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Archiv Ausgabe 07/08 2010
Hier finden Sie ausgesuchte Artikel der Juli/August Ausgabe 2010
Clever bis ins hohe Alter
Das richtige Futter macht´s möglich
Der ideale Garten für Vierbeiner
Worauf Sie achten sollten
Durch Zecken
übertragene Gehirnhautentzündung
Zwergbartagamen
Kleine Dinos aus Australien
Clever bis ins
hohe Alter
Das richtige Futter macht‘s möglich
Dank Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen und artgerechter Ernährung und Pflege ist die Lebenserwartung von Vierbeinern stark gestiegen. Schon fast die Hälfte aller Hunde in Europa ist älter als sieben Jahre. Dies hat jedoch zur Folge, dass auch der beste Freund des Menschen vermehrt von altersbedingten Erkrankungen bis hin zu senilen Demenzerscheinungen betroffen ist.
Ist er jetzt senil geworden?
Diese Frage stellen sich viele Besitzer alter Hunde, wenn die Reaktion
ihres Vierbeiners auf Alltagssituationen plötzlich ganz anders
wird: So knurrt der als besonders sanft bekannte Retriever Mauro
seit neuestem sogar Familienangehörige an, weil er diese offensichtlich
nicht sofort erkennt. Der bisher furchtlose und selbstbewußte
Schäfer Rex erschrickt plötzlich bei jedem lauten Geräusch so sehr,
dass er zu zittern beginnt. Dackel Waldi war sein ganzes Leben lang
stubenrein. Jetzt verlangt er zwar immer noch brav hinaus, steht
dann aber - ohne Harn oder Kot abzusetzen - verloren im Garten
herum; er hat offensichtlich vergessen, warum er hinaus wollte.
Kaum wieder im Haus, erledigt er sein Geschäft im Wohnzimmer.
Spanielhündin Petzi war darauf trainiert, nur auf Kommando „Laut
zu geben“ - neuerdings bellt sie stundenlang sinnlos die Wand an.
Tatsächlich werden diese Abweichungen vom normalen Verhalten durch alterungsbedingte Veränderungen im Gehirn verursacht. Die Veränderungen ähneln denen im Gehirn alter Menschen mit Seniler Demenz oder Alzheimer-Krankheit. Die Durchblutung und der Zuckerstoffwechsel des Gehirns sind verringert, was zu einem geistigen Leistungsabfall führt. Zusätzlich kommt es noch zu Eiweißablagerungen im Gehirn des alternden Hundes und somit

zu einer selektiven Zerstörung von Gehirnarealen. Auch die Überträgersubstanzen an den Nervenendigungen werden weniger, so dass die Informationsverarbeitung, deren Einordnung und sinnvolle Anwendung in Bezug auf das Verhalten gestört werden. Mediziner bezeichnen dies als Einschränkung der kognitiven Leistung oder als Kognitive Dysfunktion. Auch die Bezeichnungen Senile Demenz oder „Hunde - Alzheimer“ sind gebräuchlich.
Senilität entsteht nicht über Nacht
Wie aus den oben angeführten Fallbeispielen ersichtlich, leiden betroffene
Hunde an Desorientiertheit, Verlust der Stubenreinheit,
verminderter oder verstärkter Reaktion auf Umweltreize, Vergesslichkeit
und Verlust der sozialen Kontaktfähigkeit - sogar zu den
eigenen Besitzern. Aber bis zur vollen Ausprägung dieser Erscheinungsformen
kann es Jahre dauern, weshalb es wichtig ist, bereits
den ersten Anfängen der geistigen Demenz zu wehren. So ist es
wichtig, dem Tierarzt bereits Beobachtungen über leichte Verhaltensänderungen
des Tieres zu berichten. Zum Beispiel, dass der
alte Vierbeiner neuerdings schnell verunsichert ist oder auf in der
Jugend erlernte Kommandos nur langsam oder gar nicht reagiert.
Der Tierarzt hat dann die Möglichkeit, rechtzeitig mit Medikamenten,
Verhaltenstherapien und Ernährungsumstellung in den
beginnenden Erkrankungsprozess einzugreifen.
Nahrung fürs Gehirn
Besonders die Ernährung spielt bei älteren Hunden für das Wohlbefinden
und ein langes Leben in körperlicher und geistiger Gesundheit
eine wichtige Rolle. Um der Entstehung beziehungsweise
dem Fortschreiten geistiger Demenz vorzubeugen, sollten Hunde
ab sieben Jahren mit speziellem Anti Aging Futter ernährt werden.
Speziell dafür geeignet ist PRO PLAN Senior + mit ANTI AGE.
Diese Vollnahrung ist kalorienarm und enthält ausreichend Antioxydantien,
die nicht nur das Immunsystem stärken, sondern auch
die Bildung der schädlichen Eiweißablagerungen im Gehirn verringern.
Da das Hundegehirn ab dem siebenten Lebensjahr zunehmend
die Fähigkeit, Zucker als Energiequelle zu nützen, einbüßt,
enthält das neue ANTI AGE-Futter eine alternative Energiequelle:
Eine Nährstoffkombination aus mittelkettigen Triglyceriden
(MCT). Dies sind spezielle Nahrungsfette, die in einigen Pflanzenölen
- zum Beispiel in Kokosnussöl - vorkommen. Die Besonderheit
von MCT besteht darin, dass sie der Hundeorganismus leicht
in eine vom alternden Gehirn nutzbare energiereiche Verbindung
umwandelt. MCT liefert den Gehirnzellen so die erforderliche Energie, die für eine gute Gehirnfunktion nötig ist. Gedächtnis
und Lernfähigkeit vierbeiniger Senioren werden deutlich verbessert.
Darüber hinaus tragen die im Futter enthaltenen Omega - 3
- Fettsäuren zu gesunden Gelenken und guter Beweglichkeit bei.
Training für Gehirn und Körper
Nur weil Ihr Liebling um die Schnauze grau geworden ist, muß er
deshalb noch lange nicht seinen Schwung verlieren. Körperliche
und geistige Beschäftigung hält ihn frisch und fit. Gehen Sie mit
Ihrem alten Hund so viel wie möglich spazieren und wechseln Sie
die Spazierwege häufig. Eine wechselnde Umgebung mit immer
neuen Gerüchen regt an und hebt die Laune. Wiederholen Sie mit
dem Vierbeiner das in der Jugend Erlernte: Gehorsamsübungen,
wie Sitz, Platz, Steh, Bleib, Komm, Bring etc. Das trainiert das Gedächtnis,
macht Spass und gibt dem alten Hund Selbstsicherheit,
da er merkt, dass er die Spielregeln noch beherrscht.
Auch im Handel erhältliche Intelligenzspiele, wie zum Beispiel
Futterkugeln, Dog Tornado, spezielle Futterautomaten oder Hunde
Domino bringen Abwechslung und trainieren das Gehirn.
Tipps:
www.nina-ottosson.com,
www.purina-proplan.com

Worauf Sie achten sollten
Für Hund und Katze bedeutet ein Fleckchen Grün ein Stückchen vom Paradies. Schnüffeln, Spuren aufnehmen, Bewachen, in der Erde graben und Ball spielen sind nur einige der Tätigkeiten, die den Hund erfreuen; vor allem, wenn dies am eigenen Grundstück möglich ist. Katzen hingegen lieben Patrouillengänge und Entdeckungsreisen, Versteckspiele sowie Jagdaktivitäten.

Leider haben Mensch und Tier oftmalig unterschiedliche Auffassungen vom Vergnügen im Garten. Während der Vierbeiner es vergnüglich findet, die Blumenbeete umzugraben und den englischen Rasen oder das Gemüsebeet als Toilette zu benutzen, läßt dies den Stresspegel des Zweibeiners steigen. Oftmalig ist ein eigener Bereich im Garten, wo das Tier herumtollen, graben und Knochen verstecken kann, die Lösung.
Eine Wunschliste unserer Vierbeiner zum Thema Gartengestaltung könnte so lauten:
- Viel Platz zum Laufen, Toben und Spielen für den besten Freund des Menschen.
- Erhöhte Aussichtspunkte und ungemähte Gras- und Blumeninseln zum Verstecken für die Katze.
- Eine Buddelecke, wo nach Herzenslust gegraben werden darf.
- Ein schattiges Plätzchen für den Sommer, eine windgeschützteStelle für ein Sonnenbad.
- Ein eigenes Grasbeet zum Fressen.
- Wasserquelle zum Trinken und Abkühlen (Wasserschüssel,Teich, Planschbecken).
- Eine Toilettenecke, wenn es mal schnell gehen soll.

Achtung Gefahr!
Während sich Zweibeiner aus Gründen der Entspannung der Gartenarbeit
widmen, lauern für Vierbeiner nicht nur Abenteuer, sondern
auch einige Gefahren im Garten.
So paradiesisch Gärten auch wirken, sie bergen eine Menge an unbekannten
Gefahren für Hund und Katze. Viele beliebte Büsche
und Blumen sind für Haustiere giftig, wie zum Beispiel Buchsbaum,
Goldregen Oleander, Rhododendron, Thuja und auch
Blumen wie Tulpen, Lilien, Krokusse, Narzissen, Primeln und
Maiglöckchen. Auch Verletzungen durch Dornen oder im Gras liegende Gartengeräte sind nicht zu unterschätzen. Bei Obstbäumen
im Garten, sollte der Rasen regelmäßig von Fallobst und Obstkernen
gesäubert werden. Das Schlucken eines Obstkernes kann
nicht nur zu einem Darmverschluss führen, sondern aufgrund der
in den Kernen und Samen enthaltenen Substanzen Beschwerden
und Vergiftungen verursachen. Viele handelsübliche Düngemittel
und Insektizide sind sehr giftig oder ätzend. Ihrem Tier zuliebe
sollten Sie daher kein Gift gegen Schädlinge, Pflanzenkrankheiten
oder Unkräuter eingesetzen, sondern auf natürliche Alternativen
zurückgreifen. Besonders Swimmingpools, aber auch Biotope sind
eine potenzielle Todesfalle für Haustiere: Immer wieder ertrinken
Hunde und Katzen darin. Wenn niemand den Pool benutzt, sollte
er gut abgedeckt beziehungsweise gesichert werden, dasselbe gilt
auch für Regentonnen.
Rudeltier Hund
Die meisten der Hunde halten sich am liebsten im Garten auf,
wenn auch der Mensch im Freien ist. Geht Herrchen oder Frauchen
ins Haus, folgt der Vierbeiner nach. So ist das eben bei sozialen
Lebewesen:Das Bedürfnis nach Sozialkontakt steht an erster
Stelle und Gesellschaft geht über alles. Aber auch, wenn sich der
Hund im Garten so richtig austoben kann und sich pudelwohl
fühlt, entbindet ein Garten nicht von den täglichen Ausläufen.
Gerade bei den täglichen Spaziergängen trifft der Hund auf Artgenossen,
ist mit neuen Umweltreizen, wie unbekannten Menschen,
Gerüchen und Geräuschen konfrontiert und macht somit neue
Erfahrungen, die seine geistige Fitness fordern und seine soziale
Kompetenz unterstützen. Wird der Hund nur im Garten gehalten,
können Verhaltensprobleme auftreten.
Auf gute Nachbarschaft
Als Tierhalter haften Sie für Schäden, die Ihr Hund verursacht,
wenn er sich ungewollt und ohne Ihre Aufsicht aus dem Garten
entfernt. Der ideale Zaun sollte daher so hoch sein, dass der Hund
nicht darüber springen kann, so tief in das Erdreich eingebettet
sein, dass der Hund sich nicht durchgraben kann und so dicht sein,
dass das Tier weder Kopf noch Körper durchzwängen kann. Leider
ist auch das Bellen des Hundes ein häufiger Streitpunkt zwischen
Nachbarn und kann je nach den örtlichen Gesetzen auch als für
den Nachbar „unzumutbar“ eingestuft werden. Im Sinne einer guten
Nachbarschaftspflege stellen Sie Ihren Hund den Nachbarn vor
und bitten Sie um Verständnis, wenn er einmal etwas mitteilungsbedürftiger
ist.
Tipps:
Das Institut für Veterinärpharmakologie und –toxikologie in Zürich
bietet unter www.giftpflanzen.ch eine umfangreiche Datenbank
betreffend Giftpflanzen an.
Buchtipp:
Hunde – Spiel&Sport, von Kirsten Wolf; GU – Verlag
50 innovative Spiele für Hund und Mensch. Ob in der Wohnung oder
draußen – für jeden Typ ist etwas dabei: Futterspiele
für Schnüffelnasen, Fitnessaufgaben für
Sportliche oder raffinierte Tricks für Schlauköpfe.

Denise Seidl
Tierpsychologin
www.tierpsychologie.at

Dass FSME (Frühsommermeningoencephalitis oder Gehirnhautentzündung) durch Zecken auf den Menschen übertragen werden kann, ist allgemein bekannt. Dass aber auch Hunde durch Zecken mit Gehirnhautentzündung angesteckt werden können, wissen selbst erfahrene Hundehalter oft nicht. Da es für Vierbeiner - im Gegensatz zum Menschen - keine Impfung gegen FSME gibt, erkranken leider immer wieder Hunde daran.
Mangelhafter Zeckenschutz ließ Labrador Samson
zum Opfer werden
Der siebenjährige Labradorrüde Samson mußte FSME schmerzlich
am eigenen Leib erfahren. Ein Zeckenbiss war der Auslöser;
und das obwohl sich sein Besitzer sehr um ihn sorgt und ihn
gegen Ektoparasiten wie Zecken und Flöhe schützt. In diesem
Fall war eine Verkettung unglücklicher Umstände verantwortlich
für Samsons missliche Lage: Intensives Schwimmen und ein für
den Hund nicht optimal wirkendes Zeckenpräparat haben dazu
beigetragen, dass diesmal keine ausreichende Zeckenprophylaxe
gewährleistet war.
Innerhalb weniger Tage nach dem Zeckenbiss zeigte Samson
Muskelzittern und hohes Fieber. Der Zustand verschlechterte
sich innerhalb von drei Tagen trotz tierärztlicher Vorbehandlung
soweit, dass Samson nur mehr auf der Seite liegen konnte und
unter schweren Muskelkrämpfen litt.

Der Tierarzt wollte bereits aufgeben, jedoch Samsons Lebenswille führte am vierten Tag seiner Erkrankung zu einer leichten Verbesserung der Symptome. Daher wurde Samson an die Universitätsklinik überwiesen. Hier konnte er am ersten Tag selbständig nur den Kopf heben und Futter sowie Wasser aufnehmen. Da sich durch die durchgeführten Untersuchungen der Verdacht einer Gehirnentzündung (Enzephalitis) erhärtete, wurden starke entzündungshemmende Medikamente verabreicht. Die Untersuchungen auf Antikörper gegen das FSME-Virus im Blut und in der Gehirnflüssigkeit ergaben ungewöhnlich hohe Werte, woraufhin die Diagnose Frühsommermeningoenzephalitis ausgesprochen wurde. Nach 4 Tagen an der Klinik konnte Samson die ersten Schritte selbständig gehen, jedoch war die große Kraftanstrengung dabei noch deutlich zu bemerken.
Herrchens Liebe trägt zur Heilung bei
Ohne die täglichen Besuche und den Zuspruch seines Herrchens
hätte der starke Überlebenswille des Labradors vielleicht doch noch
nachgelassen. Doch so konnte Samson nach 8 Tagen in häusliche
Pflege entlassen werden. Wie schon in den letzten Tagen an der Klinik
war nun das Hauptaugenmerk auf die Physiotherapie gerichtet,
um Samsons Bewegungsapparat wieder in einen funktionsfähigen
Zustand zu versetzen. Die entzündungshemmenden Medikamente
wurden in den folgenden Tagen bereits langsam reduziert und nach
wenigen Monaten vollständig gestoppt
Rehabilitation durch Physiotherapie
Während des stationären Aufenthaltes an der Klinik für Interne
Medizin wurde bereits am ersten Tag mit intensiver unterstützender
Physiotherapie begonnen. Durch das lange Liegen waren
Samsons Muskeln schon sehr schwach und auch die Beweglichkeit
seiner Gelenke war schon teilweise eingeschränkt. Weiters litt der
Rüde vor allem im Nackenbereich an sehr starken Verspannungen,
da er zu Beginn des Aufenthaltes an der Klinik nur auf der Seite
liegen und nur seinen Kopf bewegen konnte, um sich umzuschauen
oder zu fressen. Mit Unterstützung war es möglich, Samson in
Brust-Bauchlage zu verbringen, in der er sich anfangs nur kurz,
später immer länger halten konnte (s. Abb. 1).
Der physiotherapeutische Therapieplan richtete sich zum einen gegen die Verspannungen und Schmerzen im Nackenbereich. Hier wurde mit oberflächlichen und tiefen Massagetechniken gearbeitet um die verhärtete Muskulatur zu lockern, die Durchblutung zu fördern und Schmerzen in diesem Bereich zu reduzieren (s. Abb. 2)

Ein weiteres Ziel der Physiotherapie war es, der eingeschränkten Gelenksbeweglichkeit entgegen zu wirken. Zu diesem Zweck wurden passive Bewegungsübungen aller Gelenke der Vorderund Hinterextremitäten durchgeführt. Alle Bewegungen wurden ruhig und fließend durchgeführt, und das Gelenk vorsichtig und langsam innerhalb des momentan möglichen Bewegungsausmaßes bewegt. Die Bewegung erfolgte in Beugung und Streckung und wurde ungefähr 3-5-mal täglich mit jeweils 10 Wiederholungen durchgeführt (s. Abb. 3)
.Ein weiteres Problem Samsons war das Unvermögen, selbstständig zu stehen beziehungsweise zu gehen und der damit einhergehende Abbau der Muskelmasse.
Aus diesem Grunde wurde der Vierbeiner öfters am Tag von der Seitenlage in eine stabile Brust- Bauchlage verbracht. Diese Haltung war für ihn zu Beginn recht anstrengend, aber nach einigen Übungseinheiten konnte er bald länger in dieser Haltung verweilen und etwas anstrengendere Übungen wurden hinzugezogen. Als nächster Schritt wurde beispielsweise versucht, ihn aufzusetzen und mit Unterstützung auf die Beine zu stellen.

Zu Beginn, sprich in der ersten Woche nach Beginn der Physiotherapie, war Samson gerade einmal für maximal fünf Sekunden stehfähig, bevor er - vor allem mit den Vorderbeinen - einknickte und sich wieder hinlegen musste. Die Zeit, in der er sich auf den Beinen halten konnte, wurde aber von Mal zu Mal länger, was auch seinem ungebrochenen Willen zuzuschreiben war. Um ihm das Stehen zu erleichtern, wurden auch Übungen im Stehen in unserem Wasserbecken durchgeführt (s. Abb. 4). Diese Umstellung der Therapie hat ihm mehr Spaß gemacht, da das Stehen im Wasser weniger anstrengend ist als das Stehen „an Land“.

Nachdem sich Samsons Zustand zufriedenstellend verbesserte, konnte er in häusliche Pflege, wo sich sein Besitzer rührend und aufopfernd um ihn kümmerte, entlassen werden. In weiterer Folge wurde die Physiotherapie dann ambulant, zwei- bis dreimal wöchentlich, durchgeführt. Auf unserem Unterwasserlaufband wurden (immer mit Unterstützung, da vor allem vorne die Muskulatur schnell ermüdete) assistierte Gehbewegungen geübt. Gegen die Verspannungen wurde Samson weiterhin massiert und auch mittels Elektrotherapie (s. Abb. 5) und Akupunktur behandelt. Das vorerst assistierte Gehen auf dem Laufband wurde zunehmend selbstständiger, bis er dabei keine Unterstützung mehr benötigte. Und auch Spaziergänge, wenn zwar vorerst nur ganz kurz, mit seinem Besitzer waren wieder möglich. Nach weiteren Wochen intensiver Therapie und guter Pflege daheim, kann Labrador Samson mittlerweile ein ganz normales Hundeleben führen, in dem auch Ballspiele, Schwimmen und Herumtollen mit dem kleinen Sohn der Familie nicht fehlen dürfen.
Einige Abbildungen mit freundlicher Genehmigung aus: Bockstahler et al., Physiotherapie auf den Punkt gebracht BE VetVerlag 2004www.be-vetverlag.de

Dr. Marion Müller
IVAS zertifizierte Veterinärakupunkteurin,
Certified Canine Rehabilitation Practitioner
Ambulanz für Physiotherapie und Rehabilitationsmedizin,
Klinik für Chirurgie und Augenheilkunde,
Veterinärmedizinische Universität Wien,
Veterinärplatz 1, A-1210 Wien, Tel. 01-25077-6617
marion.mueller@vetmeduni.ac.at
Zwergbartagamen
Kleine Dinosaurier aus Australien

Zwergbartagamen sind Reptilien und eng verwandt mit Leguanen und Chamäleons. In der Natur sind Bartagamen nur in Australien beheimatet. Ihr natürlicher Lebensraum zeichnet sich durch lange und starke Sonneneinstrahlung aus, sowie durch eine Flora die als Steppe und Halbwüste zu bezeichnen ist. Durch ihren wechselwarmen Stoffwechsel sind sie hauptsächlich tagaktiv, in der Nacht reduzieren kühle Temperaturen ihre Beweglichkeit. Wird es zu heiß suchen sie Schatten oder öffnen das Maul um durch eine dem Hecheln vergleichbare Bewegung Kühlung zu bewirken. Den Namen haben sie von einem Kehlbart, der vor allem bei den großen Bartagamen deutlich ausgeprägt ist und eine Ansammlung von hohen Stachelschuppen darstellt, die bei Erregung aufgestellt werden können. Bei den Zwergbartagamen ist der Kehlbart nur angedeutet. Sie werden bis zu 30cm lang, der Schwanz macht ungefähr die Hälfte der Gesamtlänge aus. Die Weibchen sind oft einige Zentimeter länger als die Männchen. Davon abgesehen sind die beiden Geschlechter mit Sicherheit nur bei Tieren ab dem 6. Lebensmonat zu unterscheiden: Männchen zeigen an der Schwanzunterseite zwei deutliche Höcker, die zur Aufnahme der Begattungsorgane (Hemipenistaschen) dienen. Zwergbartagamen sind in den letzten Jahren auch in Österreich zu beliebten Terrarienbewohnern geworden, weil sie genügsam und relativ einfach zu halten sind. Dabei sind alle in Europa zu erwerbenden Tiere ausnahmslos Nachzuchten, da Tiere aus dem Ursprungsland Australien einem strengen Ausfuhrverbot unterliegen.

Aus Eiern werden kleine Bartagamen Nach der erfolgreichen Paarung (zumeist Ende Frühjahr bis Anfang Sommer) werden die Weibchen innerhalb von wenigen Wochen deutlich dicker, fressen vermehrt und es zeichnen sich gegen Ende der Trächtigkeit nach 4 -6 Wochen deutlich runde Eier durch die Bauchhaut ab. Kurz vor der Eiablage stellen die Weibchen zumeist die Futteraufnahme ein und beginnen im weichen Sand des Terrrariums Probegrabungen zu veranstalten. Haben sie eine geeignete Ablagestelle gefunden graben sie eine ungefähr 15 cm lange Legeröhre in einem Winkel von 45° in den Sand und legen dann innerhalb einer halben Stunde 10 bis 15 Eier ab. Diese sind weich, längsoval und ca. 10 -12 mm lang. Danach graben die Weibchen die Legeröhre mit den Beinen und der Schnauze so zu, dass nach weiteren 30 Minuten niemand mehr an der Sandoberfläche ein Gelege vermuten würde. Im Idealfall schlüpfen die Jungtiere nach 46 – 55 Tagen. Im Terrarium sollte man bei erwünschter Nachzucht das Gelege so schnell wie möglich vorsichtig ausgraben, um die Eier in einem Inkubator auszubrüten. Der Grund liegt in den zumeist nicht optimalen Klimabedingungen im Terrarium und in der Tatsache, dass die erwachsenen Zwergbartagamen die frisch geschlüpften Jungtiere mit Beutetieren verwechseln und oft auffressen. Zur Eientnahme hat man maximal 24 Stunden Zeit. Nur solange hat sich die Keimscheibe im Ei noch nicht fixiert und nach oben ausgerichtet. Bewegt man die Eier nach dem ersten Tag und verändert die Lage, kommt es zumeist zum Absterben der Embryos oder zu schweren Missbildungen der Jungtiere. Bei der Verpaarung ist streng auf die Vermeidung von Inzucht zu achten.

Kinderstube
Kurz bevor die Jungtiere schlüpfen zeigt die Eischale kleine Dellen und Flüssigkeitstropfen an der Oberfläche; dies wird als Eischwitzen bezeichnet. In der Regel schlüpfen die kleinen Zwergbartagamen dann innerhalb von 48 Stunden. Sie werden dann in ein kleineres Terrarium mit Granulateinstreu umgesiedelt, da feiner Sand als Untergrund bei Jungtieren im Zuge der Fütterung vermehrt aufgenommen werden kann und dann zu schwerer Sandverstopfung führt. Ein beheizbarer Stein bringt auch in der Nacht einen kleinen Fleck mit warmer Temperatur, der von den frisch geschlüpften Tieren gerne beklettert wird. Da die Jungtiere es lieben, sich zu verstecken, sollten Äste und Höhlen in ausreichendem Maße vorhanden sein. Die Nahrungsaufnahme beginnt individuell sehr unterschiedlich – nach 1 bis 4 Tagen zeigen Jungtiere schon das typische Jagdverhalten und nehmen mitunter auch schon Gemüse auf.
Fütterung
Zwergbartagamen sollten mit einer Mischung aus Lebendnahrung (Heimchen, Mehlkäfer, Heuschrecken, Fliegen) und frischem Obst und Gemüse ernährt werden. Sauberes Wasser muss immer zur Verfügung stehen. Als Jungtiere werden Bartagamen noch täglich mit Lebendfutter versorgt. Später bekommen die ausgewachsenen Tiere nur mehr dreimal pro Woche tierisches Eiweiß, frisches Gemüse wird aber trotzdem immer täglich angeboten.
Zwergbartagamen halten Winterruhe In unseren Breiten begeben sich viele Zwergbartagamen sobald die Tage kürzer werden in eine Winterruhe. Wenn sie das dafür typische Verhalten zeigen, sollte die Fütterung reduziert werden und ca. 1 Woche vor dem geplanten Beginn der Winterruhe ganz beendet werden, damit die Tiere nicht monatelang einen vollen Darm haben. Denn in der Winterruhe erfolgt kein Kotabsatz. Den Beginn der Winterruhe erkennt man an folgenden Verhaltensabläufen der Tiere: Sie schauen mit halb geöffneten Augen schläfrig drein und bewegen sich nur mehr sporadisch. Dann ziehen sie sich in kühlere Bereiche des Terrariums zurück, verkriechen sich oder graben sich im Sand ein. Spätestens jetzt sollte man die Beleuchtungszeit reduzieren und die Heizstrahler ganz ausschalten. Die Tiere können bei Zimmertemperatur im Winter (18°C bis maximal 22°C) 3 bis 4 Monate einen schlafähnlichen Zustand einnehmen. Sobald sie spontan aufwachen und auf Nahrungssuche gehen, muss das Beleuchtungs – und Heizprogramm wieder gestartet werden.
Richtige Haltung – glückliche Dinos
Zwergbartagamen sollten in ausreichend großen Terrarien gehalten werden. Für ein ausgewachsenes Tier sollten 0,4 m2 kalkuliert werden, für jedes weitere Tier noch einmal 0,2 m2. Für eine Zuchtgruppe von einem Männchen und 2 – 3 Weibchen muss daher eine Grundfläche von 0,8 m2 bis 1m2 zur Verfügung stehen. Zusätzlich soll das Terrarium auch eine entsprechende Höhe von mindestens 50 cm, besser 70 cm aufweisen. Dadurch kann sowohl der Untergrund als auch die Rückwand entsprechend strukturiert werden. Versteckmöglichkeiten und als Untergrund Sand (in einigen Bereichen in einer Mindesthöhe von 15-20cm) zum Graben sind notwendig. Die Rückwand sollte strukturiert sein, da die Tiere sehr gerne klettern und oft einen erhöhten Ruhe – und Aussichtsplatz einnehmen. Bei der Bepflanzung sollten Tilandsien verwendet werden, da diese für die Tiere nicht giftig sind. Commelinagewächse werden von den Tieren gerne aufgenommen und sind eine schöne Dekoration für das Terrarium. Ein Heizstrahler sollte einen Sonnenplatz anstrahlen, UV-Lampen das notwendige Sonnenlicht simulieren. Diese müssen je nach Hersteller alle 6 – 12 Monate getauscht werden, da der wichtige UV-Anteil des Lichtes zur Vitamin D-Synthese und damit zur Festigung der Knochen notwendig ist. Eine Trinkgelegenheit muss vorhanden sein, ist diese groß genug, kann man die Zwergbartagamen auch oft beim Baden beobachten. Nachdem sie dabei nicht selten ihren Kot im Wasser absetzen, muss das Wassergefäß täglich (manchmal auch mehrmals täglich) gereinigt werden. Die Exkremente werden täglich aus dem Terrarium entfernt. Dazu eignet sich eine kleine Schaufel am besten.
Zwergbartagamen verstehen
Diese Reptilien sind kleine Persönlichkeiten. Sie werden handzahm, zeigen aber auch Territorealverhalten. Wippen mit dem Kopf und Oberkörper wird als Dominanz oder auch Drohgebärde gezeigt. Dieses Verhalten zeigen vor allem Männchen bei dem Erscheinen eines Eindringlings, aber manchmal auch am Beginn des Paarungsverhaltens. Eine Beschwichtigungsgeste ist das ‚Winken’ mit einer Vorderextremität. Das Maul wird sowohl bei Gefahr der Überhitzung zur Kühlung aufgerissen, als auch als Drohgebärde (v.a. bei Jungtieren). Bei der Jungtieraufzucht kann man Brüder bis zu einem Alter von 1 Jahr zumeist ohne Probleme mit den Schwestern beisammen lassen. Später sollten Männchen generell nur mit Weibchen gehalten werden, auch wenn die Haltung von kleinen Männergruppen ohne Weibchen manchmal möglich ist (das hängt, wie gesagt, von der individuellen Persönlichkeit der kleinen Dinosaurier ab!). Einmal jährlich ist eine Kotuntersuchung auf Parasiten und schädliche Bakterien anzuraten. Neuzukäufe sollten 2 – 3 Monate in Quarantäne gehalten werden.

Dr. Michael Leschnik
Klinik für Kleintiere
Abteilung für Interne Medizin und Seuchenlehre
Veterinärmedizinische Universität Wien
Veterinärplatz 1
1210 Wien
Tel: 01 25077- 5137












