Archiv Ausgabe 07/08 2011

Hier finden Sie ausgesuchte Artikel der Juli/August Ausgabe 2011

Ausgabe 07/08

Chronische Schmerzen beim Hund

Auf Körpersprache und Verhalten achten!

Vierbeinige Scheidungsweisen

Trennung von Herrchen und Frauchen tut weh

Blutkonserven retten Hundeleben

Tiermedizinische Universität Wien sucht Spenderhunde

Lymphdrainage hilft auch Tieren

Entschlackend, entstauend, schmerzlindernd

 

 

 

 


Chronische Schmerzen beim Hund

Auf Körpersprache und Verhalten achten!


Krebs

Frau Doktor, ich weiß mir mit dem Tommy nicht mehr zu helfen; er war immer so ein fröhlicher, geselliger und folgsamer Hund. Seit einiger Zeit zieht er sich zurück, bleibt einfach liegen, wenn ich ihn rufe und will auch nicht mit anderen Hunden spielen. Ins Auto springt er mir auch nicht mehr. Ich glaube, der Tommy braucht den Hunde-Psychologen.“ Tommys Herrchen hat zwar gut beobachtet, aber falsch interpretiert. Das veränderte Verhalten des siebenjährigen Labradors ist nicht auf psychische
Probleme zurückzuführen, sondern auf chronische Schmerzen, hervorgerufen
durch Arthrosen beider Hüftgelenke. Bessys Frauchen weiß schon seit längerem, dass die zwölf Jahre alte Hündin an einer schweren Arthrose des Ellbogens und der Schulter leidet und große Schmerzen hat. Dummerweise hat Bessy - wie viele
alte Hunde - auch ein Herz- und Nierenproblem, das sich durch die Einnahme gängiger Schmerzmittel verschlechtern würde.
Boxer Nico ist gegen ein Auto gerannt und hat Glück im Unglück gehabt: Nur Prellungen; trotzdem tun diese höllisch weh. Aber welches Schmerzmittel kann man Nico geben? Er hat doch ein Leberleiden!

Neues Schmerzmittel belastet Organismus nicht

Schmerzbekämpfung von Anfang an ist ein wesentlicher Teil jeder Therapie; denn Schmerzen sind zwar zunächst die Folge der Krankheit, verstärken diese im weiteren Verlauf aber noch. Der Grund dafür ist, dass wiederholte Schmerzreize im Gehirn zur Schmerzsensibilisierung führen. Dadurch verstärken sich die Schmerzen - mit allen negativen Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf! Leider haben viele Schmerzmittel Nebenwirkungen auf Herz, Niere und Leber – Organe, die bei älteren Tieren häufig schon vorgeschädigt sind. Das ist deshalb so, weil für die Entstehung der Schmerzen bestimmte Enzyme verantwortlich sind, die sich bei Entzündung oder Verletzungen bilden. Die Wirkung von Schmerzmitteln beruht auf der Unterdrückung dieser Enzyme. Da aber einige davon auch eine Schutzfunktion für die Schleimhaut des Magens und des Darmes sowie für die Nieren ausüben, war es notwendig, ein neues Präparat (Cimalgex-Tabletten für Hunde) zu entwickeln, welches gezielt nur die schmerzauslösenden Enzyme hemmt, jedoch die Enzyme mit Schutzfunktion für den Organismus nicht beeinträchtigt. Cimalgex-Tabletten können daher auch bei Tieren mit Herz-, Nieren- und Leberschäden angewendet werden. Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass diese Tabletten auch bei Chronischer Niereninsuffizienz gut verträglich sind, da der Wirkstoff hauptsächlich über die Leber ausgeschieden wird. Trotzdem kann auch Boxer Nico mit den neuen Schmerztabletten behandelt werden, weil verschiedene Studien gezeigt haben, dass selbst bei zwanzigfacher Überdosierung keine Veränderungen der Leberwerte eintreten.

Neue Tabletten auch für Allergiker geeignet
„Ja, aber wird der Tommy das neue Schmerzmittel auch vertragen? Er hat von klein auf eine Futtermittelallergie und verträgt nicht alles“, ist Tommys Herrchen skeptisch. Doch die Tierärztin kann beruhigen: Der Geschmacksstoff der neuen Schmerztabletten ist durch das spezifische Herstellungsverfahren hypoallergen, da seine Molekülgröße wesentlich unter der von Nahrungsmittelallergenen liegt. Trotzdem schmecken die Tabletten gut wie Leckerli. Und noch ein Vorteil: Die Tabletten brauchen nur einmal täglich – unabhängig von der Fütterung – verabreicht werden.

Dr. Herta Puttner Fachtierärztin für Kleintiere


Vierbeinige Scheidungsweisen

Trennung von Herrchen und Frauchen tut weh

 

Wenn märchenhafte Liebesgeschichten zum Albtraum werden und vor dem Scheidungsrichter enden, haben Hund und Katze häufig schlechte Karten. Besonders in kinderlosen Partnerschaften nimmt der vierbeinige Liebling oftmalig die Rolle ein, die ehemals dem Nachwuchs zugedacht war. Kommt es zur Trennung, sind Herzschmerz und der Streit um die Obsorge für das Tier vorprogrammiert. „mein Haustier“ hat Dr. Eric Heinke zu einem Interview gebeten. Dr. Heinke (www.heinke.at) ist seit 1988 Rechtsanwalt in Wien und u.a. im Familienrecht tätig. Als Mitglied des Ausschusses der Rechtsanwaltskammer Wien befasst er sich häufig mit der Begutachtung von Gesetzesvorhaben als auch mit Rechtsfragen betreffend Tiere. Privat ist Dr. Heinke langjähriger und mehrfacher „Katzenvater“.

 

Frage: Was sieht das Recht bei Scheidung bzw. Trennung der Partner vor. Wer bekommt den gemeinsamen Hund bzw. die Katze?

Dr. Heinke: Tiere sind zwar keine Sachen, es gelten aber die Vorschriften für Sachen, sofern es keine abweichenden Bestimmungen (z.B. Schadenersatz) gibt. Einer Aufteilung nach einer Scheidung unterliegt nur jenes Tier, das während der Ehe angeschafft wurde. Jenes, das man vorher schon hatte, das geerbt oder nur einem von 3. Seite geschenkt wurde oder zur Berufsausübung dient (z.B. Lawinenhund) unterliegt nicht der Aufteilung. Bei einer einvernehmlichen Scheidung oder Trennung ist es Vereinbarungssache, wer das Tier bekommt. Bei einer Aufteilung hat der Richter nach Billigkeit zu entscheiden: Bekommen wird das Tier daher, sofern kein Gebrauchstier (z.B. Blindenhund), wer die stärkere emotionale Bindung, aber auch zukünftig die besseren Fürsorge- und Haltungsmöglichkeiten nachweisen kann.

Frage: Gibt es Unterhaltszahlungen und Besuchsrecht für Tiere?

Dr. Heinke: Nein, es kann aber im Zuge einer Trennung oder einvernehmlichen Scheidung vereinbart werden. Vorstellbar wäre, dass ein Richter als Ausfluss der Billigkeitserwägungen bei einer Aufteilung aufgrund gleich gewichteter Kriterien auch ein „Besuchsrecht“ anordnet. Bekannt ist mir eine solche Entscheidung aber nicht.

Frage: Werden gerichtliche Entscheidungen im Interesse des Tieres gefällt?

Dr. Heinke: Sicherlich immer, wenn es um Fürsorge- und Haltungsbedingungen geht. Da emotionale Bindungen des Menschen zum Tier ebenso eine entscheidungswesentliche Rolle spielen, wird auch hier indirekt im Interesse des Tieres entschieden werden.

Frage: Wie häufig sind in der Praxis „Rosenkriege“ um Vierbeiner?

Dr. Heinke: Ein Blick in die Judikatur zeigt nur ganz wenige Präzedenzfälle. Ich selbst kenne in meiner mehr als 20-jährigen Praxis nur einen einvernehmlich geregelten Fall.

Frage: Können Sie uns von diesem besonderen Fall erzählen?

Dr. Heinke: Wie gesagt, wurde dies einvernehmlich wie folgt geregelt: Der Mann und die Frau sind gemeinsam Eigentümer eines Labradors. Im Hinblick darauf, dass der Hund tunlichst weiter in seiner vertrauten Umgebung, nämlich insbesondere im „Ort“ leben soll, überträgt die Frau ihr Miteigentumsrecht an dem Hund hiermit an den Mann, sodass dieser fortan Alleineigentümer des Hundes ist. Dafür räumt der Mann der Frau ein weitgehendes Besuchsrecht hinsichtlich des Hundes ein, das einvernehmlich ausgeübt wird. Während der Besuchsrechtsausübung trägt die Frau sämtliche Kosten für die artgerechte Haltung des Hundes; sie ist währenddessen vom Mann auch ermächtigt, notwendige tierärztliche Maßnahmen auf Kosten des Mannes anzuordnen.

Frage: Was raten Sie Paaren im Trennungsfall bezüglich der Obsorge für das gemeinsame Tier?

Dr. Heinke: Es soll Vernunft walten: Wer aufgrund der Wohnsituation nach der Trennung die artgerechtere Haltung ermöglichen kann und mehr Zeit für die persönliche Betreuung hat, sollte primär das Tier behalten. Dem anderen wäre aber ein extensives Besuchsrecht einzuräumen, was auch bei Urlaub oder Krankheit hilfreich sein kann.

Sensibilität und Verantwortung zeigen
Belastungen aus dem menschlichen Lebensumfeld gehen auch an unseren Tieren nicht spurlos vorüber. Hund und Katze sind feinfühlige Lebewesen und Meister im Lesen unserer Körpersprache. Sie erkennen negative Stimmungen und drohenden Streit bereits im Vorfeld, empfinden Stress und können dadurch seelischen Schaden erleiden. Auch sorgen die Veränderungen im Tagesablauf, mit denen Hund und Katze bei einer Trennung der Halter konfrontiert werden, für Verwirrung und beeinträchtigen die Mensch-Tier-Beziehung. Kommen Heimtiere mit den Ereignissen im Alltag nicht mehr zurecht, dann zeigen sie uns dies in ihren Verhaltensweisen, wie Unsauberkeit, Harnmarkieren, Destruktivität, Aufmerksamkeit forderndem Verhalten, Nervosität oder Unfolgsamkeit. Besonders sind Sie als „Katzen- oder Hundeeltern“ gefragt: Denn es liegt in Ihrer Verantwortung, wie stressfrei Ihr vierbeiniger Liebling die Trennung übersteht. Bedenken Sie, dass auch Tiere den Verlust eines Sozialpartners schmerzhaft empfinden und ebenso wie Kinder niemals zum Streitobjekt werden sollten.


Blutkonserven retten Hundeleben

Tiermedizinische Universität Wien sucht Spenderhunde


Blut ist ein existentieller Bestandteil des Lebens. Wie der Mensch, so kann auch jeder Hund heute oder morgen in eine Situation kommen, in der nur eine Bluttransfusion sein Leben retten kann. Kaum ein Hundebesitzer würde in einer solchen Notlage eine Bluttransfusion für seinen eigenen Hund ablehnen. Machen wir uns aber bewusst, dass Blut, das in jedem Organismus grundlegende und für das Leben unverzichtbare Funktionen zu erfüllen hat, sich auch heutzutage nicht künstlich herstellen lässt, sondern dass vorhandene Blutkonserven und die Möglichkeit einer Transfusion auch in der Tiermedizin immer einen Spender voraussetzen!

Die Blutbank der Veterinärmedizinischen Universität Wien soll eine bedarfsgerechte und kontinuierliche Blutkonservenversorgung der Universitätsklinik sicher stellen - eine Aufgabe, die nur mit einer ausreichend großen Anzahl von freiwilligen Spendertieren zu erfüllen ist. Das Magazin „mein Haustier“ sprach mit Dr. Nadja Affenzeller von der Internen Klinik für Kleintiere der Veterinärmedizinischen Universität Wien über die vielfältigen Aufgaben und Möglichkeiten der klinikeigenen Blutbank und deren Versorgung mit regelmäßigen Blutspenden.

Frage: Frau Dr. Affenzeller, in welchen Notfällen können Blutkonserven lebensrettend sein?

Dr. Affenzeller: Da sind Notfälle mit akutem Blutverlust zu nennen; beispielsweise bei Hunden, die in einen Autounfall verwickelt waren oder bei schweren Verletzungen mit offenen Blutungen. Zudem darf man keinesfalls die Einsatzgebiete unterschätzen, die mit Blutparasiten zu tun haben. Das sind Fälle, in denen Parasiten die roten Blutkörperchen zerstören und dadurch ebenfalls eine Blutarmut verursachen. Hinzu kommt eine Form der Bluttransfusion, in der nur das Blutplasma (Bluteiweiß und Gerinnungsfaktoren) übertragen wird. Dies geschieht bei schweren Magen- Darm-Erkrankungen, z.B. Parvovirose beim Hund. Diese betrifft Welpen ab sechs Wochen, die eine lebensbedrohende, aber heilbare Darmentzündung haben! Diese Patienten brauchen Blut in Form von Eiweiß. Darüber hinaus haben wir natürlich noch den Einsatz bei Vergiftungen. Das klassische Beispiel ist Rattengift, das beim Hund schwere Blutungen hervorrufen kann, die eine sofortige Vollbluttransfusion erforderlich machen. Und zudem gibt es Tiere, die unter immunbedingten Krankheiten leiden also durch das eigene Abwehrsystem verursacht - bei denen z.B. nur die roten Blutkörperchen zerstört werden. In diesem Fall werden dann auch nur rote Blutkörperchen transfundiert. Das heißt, wir haben je nach Einsatzbereich drei verschiedene Möglichkeiten: Wir können erstens Vollblut transfundieren, bestehend aus den zellulären Bestandteilen und dem Blutplasma, zweitens können wir nur die zellulären Bestandteile, hier vor allem die roten Blutkörperchen, verwenden, und zum dritten besteht die Option, nur das Blutplasma zu transfundieren.

Frage: Wie sieht denn der Weg des Blutes vom Spender zum Empfänger aus?

Dr. Affenzeller: Die Blutabnahme selbst wird an der Vena jugularis, das ist die große Halsvene beim Hund, durchgeführt. Bis eine Einheit, das heißt eine Konserve, voll ist, vergehen im Durchschnitt fünf Minuten, länger nicht. Diese Konserve ist ein in sich geschlossenes System, das nur einmal verwendet wird. Es handelt sich dabei um sterile Einmalbeutel, wie sie auch in der Humanmedizin verwendet werden. Für den Spender besteht somit keine Infektionsgefahr. Die Konserven werden dann entweder sofort weiterverwendet, wenn ein Empfänger wartet, oder die Blutspende wird eingelagert. Dazu wird dieser Beutel, versehen mit einem Mittel gegen Blutgerinnung, in einem eigenen Kühlschrank gekühlt für einen Einsatz zu einem späteren Zeitpunkt. Wenn wir einzelne Komponenten benötigen, Plasma oder eben nur rote Blutkörperchen, können wir das Plasma alternativ sofort nach der Abnahme abzentrifugieren, um so die zellulären Bestandteile vom Blutplasma zu trennen. Das Plasma wird entweder bei minus 20 Grad eingefroren oder eben gleich benötigt. Die zellulären Bestandteile kann man nicht tieffrieren, diese müssen im Kühlschrank aufbewahrt werden. Der Vorteil von Plasma ist, dass wir es bis zu vier Jahren lagern könnten, aber wir haben nie so viel, dass uns das passieren würde. Für alle zellulären Bestandteile liegt die maximale Haltbarkeit bei nur vier Wochen.

Frage: Und das wird auch innerhalb dieser vier Wochen verwendet, also wirklich so oft benötigt?

Dr. Affenzeller: Ja, wir kommen sicher nicht in die Verlegenheit, nicht benötigtes Blut entsorgen zu müssen. Der Bedarf ist in den letzten Jahren durch die doch sehr fortgeschrittenen therapeutischen und diagnostischen Möglichkeiten kontinuierlich gestiegen. Wir können im Jahr auf etwas mehr als 100 Blutspenden zurückgreifen. Das heißt nicht, dass wir 100 verschiedene Spender haben, sondern die meisten kommen mehrere Male im Jahr. Wir haben in unserer Datenbank ca. 30 bis 40 Spenderhunde, von denen auch einige aus den Bundesländern kommen.

Frage: Ist das nicht zu wenig?

Dr. Affenzeller: Ja, es ist leider zu wenig; wir bräuchten wesentlich mehr Spenderhunde.

Frage: Dabei sind die Voraussetzungen, als Blutspender in die Datenbank aufgenommen zu werden, ja in keinster Weise unüberwindbar...

Dr. Affenzeller: Sicher nicht, aber den wenigsten Menschen ist bewusst, wie wichtig diese Blutkonserven sind. Das Bewusstsein, dass auch Tiere Blut als stabilisierende lebensrettende Notfallmaßnahme brauchen, ist zu wenig vorhanden. Und somit sagen leider viel zu wenig Hundebesitzer „Ja, ich nehme meinen Hund und ich gehe mit ihm zum Blutspenden. Ich investiere diese Zeit.“ Glücklicherweise sind ein Großteil unserer Spender auch wirklich Notfallspender. Das sind Leute, die in der Nähe wohnen und gewillt sind auch um drei Uhr in der Früh zu kommen. So können wir auch Akutfälle versorgen, wenn kein Vorrat vorhanden ist. Es steckt sehr viel Engagement dahinter. Sowohl von den Mitarbeitern hier in der Klinik als auch von den Tierbesitzern.

Frage: Dieses Engagement ist immer deutlich spürbar. Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen, wie die Spenderhunde hier im Haus verwöhnt werden...

Dr. Affenzeller: Mein oberstes Ziel ist, dass ich einen Blutspender nicht nur einmal sehe. Nur dann kann ich ihm auch die beste ärztliche Überwachung gewährleisten. Im Rahmen der Blutspende finden ja für den Besitzer kostenfreie Kontrolluntersuchungen des Spenderhundes statt. Dazu gehört auch ein kleines Blutbild, das Auskunft über die Anzahl der roten und weißen Blutkörperchen gibt und somit mögliche Störungen im blutbildenden System aufdecken könnte. Auch wichtige Organparameter für Niere und Leber werden kontrolliert; bei eventuellen Abweichungen könnte man gleich genauer nachschauen. Es ist zudem mein persönliches Interesse, meine Spender gut überwacht zu haben und zu wissen, dass alles passt. Bei uns wird auch kein Hund sediert oder in Narkose gelegt, d.h., der Hund muss die Bereitschaft haben, ein paar Minuten liegen zu bleiben. Über 95% aller Hunde akzeptieren das problemlos und ich kann fast jedem Besitzer die Furcht, der eigene Hund sei sicher zu wild für eine Blutspende, nehmen. Das, was dem Hund von seinem Besuch hier in Erinnerung bleibt, sind das Futter und die Leckerli, die er reichlich bekommt und natürlich die Zuwendung von allen Beteiligten. Der Nadelstich ist für den Hund kaum eine Belastung.

Frage: Letztlich ist es also so, dass eine Blutspende auch dem Spender nicht zu unterschätzende Vorteile bringt …

Dr. Affenzeller: Zusätzlich zu dem gesundheitlichen Vorsorgeaspekt wird auch die Blutgruppe des Hundes bestimmt und in einem persönlichen Blutspenderausweis festgehalten. Das kann im Notfall lebenswichtige Zeit sparen. Die gespendete Blutmenge kann vom Organismus schnell wieder ausgeglichen werden und es ist uns ganz besonders wichtig, dass sich jeder Spender bei uns wohlfühlt und von unserem Team gut versorgt wird, denn eines ist sicher: Wenn ein Hund einen Beutel Blut füllt, dann rettet er damit ein Leben!

Interview geführt von Mag. Kerstin Piribauer


Lymphdrainage hilft auch Tieren

Entschlackend, entstauend, schmerzlindernd

Die Überprüfung der wichtigsten Lymphknotenareale gehört auch bei Vierbeinern zur Standarduntersuchung beim Tierarzt.
Ein intaktes Lymphgefäßsystem (LGS) ist für den Organismus von großer Bedeutung, da es wichtige Aufgaben erfüllt.

Wie es funktioniert

Das Lymphgefäßsystem ist ein Drainagesystem, es transportiert die Lymphe von der Peripherie in den venösen Blutkreislauf. Im Lymphgefäßsystem wird die lymphpflichtige Last (Plasma, Eiweiße, Fette, Zellen, Fremdpartikel wie Bakterien, Kohlenstaub und Glasstaub) weitertransportiert. Man kann das Lymphgefäßsystem als Sicherheitsventil betrachten, denn die Flüssigkeiten, die venös nicht abfließen können, werden lymphpflichtig. Solange das Lymphgefäßsystem, welches über eine sogenannte funktionelle Reserve verfügt, die lymphpflichtige Last bewältigen kann, ist alles in Ordnung. Sollte diese jedoch die Transportkapazität des LGS übersteigen, kommt es zu einem Ödem (Wasseransammlung im Gewebe) (siehe Bild 1).

Manuelle Lymphdrainage
Dies ist eine physikalische Therapieform, bei der mittels einer speziellen Massagetechnik der Lymphabfluss angeregt wird. Die überaus diffizile Technik ist kaum mit anderen Massagetechniken zu vergleichen. Durch kreisförmige Verschiebetechniken, welche stets mit sanftem Druck angewendet werden, wird Flüssigkeit aus dem Gewebe in das Lymphgefäßsystem verschoben. Grundsätzlich handelt es sich um Kreisbewegungen, bei denen die Haut verschoben wird. Im Gegensatz zu anderen Massagearten wird nie über die Haut gestrichen. Ein Haupteinsatzgebiet der manuellen Lymphdrainage sind Ödeme, also Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe. Es können aber auch Narben und Verhärtungen mittels Spezialgriffen gelockert werden.

So wirkt manuelle Lymphdrainage
Während der Behandlung wird die Lymphbildung erhöht und die Massage beschleunigt die Füllung und Entleerung der Lymphkapillaren. Es kommt zu einer verstärkten Kontraktion der Lymphgefäße und in weiterer Folge zu einer Abfuhr angestauter Flüssigkeit aus dem Gewebe. Manuelle Lymphdrainage wirkt beruhigend und entspannend auf die quergestreifte Muskulatur, schmerzlindernd, entzündungshemmend und beschleunigt den Heilungsprozess. Außerdem unterstützt diese Behandlungstechnik die Immunabwehr, fördert die Verdauung und den Milchsäureabbau und wirkt zusätzlich entschlackend. Einsatzgebiete sind orthopädische und traumatische Erkrankungen, die mit einer Schwellung des Gewebes einhergehen. Nach Operationen hilft manuelle Lymphdrainage, das geschwollene Gewebe zu entstauen. In der Veterinärmedizin wird manuelle Lymphdrainage immer häufiger angewendet, zum Beispiel bei Leistungspferden oder der intensivmedizinischen Behandlung von Hund und Katze (siehe Bild 2).

Voraussetzungen für die Behandlung
Die Therapieeinheit sollte nach Möglichkeit in ruhiger Umgebung stattfinden, damit sich der tierische Patient entspannen und die Berührung mit den Händen bewusst wahrnehmen kann. Weiterhin gilt es, die Therapie nicht zu unterbrechen und anschließend eine Phase des Nachruhens zu ermöglichen (ca. 20 min). Öle, Cremes oder Ähnliches werden nicht verwendet, da das Rutschen über die Haut nicht erwünscht ist. Die Griffe müssen rhythmisch und „monoton“ ausgeführt werden und dürfen nie schmerzhaft sein. Die Kreise werden sozusagen mit der Haut und nicht auf der Haut vollzogen. Die Hände des Therapeuten sollten angenehm warm und trocken sein. Es wird immer das körpernähere Gebiet vor dem entfernteren behandelt, um Platz für die nachströmende Flüssigkeit frei zu massieren. Im Allgemeinen ist etwas Bewegung vor der Behandlung von Vorteil, da eine Aktivierung des Kreislaufes vorab stattfindet und die positiven Effekte der manuellen Lymphdrainage begünstigt. Der Rhythmus ist entweder einhändig, beidhändig, parallel oder im Wechsel auszuführen, wiederum abhängig von Patient, Erkrankung und Lokalisation des Ödems. Vor Behandlungsbeginn ist es notwendig, den Gesundheitszustand des Tieres von einem Tierarzt abklären zu lassen. Bevor mit der tatsächlichen Behandlung begonnen wird, sollte zum Patienten Vertrauen aufgebaut werden. Die Massage darf für den Patienten niemals schmerzhaft sein, in diesem Fall darf nur um das schmerzhafte Gebiet massiert werden.

Vielzahl von Erkrankungen im Heilungsverlauf unterstützt
Akute und chronische Entzündungen der Gelenke, Sehnen, Bänder, Muskeln oder Haut (z.B. Sehnenscheidenentzündung, Arthrosen)


● Ödeme (siehe Bild 3)
● Phlegmonen (bakterielle Entzündung mehrerer Hautschichten)
● Mastitis
● Narbenbehandlung
● Venenerkrankungen
● Verbrennungen
● Muskelregeneration

 

Wie die Behandlung abläuft
Die Behandlung beginnt immer im Bereich der Schulter und am Hals, nicht im Bereich der Umfangsvermehrung. Die Behandlung wird also ganzheitlich eingeleitet und nicht lokal. Die Stimulierung der zentralen Abflusswege zu vermehrter Arbeit wird als zentrale Vorbehandlung bezeichnet. Diese kommt im Bereich des Halses, sowie am Rumpf zur Anwendung und erzeugt einen Sog auf die gestauten Lymphgefäße. Danach werden alle dem betroffenen Gebiet voran geschalteten Körperregionen behandelt und schlussendlich die erkrankte Region. Die Druckstärke ist so weich und großflächig wie möglich zu wählen. Prinzipiell hängt die Anwendung des Drucks vom Zustand des Gewebes ab. Allgemein kann man behaupten: je weicher sich das Gewebe darstellt, desto weicher muss auch der Massagedruck sein. Zu starker Druck führt zum Kollabieren der Lymphgefäße und ist kontraproduktiv. Je nach Größe des Patienten und der zu behandelnden Körperregionen kann eine Behandlung 30 bis 90 min in Anspruch nehmen. Die Anzahl der Behandlungen hängt stark vom Krankheitsbild und dessen Verlauf ab. Viele Entzündungen können mit wenigen, in kurzen Abständen folgenden Behandlungen therapiert werden. Chronische Prozesse werden nach einigen kurz aufeinander folgenden Initialbehandlungen in weiterer Folge mit längeren Abständen, idealerweise wöchentlich therapiert (siehe Bild 4).

 

 

 

Reaktionen nach der Behandlung
In der Regel tritt während oder nach der Behandlung Müdigkeit auf. Schließlich stellt die Aktivierung des Lymphflusses eine Anstrengung für den Organismus dar und der entspannende Effekt der Einheit führt auch meist zum wohligen Einschlafen der tierischen Patienten. Durch Aktivierung des vegetativen Nervensystems kommt es während der Behandlung zur Blutdrucksenkung.