Archiv Ausgabe 03/04 2011

Hier finden Sie ausgesuchte Artikel der März/April Ausgabe 2011

Ausgabe 03/04

Verein „Rote Pfote“

Gemeinsame Krebsforschung für Zwei- und Vierbeiner


Lungenwürmer – eine ernste Gefahr für Hunde

Befall kann tödlich sein!

Lebensqualität für Tiere mit Handicap

Wackelkatzen und Hunde auf Rädern – Vierbeiner mit besonderen Bedürfnissen

Spezialfutter für geschwächte Kaninchen und Nager

Gestörte Futteraufnahme durch zu lange Zähne

 

 

 


 

Verein rote Pfote

Gemeinsame Krebsforschung für
Zwei- und Vierbeiner


Krebs

Die Tumortherapie nimmt auch bei Tieren einen immer größeren Stellenwert ein. Kein Wunder, stirbt doch bereits jeder zweite Hund und jede dritte Katze über zehn Jahren an Krebsarten, die denen des Menschen teils sehr ähnlich, teils sogar gleich sind. Besonders gut vergleichbar sind Brustkrebs, Knochenkrebs, Melanome, Mastzelltumoren, Lymphdrüsenkrebs und Blasenkrebs. Aber anders als beim Menschen ist beim tumorkranken Hund medizinische Behandlung nicht automatisch vorgesehen. Noch im letzten Jahrzehnt waren die Behandlungs-möglichkeiten gegen Krebs beim Tier sehr begrenzt. Stand doch die Veterinäronkologie lange Zeit im Schatten der Humanonkologie, bis sich in den letzten Jahren auf internationaler Ebene zunehmend die Erkenntnis durchsetzte, dass das gemeinsame Entwickeln neuer Strategien gegen Krebs, sei es therapeutisch oder vorbeugend, weit effektiver ist und dass die gemeinsame Arbeit von Veterinär- und Humanmedizin viele Fragen zum Thema Krebs schneller beantworten kann. Im Jahr 2007 haben sich erstmalig in Europa Ärzte und Tierärzte im Verein „Rote Pfote“ zusammengeschlossen, um durch gemeinsame Forschung Tumorerkrankungen bei Mensch und Tier Einhalt zu gebieten. Univ.-Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim und Univ.-Prof. Dr. Edgar Selzer – beide Krebsforscher an der Medizinischen Universität Wien - und Dr. Michael Willmann, Onkologe an der Veterinärmedizinischen Universität Wien, wollen die biologische Ähnlichkeit zwischen Mensch und Hund in parallel laufenden Studien zum Wohle von Zwei- und Vierbeinern nützen. Es war dies der erste Schritt einer interdisziplinären Zusammenarbeit im Bereich Krebsforschung und Entwicklung neuer leistbarer Therapien für Tiere in Europa, der sich als bahnbrechend und wegweisend erweisen sollte. So ermöglichen heute neben chirurgischen Eingriffen auch Bestrahlungstherapie und neue Wege in der Chemotherapie die erfolgreiche Behandlung von Krebs bei Tieren und eine Lebensverlängerung der Patienten bei hoher Lebensqualität.

Gemeinsame Forschung nützt Mensch und Tier
Menschliche Krebspatienten profitieren von der gemeinsamen Forschung insofern, dass durch die kürzere Lebensdauer der Tiere auch die Krebszyklen schneller ablaufen und daher die Forschungsergebnisse früher vorliegen. Die vierbeinigen Patienten wiederum haben aus den parallelen Studien folgenden Nutzen, dass die dabei erprobten Medikamente nach Abschluss der Studien nicht nur für Menschen, sondern auch für Tiere zur Verfügung stehen.


Hundegenom entschlüsselt
Die vergleichende Krebsforschung für Mensch und Tier basiert zu einem großen Teil auf der Entschlüsselung des Hundegenoms im Jahr 2005 an einer Boxerhündin namens Tasha. Seit diesem Moment weiß man, dass Hund und Mensch sich viel ähnlicher sind als artifizielle vorklinische Maus- und Rattenmodelle und dass daher in der gemeinsamen Entwicklung von Medikamenten viel erreicht werden kann. Wenn man Mensch und Hund vergleichend betrachtet, kommt man wesentlich schneller voran. Das ist ein großer Vorteil und in diesem Bereich hat die „Rote Pfote“ im europäischen Forschungsbereich sehr viel Aufklärungsarbeit leisten können. Sowohl an der Medizinischen als auch an der Veterinärmedizinischen Universität Wien wurde vergleichende Onkologie und allgemein auch die vergleichende Medizin in die Entwicklungspläne der Universitäten aufgenommen, und es wird in naher Zukunft an beiden Universitäten eine eigene Professur für diesen Bereich geben.

Verein „Rote Pfote“ fördert Studienprojekte Verein rote Pfote
Impfstudie zur Therapie von Brustkrebs (Mammakarzinom) Es hat sich herausgestellt, dass diese Krebsart bei Hund und Mensch gleich aufgebaut ist und das Wachstumsantigen des Tumors, auf dem der Impfstoff basiert, bei beiden ident ist. Es kann also für Mensch und Hund der gleiche Impfstoff entwickelt werden. Die Impfung soll das weitere Wachstum des Tumors und Metastasenbildung verhindern. Die Studie wurde vor Kurzem abgeschlossen. Dies bedeutet, dass in naher Zukunft Tieren mit Mammakarzinomen mit der neuentwickelten therapeutischen Impfung geholfen werden kann. Das Ziel einer aktiven Immunisierung ist, dass der Körper die Antikörper selbst produziert und man sie nicht synthetisch herstellen muss. Letzteres wäre in der Veterinärmedizin nicht leistbar. Deswegen förderte der Verein „Rote Pfote“ diese Impfstudie. Denn nur Projekte für Therapien, die letztendlich für den Tierbesitzer auch erschwinglich sind, werden gefördert. l Studie über Immunglobulin E Man weiß heute, dass Menschen oder Hunde mit Allergien ein Übermaß an einem bestimmten Antikörper, nämlich Immunglobulin E (IgE) im Körper bilden. Verein rote PfoteAus der Humanmedizin ist bekannt, dass Menschen mit Allergien viel seltener Tumorerkrankungen entwickeln - vermutlich aufgrund des hohen IgESpiegels im Körper. Diese Patienten scheinen gegen Tumoren geschützt, weil das IgE physiologisch die Wirkung hat, jedes Antigen zu präsentieren. Das heißt, wenn eine fehlgeleitete Tumorzelle sich im Körper befindet, ist das Immunsystem viel aktiver, hellwach, und reagiert wegen des hohen IgE-Spiegels viel aggressiver. Leider aber auch manchmal überschießend wie bei einem Wespenstich. Dieses Wissen um die Funktion von IgE sollte man in der Tumortherapie einsetzen. Eine chinesische Forscherin war zu diesem Zweck ein Jahr in Österreich. Sie konnte nicht nur das IgE des Hundes charakterisieren, sondern auch IgE gegen tumorspezifische Antigene des Hundes herstellen und diese Daten international präsentieren. Dieses Projekt bietet die Grundlage für neue Behandlungsmethoden gegen Krebs.

Zukunftsvision: Vorbeugende Impfung gegen Tumoren
Manche Rassen haben eine besonders hohe Neigung zu bestimmten Krebserkrankungen: Boxer neigen sehr stark zu Mastzelltumoren, Greyhounds und Großhunderassen zu Knochenkrebs. In diesen Fällen mit erhöhtem Risiko zu einer Krebsart wird heute bereits diskutiert, ob man vorbeugend impfen könnte. So führen die Forscher des Vereins „Rote Pfote“ bereits internationale Gespräche über ein Impfprogramm gegen den Mastzelltumor beim Boxer.

Ausgezeichnet mit dem Spendengütesiegel
Verein rote PfoteEnde letzten Jahres wurde dem Verein „Rote Pfote“ große Anerkennung zuteil: Die Kammer der Wirtschaftstreuhänder verlieh das Spendengütesiegel. Dies ist der Garant dafür, dass Ihre Spende ausschließlich in die Forschungsarbeit des Vereines fließt. Die Spenden sind steuerlich absetzbar. Wenn auch Sie die Krebsforschung für Tiere finanziell unterstützen möchten, spenden Sie bitte auf folgendes Konto: Kontonummer 15 106 107 lautend auf „Rote Pfote“ bei der Raiffeisenbank Wien, BLZ: 32000.

 

 

 

 

 

 

www.rotepfote.at
Unter dieser Internet-Adresse erfahren Sie, wie Sie dem VereinVerein rote Pfote sonst noch helfen können. Und natürlich mehr Informationen über den Verein.

 

 


Lungenwürmer – eine ernste Gefahr für Hunde
Befall kann tödlich sein!

Dem zweijährigen Retriever Axl ging es immer schlechter: Es begann mit Reizhusten bis hin zur Atemnot; Axl wurde immer kraftloser, Bewegungsstörungen stellten sich ein und schließlich sogar Krampfanfälle. Axl war in einem lebensbedrohlichen Zustand. Ein anderer Fall: Beim Putzen der Zähne des dreizehn Monate alten Beagles Nico entdeckte sein Herrchen Blutungen in der Mundschleimhaut des Hundes. Dadurch alarmiert, wurde der Tierarzt aufgesucht, der bei der Untersuchung Nicos auch noch Blutergüsse am Bauch und an den Beinen feststellte. Im Gespräch mit dem Tierarzt erinnerte sich Nicos Herrchen, dass der Vierbeiner in den letzten Wochen mehrmals Nasenbluten hatte. Zwei vierbeinige Patienten mit völlig unterschiedlichen Symptomen! Und doch lautete bei beiden die Diagnose: „Lungenwurmbefall!“ Immer häufiger werden bei Hunden Erkrankungen mit Lungenwürmern festgestellt. Einer der Gründe dafür ist die starke Vermehrung von Füchsen und Dachsen und das Vordringen dieser Kulturfolger in städtische Lebensräume. Als natürliche Wirte des Lungenwurms (Angiostrongylus vasorum und Crenosoma vulpis) sorgen Fuchs und Dachs für die Weiterverbreitung des Parasiten. Leider nimmt auch die Anzahl der wichtigsten Zwischenwirte, nämlich Schnecken und Nacktschnecken von Jahr zu Jahr zu - was geplagte Gärtner bestätigen können.

Symptome können von Fall zu Fall variieren
Die Angiostrongylose (Lungenwurmerkrankung) betrifft vermehrt junge Hunde bis zu einem Alter von zwei Jahren, aber grundsätzlich sind Hunde jeden Alters gefährdet. Bei erkrankten Tieren stehen Herz-Lungen-Symptome mit Reizhusten, manchmal auch mit blutigem Auswurf, und Atemnot im Vordergrund. Die Tiere sind nicht belastbar, leiden unter Kreislaufstörungen und Herzerweiterung. Aufgrund von Blutgerinnungsstörungen kann es zu Kreislaufzusammenbruch und Tod kommen. Doch nicht alle vierbeinigen Patienten mit Lungenwurmbefall zeigen Herz-Lungensymptome. Ein Teil der betroffenen Hunde entwickelt stattdessen eine Blutgerinnungsstörung, die sich in Nasenbluten, Blutergüssen oder Blutarmut manifestieren kann. Möglich sind auch zentralnervöse Störungen wie Depression, Bewegungsstörungen, Lähmungen und Krampfanfälle. Auch Durchfall und Erbrechen kommen vor.

So erfolgt die Ansteckung
Der gefährliche Lungenwurm wird durch Nacktschnecken und andere Schnecken - seltener auch durch Frösche - übertragen. Diese enthalten als Zwischenwirte die infektiöse Larve des Lungenwurms. Wenn Ihr Hund nun eine befallene Schnecke frisst, steckt er sich an. Die Larven wandern vom Darm des Hundes über den Bauch bis ins Herz und in die Lungenarterien, wo sie sich zu erwachsenen Würmern entwickeln. In der Lungenarterie werden die Eier abgelegt, gelangen mit dem Blutstrom in die feinen Kapillargefäße des Lungengewebes, verursachen dort massive Entzündungsherde und entwickeln sich zu Larven, die in die Lungenbläschen eindringen und von dort hochgehustet, abgeschluckt und mit dem Kot ausgeschieden werden. Die Larven im Kot werden von den Schnecken aufgenommen und der Infektionszyklus beginnt von neuem.

Mein Hund frisst keine Schnecken!
Das behaupten viele Hundehalter. Aber so eine Schnecke ist schneller gefressen als man denkt: Vermutlich fressen einige Hunde die Schnecken nicht einmal absichtlich, sondern nur zufällig; wenn zum Beispiel eine Schnecke in den Wassernapf gelangt oder einem Knochen, Leckerli oder Spielzeug des Hundes anhaftet. Auch eine unbemerkte Aufnahme von Schnecken beim Fressen von Gras oder die Aufnahme von infektiösen Larven aus der Umwelt ist möglich. Viele junge Hunde fressen Schnecken auch aus Neugierde.

Hundehalter sollten daher im Freien befindliches Spielzeug sowie Wasser- und Futterschüsseln auf Nacktschnecken und Schnecken hin kontrollieren, um so die Möglichkeit einer zufälligen Aufnahme dieser schleimigen Weichtiere durch ihren Hund zu minimieren.

Wirksame Behandlung mit Spot-on
Das bei Tierärzten erhältliche Spot-on „Advocate“ ist das einzige in Europa zugelassene Spot-on-Präparat zur Behandlung von Infektionen mit den Lungenwurmarten Angiostrongylus vasorum und Crenosoma vulpis. Die Anwendung ist einfach: Im Nackenbereich oder zwischen den Schulterblättern einen Scheitel ziehen und den Inhalt der Pipette direkt auf die Haut aufbringen. Meist genügt die einmalige Anwendung, um die Vierbeiner vom Lungenwurmbefall zu befreien.

Vorbeugung gegen Angiostrongylose ist möglich
Auch für den Lungenwurm gilt: Vorbeugen ist besser als heilen! Schützen Sie Ihren Vierbeiner daher durch die regelmäßige monatliche Anwendung von Advocate. Dieses schützt Ihr Tier zusätzlich gegen eine Reihe weiterer Ekto- und Endoparasiten, wie Haarlinge, Flöhe, Milben, Ohrmilben und Rundwürmer. Advocate gibt es auch für Katzen.


Lebensqualität für Tiere mit Handicap

Wackelkatzen und Hunde auf Rädern – Vierbeiner mit besonderen Bedürfnissen

Auch behinderte Tiere können ein durchaus lebenswertes Leben führen, wenn auf ihre besonderen Bedürfnisse eingegangen wird. Dies setzt allerdings voraus, dass der Tierhalter nicht nur in sehr spezifischen medizinischen Belangen, sondern auch in praktischen Fragen des täglichen Zusammenlebens kompetent und einfühlsam beraten und begleitet wird. Ist er dann auch noch bereit, etwas mehr Zeit und Geduld für das Tier aufzubringen, so kann das Zusammenleben mit einem behinderten Tier gerade wegen seines Handicaps zur besonders bereichernden Erfahrung werden. Sofern eine Behinderung weder unbehebbare Schmerzen noch offensichtliche Leiden verursacht und die Voraussetzungen für eine bedürfnisgerechte Haltung erfüllt sind, sollte daher in jedem Fall darüber nachgedacht werden, wie die Lebensqualität des Tieres erhöht werden kann. Die Erfahrung zeigt, dass es im Hinblick auf den Umgang mit behinderten Tieren einer deutlichen Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung bedarf.

Sari – die „Wackelkatze“
Der Begriff „Ataxie“ (griech. „Unordnung“) bezeichnet Bewegungs- und Koordinationsstörungen, die sehr unterschiedliche Ursachen haben können. Die typischen Symptome einer Ataxie, die im Volksmund auch als „Wackelkrankheit“ bezeichnet wird, können durch eine Verletzung der Wirbelsäule bzw. des Rückenmarks, also z.B. als Folge eines Unfalls oder einer Misshandlung, oder auch im Rahmen degenerativer Erkrankungen auftreten. Von „Feliner Ataxie“ wird auch gesprochen, wenn ungeborene Katzen durch ihre Mutter mit dem Felinen Parvovirus (FPV), dem Erreger der sog. Katzenseuche, infiziert werden. Dies kann u.a. zu einer Schädigung des Gehirns führen, die sich als Ataxie manifestiert, so bald die Kätzchen zu laufen beginnen. Je nach Ursache und betroffener Hirnregion treten nach Art und Ausmaß verschiedene Störungen auf. Charakteristische Anzeichen einer Ataxie sind z.B. Kopfzittern, eine Schiefhaltung des Kopfes, ein staksiger, unkoordinierter Gang und Gleichgewichtsstörungen. Mitunter treten aber auch Lähmungserscheinungen und epileptische Anfälle auf. Da die Symptome mitunter auf eine schwere Behinderung hindeuten, ist die Bereitschaft, eine von Ataxie betroffene Katze bei sich aufzunehmen und einem Tierarzt vorzustellen, bislang sehr gering. Viel zu häufig werden daher die scheinbar schwerbehinderten Katzen aus Unwissenheit oder Überforderung noch im Welpenalter von ihrem vermeintlichen Leiden „erlöst“. Da Ataxien als solche keine Schmerzen verursachen und auch das Wohlbefinden der Tiere häufig nicht beeinträchtigt ist, hat es sich der deutsche Verein „Feline Senses – Lebensfreude für Katzen mit Ataxie e.V.“ (www.ataxiekatzen.de) zur Aufgabe gemacht, Aufklärungsarbeit in Sachen Ataxie zu leisten und den Haltern betroffener Katzen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Bei der Haltung und im Umgang mit Ataxie-Katzen sind einige Besonderheiten zu berücksichtigen: So kommt unkontrollierter Freigang selbstverständlich nicht in Frage, und es muss unter anderem daran gedacht werden, dass erhöhte Liegeplätze (Kratzbaum!) oder auch Treppen z.B. durch eine Polsterung gegen die Gefahr eines Absturzes gesichert werden. Das Verrichten ihrer Geschäfte kann der Katze dadurch erleichtert werden, dass keine herkömmliche Katzentoilette, sondern ein Hundekorb aus Plastik mit einer möglichst großen Einstiegsöffnung verwendet wird. Schließlich ist bei der Vergesellschaftung darauf zu achten, dass Artgenossen auch für Ataxiekatzen eine Bereicherung darstellen, sofern es sich nicht um unverträgliche Tiere handelt. Babs Helferich, die Gründerin und Obfrau des Vereins „Feline Senses“ berichtet, dass die Katzen ihre Behinderung bei entsprechender Haltung offenbar überhaupt nicht wahrzunehmen scheinen und dass sie – sofern keine andere Erkrankung vorliegt – lange und vor allem gut leben können. Durch geeignete Maßnahmen, wie z.B. Physiotherapie, kann sogar eine Besserung der Symptome erreicht werden (vgl. dazu den Beitrag von Dr. M. Müller in diesem Heft). Sari, das „Vereinsmaskottchen“ von „Feline Senses“, ist das beste Beispiel dafür, dass sich Ataxie-Katzen keineswegs behindert fühlen und oft voller Lebensfreude sind!

Bufo – ein Hund auf Rädern
Auch wenn die Behinderung erst im fortgeschrittenen Alter eintritt, kommen Tiere bei entsprechender Betreuung und Haltung, auch mit erheblichen Einschränkungen erstaunlich gut zurecht: Bufo, eine Schäfer-Collie- Mischlingshündin, erkrankte im Alter von acht Jahren an einer erblich bedingten, fortschreitenden Veränderung des Rückenmarks („Degenerative Myelopathie“), die sich zunächst in einer Hinterhandschwäche manifestierte und, trotz Ausschöpfung aller therapeutischen Möglichkeiten, schließlich zur Lähmung der Hinterextremitäten führte. Als die früher äußerst bewegungsfreudige „Wasserratte“ (lat. bufo = Kröte) kaum noch gehen konnte, stellte sich für Bufos Frauchen, eine Wiener Tierärztin, die Frage, ob ein solches Leben für die Hündin überhaupt noch lebenswert sei. Als Dr. Ulrike Pohl von Bekannten auf die Homepage der amerikanischen Firma „Doggon Wheels“ (www.doggon.com) aufmerksam gemacht wurde, war die Lösung gefunden: Mit Hilfe eines individuell angefertigten, geländegängigen Rollwagens, der auch das Absetzen von Kot und Harn problemlos ermöglicht, wurde Bufo wieder mobil und konnte mit Frauchen und der mittlerweile angeschaffter „Zweithündin“ lange Spaziergänge unternehmen. Die Fotos, die Bufo bei zahlreichen Aktivitäten zeigen, vermitteln sehr deutlich, dass ein Hund trotz hochgradiger Bewegungseinschränkung ein hundegerechteres Leben führen kann als so mancher gesunde Artgenosse, dessen Aktivitätsradius auf das Umkreisen eines Häuserblocks und auf den gelegentlichen Besuch einer Hundezone beschränkt ist. Bufo hatte den Bemühungen seines Frauchens und dem Rollwagen gute drei Jahre erfüllten Hundelebens zu verdanken. Trotzdem sollte eine solche Gehhilfe keinesfalls ohne eingehende tierärztliche Untersuchung angeschafft werden, da sonst der Zeitpunkt für eine Therapie möglicherweise übersehen wird. Freilich berichtet Bufos Halterin auch über die Anstrengungen, die das Zusammenleben mit einem behinderten Hund mit sich bringt: „Es gibt keine Rad- oder Bergtouren mehr, und wenn ich abends müde ins Sofa falle und Bufo mir zeigt, dass sie durstig ist, dann habe ich die Wahl, entweder den Hund zur Wasserschüssel oder die Wasserschüssel zum Hund zu bringen.“ Auch werden Hund und Halter mit z.T. unverständlichen Reaktionen konfrontiert; die von Mitleidsbezeugungen bis hin zu Anfeindungen („Was wollen Sie denn mit dem Krüppel?“) reichen. Es bedarf also einer festen Überzeugung und einiger Nervenstärke, um das Leben mit einem behinderten Tier zu meistern. Von Wackelkatzen und Hunden auf Rädern können wir viel lernen: Die Lebensfreude, die sie ausstrahlen, zeigt, dass das Leben trotz körperlicher Einschränkungen lebenswert sein kann. Diese Tiere vermitteln die Einsicht, dass die Lebensaufgabe nicht darin besteht, um jeden Preis nach Perfektion und „Normalität“ zu streben, sondern darin, die Herausforderungen des Lebens bestmöglich zu bewältigen.

DDr. Regina Binder Tierschutz- & Veterinärrecht / Messerli-Institut für Mensch-Tier- Beziehung Veterinärmedizinische Universität Wien Veterinärplatz 1, A-1210 Wien regina.binder@vetmeduni.ac.at

 


Spezialfutter für geschwächte Kaninchen und Nager

Gestörte Futteraufnahme durch zu lange Zähne


Zwergkaninchen Nikki wird zum Tierarzt gebracht, weil es nicht mehr frisst und schon stark abgemagert ist. Nikki bietet einen eigenartigen Anblick: Die Unterkieferschneidezähne wachsen schräg nach vorne - vergleichbar den Stoßzähnen eines Elefanten -, während sich die Schneidezähne im Oberkiefer widderhornartig einrollen und auf den Gaumen zuwachsen. Normale Kieferbewegungen beim Fressen sind dadurch unmöglich geworden; das ist der Grund, warum Nikki kein Futter mehr aufnimmt. Auch Meerschweinchen Theo ist dünn und geschwächt. Theos Frauchen ist aufgefallen, dass Theo zu fressen versucht, aber offensichtlich nicht schlucken kann. Unzerkautes Futter hängt ihm aus dem Maul und er speichelt stark. Die Tierärztin diagnostiziert eine Brückenbildung der Backenzähne über die Zunge.

Zähne wachsen lebenslang
Während die Schneidezähne bei allen Hasenartigen und allen Nagetieren permanent nachwachsen, um die starke Abnützung durch die Nagetätigkeit auszugleichen, ist dies bei den Backenzähnen nicht generell der Fall. Nur Kaninchen, Meerschweinchen, Chinchillas und Degus besitzen Backenzähne mit lebenslangem Wachstum. Dieses lebenslange Zahnwachstum wird jedoch bei Zahnfehlstellungen und falscher Fütterung zum gesundheitlichen Problem. So kommt es besonders bei kurzköpfig gezüchteten Zwergkaninchen häufig zu Fehlstellungen der oberen und unteren Schneidezähne und in der Folge zu so groteskem Zahnwuchs, wie bei oben erwähntem Kaninchen Nikki. Wenn eine Fehlstellung der Schneidezähne vorliegt, sollten immer auch die Backenzähne untersucht werden. Denn sehr oft besteht dann auch ein mangelnder Zahnabrieb der Backenzähne, an denen sich spitze Haken bilden. Wachsen die Haken nach außen, verletzen sie die Wangenschleimhaut; es kann zu schmerzhaften Abszessen kommen. Wachsen sie nach innen, also zungenwärts, verletzen sie die Zunge oder bilden im schlimmsten Fall sogar eine Brücke über die Zunge, wie bei Meerschweinchen Theo. Die betroffenen Tiere können nicht mehr schlucken und verhungern ohne ärztliche Hilfe an der vollen Schüssel. Dem aufmerksamen Tierhalter fällt auch auf, dass sein Schützling die mit der Zunge zu entleerende Wasserflasche kaum noch aufsucht. Der Grund dafür ist, dass die Backenzähne die Zunge käfigartig eingeschlossen haben und dadurch die Trinkbewegung nicht mehr ausgeführt werden kann.