannten Operationen einen Klinikaufenthalt und wann ist wieder normale Bewegung erlaubt?

Prof.Nell: Die Tiere können nach allen genannten Eingriffen am selben Tag wieder nach Hause gehen; nur Tiere mit schweren Allgemeinerkrankungen, wie zum Beispiel Diabetes, müssen noch einen Tag zur Kontrolle an der Klinik bleiben. Die operierten Vierbeiner bekommen eine Halskrause und müssen zwei Wochen an der Leine gehen.

Frage: Ist auch eine Nachbehandlung notwendig?

Prof.Nell: Ja, die Tierbesitzer müssen über einen längeren Zeitraum täglich Augentropfen verabreichen, manchmal sogar lebenslang. Die gewissenhafte Nachbehandlung mit den Augentropfen ist beinahe ebenso wichtig wie die Operation selbst.


Krankes Frettchen

Oft sind die Hormone schuld

Frettchen
Zu Jagdzwecken – ihrer ursprünglichen Verwendung – werden Frettchen heute nur mehr selten eingesetzt. Als Heimtiere werden sie jedoch immer beliebter, was zur Folge hat, dass inzwischen auch Frettchen zum fixen Bestandteil der tierärztlichen Sprechstunde gehören. Die häufigsten Erkrankungen beim Frettchen werden durch hormonelle Störungen ausgelöst.

Lebensgefährliche Blutarmut durch Dauerranz

Der Eisprung bei der Fähe (weibliches Frettchen) wird erst durch den Deckakt ausgelöst. Werden Fähen während ihrer Brunst nicht gedeckt, so unterbleibt der Eisprung und die Tiere können über einige Monate brünstig bleiben, was zu einem sehr hohen Östrogenspiegel im Blut führt. Dieser kann nach einiger Zeit eine Knochenmarkdepression bewirken, so dass die Bildung von roten und weißen Blutzellen und den zur Blutgerinnung nötigen Blutplättchen unterdrückt wird. In der Folge kommt es zu lebensgefährlichen Zuständen mit Abmagerung, Appetitlosigkeit, punktförmigen Blutungen in die Haut, blassen Schleimhäuten, Schweratmigkeit und Blutstuhl. Neben der in der Dauerranz bleibend vergrößerten Vulva fällt auch noch symmetrischer Haarausfall auf. Bis vor kurzem war die chirurgische Kastration die Therapie der Wahl; jedoch starben viele der betroffenen Tiere, da sie für die Operation schon zu geschwächt waren.

Überfunktion der Nebenniere nach chirurgischer Kastration

Da Frettchen zweimal im Jahr bis zu 13 Junge werfen können, entscheiden sich viele Frettchen-Halter zur Kastration ihrer Tiere. Die chirurgische Kastration führt jedoch oft zu unerwünschten und gefährlichen Nebenwirkungen. So wird zum Beispiel die Überfunktion einer oder beider Nebennieren häufig durch die chirurgische Kastration ausgelöst und geht dann mit einer exzessiven Produktion von Sexualhormonen einher. Kastrierte Fähen und kastrierte Rüden sind gleichermaßen davon betroffen. Das Krankheitsbild betroffener weiblicher Tiere ähnelt dem der Dauerranz unkastrierter Weibchen. FrettchenAuffallend sind wieder Haarausfall und Vulvaschwellung. Auch eine Intensivierung des Körpergeruchs, Juckreiz und ein wiederkehrendes Sexualverhalten können bemerkt werden. Beim männlichen Frettchen kann es durch den hormonellen Einfluss außerdem auch noch zu einer Vergrößerung der Prostata und dadurch bedingt zu Schwierigkeiten beim Harnabsatz kommen. Bis vor kurzem bestand die Therapie in der operativen Entfernung der betroffenen Nebenniere.

Neue Therapie bei Dauerranz und Nebennierenüberfunktion

Das bei Hunden und Katzen schon bewährte Implantat „Suprelorin“ wird mit gutem Erfolg auch zur Behandlung der Dauerranz bei Frettchenfähen und zur Therapie der Nebennierenüberfunktion bei männlichen und weiblichen Tieren eingesetzt. Das Implantat führt zu einer vorübergehenden Unterdrückung der Produktion von Sexualhormonen, was als „hormonelle Kastration“ bezeichnet wird. Das reiskornkleine Implantat wird wie eine Impfung unter die Haut gespritzt. Bei der Dauerranz löst Suprelorin zuerst den Eisprung aus und führt anschließend zur hormonellen Kastration der Fähe, wobei beim Frettchen die Wirkung 17 bis 27 Monate anhält. Bei Tieren mit Nebennierenüberfunktion führt die Implantation zu einer deutlichen Besserung bis hin zum Verschwinden der klinischen Symptome und stellt eine überlegenswerte Alternative zur operativen Entfernung der Nebennieren dar.

Unblutige Kastration auch beim Frettchen möglich

Sowohl männliche als auch weibliche Hunde werden seit einigen Jahren routinemäßig mit dem Suprelorin-Implantat unblutig und reversibel kastriert. Dies ist auch bei Frettchen möglich. Bei weiblichen Frettchen wird durch die Implantation außerhalb der Brunstzeit kurzzeitig eine Ranz ausgelöst, bevor es zum Kastrationseffekt kommt. Bei Behandlung von Fähen in der Ranz kommt es zur Auslösung des Eisprunges und im Anschluss zur hormonellen Kastration. Das Implantat kann beim Frettchenrüden jederzeit gesetzt werden und führt zur reversiblen Unfruchtbarkeit. Ist das implantierte Stäbchen nach 17 bis 27 Monaten aufgebraucht, ist der Rüde wieder fruchtbar und deckfähig. Allgemeine Informationen über Frettchen gibt es auch unter www.frettchenhilfswerk.at

Dr. Herta Puttner / Fachtierärztin für Kleintiere